Ein Blick für einen flüchtigen Augenblick

Sie sehen sich jeden Wochentag

für nicht länger als eine Sekunde

immer morgens zur selben vollen Stunde

fährt sie mit der U-Bahn rein in die Stadt

und er mit der U-Bahn raus aus der Stadt.

Wenn die Bahnen aneinander vorbeifahren

trifft sich ihr Blick für einen flüchtigen Augenblick

ihr war gar, als hätte er ihr zugenickt

ehe er sich im eigenen Spiegelbild verliert

als wäre nichts passiert.

Die Brücke

Zwischen ihnen diese Lücke

er auf der einen Seite

sie auf der anderen Seite

der hinüber führenden Brücke.

Während sie so am Ufer stehen

und zueinander hinübersehen

in Erwartung der ersten Schritte

des jeweils andern gen Brückenmitte

hat es zu regnen angefangen

auch grollt ein Donner in der Ferne

ist sie bald gegangen

von der Kälte in die Wärme.

Er steht nun allein auf ihrer Seite

durchnässt bis auf die Haut

niemand mehr auf seiner Seite

es wirkt seltsam vertraut.

Eine letzte Erinnerung

Sie sitzt im Rollstuhl am Strand

ein Eis in der rechten Hand

an einem der letzten Sommertage

nachdenkend über meine Frage

sie schaut über die Kieler Förde aufs Meer hinaus

sieht Fähren am Horizont fahren, der Sonne entgegen

wie gerne wäre sie dort, noch lieber zuhaus‘

erzählt schließlich von einer magischen Nacht

wild tanzend hatte sie diese unweit von hier

mit ihrem längst verstorbenen Ehemann verbracht

und lächelt milde

ob sie spürte, es würde unser letztes Treffen sein

während ich in meinem Kaffee rührte

an meinen Opa dachte

ihrem Blick zum Horizont folgte

wo die Schiffe zogen und die Sonne

langsam, ganz langsam

hinter einer Wolke

verschwand?

Fühlen mit dem Kopf

Will hinaus aus meinem Kopf

dem gestern und dem morgen

will in die Gegenwart hinein

ohne vermeintliche Sorgen.

Ich will atmen mit den Füßen

sie gehen nackt auf Holz

meine Augen sind geschlossen

das gebietet mir mein Stolz.

Ich versuch‘ den Weg zu fühlen

spüre, dass ich verkrampf‘

Anspannung folgt Angst

es ist nun wie ein Kampf.

Für Sekunden nur halt ich

die Anspannung aus

es lockt das gestern und morgen

das altbekannte Haus.

Erneut versuch‘ ich loszulassen

will hinaus aus meinem Kopf

will zurück in meine Füße

ehe ich die Erkenntnis begrüße

noch fühl’ ich mit dem Kopf.

Kreuz und her

Meine Gedanken

rasen

rasen

hin und her

rasen

kreuz und quer

überschlagen sich

egal, was ich auch tu‘

ich komm‘ nicht zur Ruh‘

und mein Körper

träge, langsam, schwer

kommt dem Kopf nicht hinterher

als ob etwas an ihm hängt

als ob ihn jemand unbekanntes lenkt

fragt sich bloß wer

verfängt sich

fängt nicht

fängt mich

ein Gedanke

verdrängt

hier

drängt

dort

drängen

meine Gedanken

rasen

überschlagen sich

jagen mich

hin und quer

kreuz und her.

So real surreal

Hellwach

mitten in der Nacht

gerissen aus dem Schlaf

ich glaube es kaum

es war nur ein Traum

ist es gewesen

so real von einem surrealen Wesen

es konnte meine Gedanken lesen

laut und klar sprach es sie aus

ich wollte sie nicht hören

es war ein Graus

ich hatte Angst

so viel Angst

rannte und rannte

nur fort

fort

aber wohin ich auch kam

es war schon dort

wie abgelegen auch der Ort

bald wusste ich nicht mehr

wo ich war

als ich kurz aufsah

verlor ich den Halt

es öffnete sich der Boden weit

unter meinen Füßen

eine Falltür

ich fiel und fiel

bis ich erwachte

mitten in der Nacht

gerissen aus dem Schlaf

ich glaube es kaum

es war nur ein Traum.

Ein und aus

Ein Morgen im November sacht erwacht

Tau auf dem Brückengeländer

nach einer langen Nacht

über dem Wasser

schlief der Nebel

bis eben

tief

scheint das Sonnenlicht

bricht im sanften Wellenschlag

Kräuselungen und Spiegelungen

an dem noch jungen Tag

starten Gänse schnatternd

ich lebe, was ich hab‘

vor mir mein

eig‘ner Atem

ein und

aus.

Einem alten Freunde

Ohne dich wär‘ ich nicht

wer ich bin

immer wieder

gabst du mir Halt und Sinn

du formtest mich mit

Charakter, Tugend

Witz und Tiefe

seit meiner Jugend

wo ich auch hinliefe.

All die Erinnerungen

die uns aneinander binden

niemals werden sie verschwinden

all die Momente

die wir noch schaffen werden

was gibt es schöneres auf Erden

als zu wissen, du wirst an meiner Seite bleiben

weiter mit mir durchs Leben schreiten

bis einer nicht mehr ist

ich bin so dankbar

dass du bist.

Von einem Mann

Unter der Woche fährt er

mit der U-Bahn in die Stadt

manchmal schläft er ein

manchmal bleibt er wach.

Er wurde hier geboren

und er wird hier sterben

hier wuchs er heran

von einem Kind zum Mann.

Am Wochenende schaut er

aus seinem Fenster raus

er kennt hier jeden Stein

hier ist sein Zuhaus‘.

Alle kennen ihn

zumindest sein Gesicht

manche gar seinen Namen

die meisten aber nicht.

Allen, die vorbeigehen

wünscht er ‘nen guten Morgen

er weiß von ihren Träumen

er weiß von ihren Sorgen.

Nur von seinen eig‘nen

wusste er noch nie

will er auch nicht wissen

darum fragt er sie.

Auf jener Bank im Park

Zwischen gelben Blättern

steht diese Bank im Park

auf der ich bis eben saß

und in einem Buche las

das du geschrieben hast

auf jener Bank im Park

ich sah dir manchmal zu

wie du schriebst mit großer Ruh

wie du Zeit und Raum vergaßt

auf jener Bank im Park

auf der ich bis eben saß

in deinem Buche las

Raum und Zeit vergaß

auf dieser Bank im Park

schlug ich in aller Ruh

nunmehr dein Buche zu.

Von Rotwein und Zartbitterschokolade

Mit dem faden Geschmack im Mund

von trockenem Rotwein und

süßer Zartbitterschokolade fährt sie

während andere längst schlafen

mit einem spöttischen Lächeln Richtung Flughafen.

Wo sie sich das erste Mal trafen

vor zwei Jahren auf den Tag genau

sie war damals eine andere Frau

ziemlich selbstherrlich und arrogant

wie sie sich dank ihm später eingestand.

Nicht, dass sie es jetzt nicht mehr ist

aber sie kann über ihre Arroganz lachen

kann Witze über sich machen

doch das sieht sie gerade nicht

als sie allein am Flughafen sitzt

neben einem Mann mit einem Rotwein

in der einen und einer Zartbitterschokolade

in der anderen Hand und

rund um den Mund

einem spöttischen Lächeln.

Was dich ausmacht

Wie viele Gesichter du hast, ob du sie alle kennst

ob du einen Elefanten beim Namen nennst

wann du weinst und wann du auslachst

was du liebst und was dich ausmacht

wo du dich betrügst, wann du lügst

ob der äußere Schein trügt

was du dir wieso verbaust

was du dich nicht traust

worüber du dich ärgerst

wen du gern verärgerst

wovor du Angst hast

wann du laut lachst

ob du dich sehnst

was du verpönst

was du verbirgst

was mit dir stirbt

was dich antreibt

was von dir bleibt

wenn du dein

Innerstes

nach Außen

kehrst.

Mit Freude oder halb Leid

Ich schaue mit der mir möglichen Ruh

dem Treiben auf der Außenalster zu

Vögel und Ruderer ziehen vorbei

allerlei Worte taumeln

durch den Kopf baumeln

im Takt der Wellen auf und ab

wie Beine überm Wasser

Fässer von Gedanken

wer vor mir hier saß und wie lange

war ihr Mut, ihm bange

worüber dachte sie nach

lachte er laut seltsam vertraut

allein oder zu zweit

mit Freude oder halb Leid

war es noch Nacht oder schon Tag

wart sie seinen Möglichkeiten gewahr

auch wer nach mir hier sitzt

ob sie ihren Namen in die Bank ritzt

sieht er den Herbst funkeln seine Augen

wohin führt sie ihr unerschütterlicher Glauben

hört er das Wasser ruhig an die Wände schlagen

hat sie jemals jemand auf Händen getragen

Über meine Vorstellungskraft

Ich glaube nicht

dass es dich gibt als etwas

was in meiner Vorstellungskraft liegt

vielleicht sind alle Menschen eins

teilen eine Seele und einen Geist

vielleicht ist mein Leben keins

und ich bin eine Phantasie

die du mir gnädig liehst

vielleicht kann ich allein bestimmen

über meine Wege, was geschieht

vielleicht konnte ich das nie

oder nur in deinen Bahnen.

Wovor ich Angst habe

Vor meiner Angst vor meiner Angst vor meiner Angst

vor meiner Angst vor meiner Angst

vor meiner Angst

Vor meinem Gefühl

Vor unkontrollierbaren Situationen

Vor tiefen Gewässern

Vor dunklen Seen

Vor dem Tod

Vor der Trennung

Vor Aufmerksamkeit

Vor Kontrollverlust

Vor Liebesentzug

Vor Hochgenuss

Vor der Verbindung

Vor unbekannten Menschen

Vor bekannten Menschen

Vor Menschen

Vor dir

Vor deinem Gefühl

Vor meiner Angst

vor meiner Angst vor meiner Angst

vor meiner Angst vor meiner Angst vor meiner Angst.

Die lachende Möwe

Am Elbstrand sitze ich

eine Möwe zieht krächzend Kreise

Container krachen leise

der Wind rauscht laut

Wellen laufen aus

Schiffe schwer beladen

her tragen mich Gedanken

Bilder aus vergangenen Tagen

wie ich stand am Strand

im knöcheltiefen Schnee

getragen von Fernweh

von einer neuen Liebe

zwischen den Gewalten

gehalten von Heimweh

von einer alten Liebe

fallende Container poltern

Schiffe laufen leise aus

Wellen rauschen laut

im drehenden Wind

tragen Gedanken

mich nach Haus

was war und was ist

die Möwe lacht

mir zum Abschied

ins Gesicht.

Die (un)sichtbare Mauer

Es ist, als ob auf meinem Weg

eine unsichtbare Mauer steht

nicht zu übersteigen und nicht zu umgehen

ich entscheide mich, umzudrehen.

Bald findet mich erneut der Weg

auf dem die unsichtbare Mauer steht

ich fluch‘ und schimpf‘ auf mein Unglück

laut hallt es zurück.

Ich setz‘ mich hin und nehm‘ mir Zeit

frag‘ nach dem Sinn, bin ich bereit

warum die unsichtbare Mauer hier wohl steht

mitten auf meinem Weg.

Ich finde eine Antwort

eine Antwort gibt es nicht

ich trage mein Päckchen

ich trage es nicht.

Nun taucht die Mauer am Horizonte auf

ich kann sie wirklich sehen

und meinen Weg weiter gehen

nehme Anlauf.

Ich springe über die Mauer drüber

während ich laut singe.

Von dem natürlichen Lauf der Dinge

Eine Eichel fiel

auf den Boden weich

sie begann zu rollen

in Richtung eines Teichs.

Den sie nicht erreichte

da ein Eichhörnchen sie verspeiste

das gönnte sich dann Rast

auf einem hohen Ast.

Es war des Nagers letzte Ruh

im Nu schlug eine Eule zu

welch‘ Gaumenschmaus

besser gar als jede Maus.

Doch eh die Eule sich versah

nahm auch sie den letzten Atemzug

war unter großem Geheule

ergriffen von einem Steinadler.

Ein Jäger beobachtete dies verzückt

schoss kauend auf einem Brot den Adler tot

zum Un- vor Glück hat er dann

sein Gewehr zu fest gegen den Eichenstamm gedrückt.

Eine Eichel fiel sogleich

auf seinen Kopf hart

der arme Tropf erschrak

und eh er sich versah

verlor er das Gleichgewicht

sah direkt ins Sonnenlicht

fiel dann geblendet ungeschickt

und brach sich das Genick.

Die nächste Eichel fiel auch

wie die erste weich

nämlich auf des Jägers runden Bauch

sie erreichte fast den Teich.

Und die Moral von der Geschicht‘

schieß‘ nicht mit Brot im Mund

und ohne Not einen Adler tot

das rächt sich.

Ein tanzender Tag

Der Tag fühlt sich an

wie ein improvisierter Tanz

schwere Aufgaben fallen leicht

vom Kopf in die Füße klingen

seicht schwingende Liebesgrüße

des Herzens zum Bauch unverbraucht

kreuz und quer schüttelnd

an den Naturgesetzen rüttelnd

Beine schlagen Haken

die Arme tragen einen Flik Flak

die Hüften bebend

im Takt schwebend

der Bauch singt

mit weit geöffneten Mund

ein Lied erklingt

laufend

springend

über den Bürgersteig

hallt es weit und breit

inmitten der Leute

alles kann gelingen

nichts misslingen

heute.

Wenn ich meine Zweifel tanze

Was ich nicht kontrollieren kann

nimmt in der Nacht überhand

es tritt zutage

was ich am Tage nicht ertrage

ich lasse zu, was ist

nehme hin, wie es ist

lasse los

ohne Plan und ohne Ziel

nichts ist zu groß

ohne Denken ins Gefühl

kein Kalkül

ich fühl‘ anstatt zu negieren

lass Momente regieren

bin für Angst und Trauer bereit

für Freude und Ausgelassenheit

ich bin ohne Frage nach dem Sinn

wenn ich meine Zweifel tanze

mich nicht hinter ihnen verschanze

wenn ich träume

wenn ich schlaf

bin ich mir wirklich nah?

Bis ich balanciere

An diesem sonnigen Tag
im frühen Herbst
sitze ich im leichten Winde
auf Metall, wie es hallt
unter meinen Fingern
die klopfen sanft und stark
im Wechsel die Beine
ausgestreckt und angewinkelt
sitze ich sicher nah am Rand
den Rücken an der Wand
während ich mit mir winde
die rechte Hand baumelt
über dem Hang
die linke ruht in der Jackentasche
eine Kastanie
ich könnte aufstehen
ich könnte balancieren
an diesem herrlichen Tag
im frühen Herbst
wärmt die Sonne leicht
so wie der Winde weht
gesammelte Regentropfen bewegt
die Äste biegen weich
hier sitz ich früh und spät
bis ich balanciere.

Der Blumenstrauß

Die Menschen kommen nach Haus

von der Arbeit nach dem Einkauf

was der Abend bringen mag

ob jemand auf sie wartet

nach diesem langen Tag

trägt die junge Frau

gelbe Blumen heim

er läuft in sie hinein

auf dem breiten Bürgersteig

sein Blick gerichtet nach oben

diese wunderbare Färbung

seine blauen Blumen

verteilt auf dem Boden

ihre gelben ebenfalls

gleichwohl lacht sie laut auf

und formt strahlend

einen leuchtend

blau-gelben

Strauß.

Atem der Verbundenheit

Ich liege verdeckt

im hoch geschossenen Gras

die Beine ausgestreckt

die Arme von mir gestreckt

mit geschlossenen Augenlidern

von innen rötlich gelb

das grelle Sonnenlicht wärmt

wie der weiche Boden

unter meinem Körper wiegt

leicht nachgibt

kitzelt der Atem der Natur

Verbundenheit

keine Grenze über mir

wach ich oder träum ich

zieht es mich empor

als würd‘ ich schweben

auf dem Rücken liegend

die Handflächen nach oben.

Die hinabstürzenden Tauben

Wie ein breiter Bach jener flache Fluss

hinüber führt diese alte Brücke

auf ihr stehen schiefe Häuser

schließen ohne jede Lücke

von dem höchsten Dach

stürzt eine erste Taube steil hinab

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

stürmt erneut hin

aufs höchste Dach

gurrt und schaut hin

ab mit Genuss in

Richtung Fluss

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

nun tut eine zweite Taube es gleich

derweil kühl ich meine Füße seicht

watend im flachen Fluss

und schaue mit Bedacht

hoch zum höchsten Dach

zu den hinabstürzenden Tauben.

Podcast – Folgen 4 und 5 – Die spiegelnde Natur

Moin,

zwei neue Folgen meines Podcasts sind online.

Folge 4:

 

Folge 5:

Nicht wie versprochen am Donnerstag der letzten Woche, nicht einmal am gestrigen Donnerstag. Also doppelte Verspätung. Sorry. Aber dafür gibt es nun auch eine doppelte Folge. Und wieder up to date.

Yeah!

Worum es in den Podcasts ungefähr geht:

Ich trage die Gedichte der letzten zwei Wochen vor. Kennt der aufmerksame Leser zwar vom Blog, aber nicht so. Und eine Frage stelle ich euch jeweils auch noch. Also reinhören.

Danke.

Tue es gut!

Euer

Fritz Sebastian Konka

Vom sehnsüchtigen Fisch

Es war einmal ein Fisch

der war sehr sehnsüchtig

er wollte gerne fliegen

drum fing er an zu üben.

Bald verschwamm das Meer

denn nun verbrachte er

die Zeit gänzlich in der Luft

berauscht von all dem Duft.

Zum Vogel war er dann geworden

doch der Fisch in ihm nicht gestorben

er sehnte sich zurück von oben

zurück auf den Meeresboden.

Über allen, der Himmel, weich

Ein Sommerabend zwischen neun und zehn

aus offenen Fenstern weh‘n

Fernsehgeräusche

mahnende Worte

und Zigarettenrauch

vom Balkon gegenüber

schaut ein Mann

zu mir herüber,

Blicke treffen sich,

ich hab ihn lang nicht mehr geseh‘n,

und wenden sich ab

zu zwei Vögeln, die fliegen davon,

begleitet vom Gesang ihrer Artgenossen,

im Hintergrund Motorengeräusche,

das Rauschen der Straße,

die Geräusche einer Feile,

über allen, der Himmel, weich.

Rote Blätter einer Buche

Rote Blätter einer Buche

hängen tief herab,

streben gen Erde

mit sanfter Schwere

schaukeln vor und zurück,

unter ihnen das hohe Gras,

das ebenfalls im Winde wiegt,

das gen Himmel sieht,

sehnsüchtig nach Verbindung,

säße ich nicht hier,

stünde ich dort

im hohen Gras,

reckte mich,

auf nackten Zehenspitzen,

streckte mich,

so hoch ich könnte,

erreichte ich mit einer Hand

und letzter Kraft

vielleicht

einen Ast

und

seine Blätter.

Ein Baum

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

stets war ich vorbeigefahren.

Letzte Woche hielt ich an,

widmete mich seiner ganz,

fragte mich, wie alt er ist,

warum er wohl am Leben ist.

Ich ging um ihn herum,

lehnte mich an seinen Stamm,

klopfte sacht und schaute

aufmerksam an ihm entlang

bis zu seiner Krone,

fühlte seine Blätter,

sie waren nass und warm.

Ich trat ganz nah an ihn heran,

und näher, nahm ihn in meinen Arm,

meinen Atem warf er mir zurück,

ich setzte mich zu seinem Fuße,

verabschiedete mich mit einem Gruße,

winkte und wünschte Glück.

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

heute bin ich vorbeigefahren.

Podcast – Folge 3 – Wenn die Gedanken frei sind

Moin,

mein dritter Podcast ist online:

 

Wie versprochen am Donnerstag. Gefeiert muss das werden, also:

Yippie, yeah!!!

In dem Podcast passiert nicht viel, kennt ihr ja, aber was passiert?

Das:

Ich stelle euch eine Frage – Vorsicht das Thema des Podcasts spoilert – und trage fünf meiner Gedichte vor („Wenn ich fühle, wenn ich denke“, „Wie am ersten Tag“, „Ein ruhiger Moment“, „Mein Kern“ und „Bittersüßer Übergang).

 

Und ihr jetzt alle so:

Kenn ich doch alle schon!

Und ich jetzt so:

Ja, aber nicht so!

Und ihr jetzt alle so:

Kenn ich alle noch nicht.

Und ich jetzt so:

Na dann!

 

Mache ich nun also tatsächlich wöchentlich, dieses Podcast-Dings.

 

Danke! Danke! Tut es gut!

Euer

Fritz Sebastian Konka

Mein Kern

Zu meinem Kern ist es noch weit,

er ist verletzlich, zart und weich,

ich spür‘, ich bin ihm nah,

wenn ich vor einer Pusteblume steh‘,

die sich im Winde neigt und hebt,

bei dir ich bleib‘, dich ich nicht brech‘,

weil es mich schmerzt, dir ich versprech‘,

ich lass‘ dich stehen, wie du bist,

ich lass‘ dich gehen, wie du bist,

im Winde lass‘ ich dich verwehen.

Podcast – Folge 2 – Leben und Momente

Moin,

mein zweiter Podcast ist online. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.

Yippie, yeah, yeah, yeah!!!

Oder was meint ihr?

Was in dem Podcast so passiert:

Ich stelle euch eine Frage und trage drei meiner Gedichte „Im Freibad“, „Leben und Momente“ und „Das Strahlen des Mondes“ vor.

Mache ich nun wöchentlich, also dieses Podcast-Dings. Und euch eine Frage stellen. Und Gedichte vortragen. Aber nicht immer drei. Und nicht immer die genannten. Das beruhigt, oder?

So geht der Podcast:

Danke! Danke! Tut es gut!

Euer

Fritz Sebastian Konka

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Geheimnis (2007)

Zum ersten Mal sah ich Augen wie die seinen,

ein unergründliches dunkelbraunes Schwarz,

umwoben von einem Geheimnis,

das ich nicht zu erschließen vermochte,

spürte ich die keimende Trauer,

die langsam gen Seele tropfte.

In der Tiefe schlummerten Tränen,

die vermögten über Nacht,

ein kleines Rinnsal zu verwandeln

in einem reißenden Bach.

Ich hörte sie sagen:

„Niemand kann ihm folgen,

er ist bereits auf dem Weg,

nur der Hüter kann sehen,

was du nicht verstehst.“

Da wünschte ich mir,

lastete seine Schwere doch auf mir,

sie nimmt ihn mit hinab,

an mir prellte sie ab.

Und schon schwappten Tränen und Trauer

Hand in Hand über den Rand,

rissen es mit, trugen es fort,

an den letzten unbekannten Ort.

Du bist nicht deine Gedanken

Wenn du in Gedanken bist,

wo bist du dann?

Nicht hier bei mir,

mahnt sie ab und an,

wenn du in Gedanken bist.

Fragst du dich, warum du fliehst?

warum deine Gedanken dich

von hier wegzieh‘n?

Wenn nicht, frage ich.

Weil es nunmal so ist,

weil es ist, wie es ist.

Ja, es ist, wie es ist, erwidert sie,

aber deine Gedanken sind nicht,

du bist und nur

hier bei mir,

wenn du nicht in Gedanken bist.

Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Moin,

mein erster Podcast ist online. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.

Yippie, yippie, yeah, yeah, yeah!!!

Oder was meint ihr?

Ich trage unter anderem drei meiner Gedichte („Pusteblumen“, „Tanz mit der Angst“ sowie „Gedankenkreise“) vor und erzähle etwas zu ihnen.

Will ich nun wöchentlich machen.

Einfach hier klicken:

Fritz Sebastian Konka · Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Danke fürs lesen, hören, kommentieren liken und kritisieren.

Euer

Fritz Sebastian Konka

Alter Wegbegleiter

Nicht mehr gewartet

zu lang die Spanne

als dass

vergessen, versunken, verschüttet

hinabgesunken ins Ungewisse

vergraben unter neuem und alten

umgeben von

ähnlichen Ungleichen

und dann irgendwann

nach Zeit, all der Zeit

anders so vertraut

erklingt

diese wohlbekannte Stimme

jetzt

jenes verlorenen Wegbegleiters

der nie verloren war

hinein ins Herz

trägt mich zurück

nach vorn

ins hier

mit neuen Worten

an das Ufer

dieses tiefen Sees.

Die Ruhe der Gedanken

Manchmal fällt mir nicht ein

Gedanke ein,

dann suche ich, doch

finde keinen Reim.

Manchmal findet ein

Gedanke mich,

ohne, dass ich suche

scheinbar aus dem Nichts.

Manchmal frag ich nicht,

woher er kommt, und

schreib ihn auf

ob Tag, ob Nacht

nehm ich ihn ernst und auf.

Manchmal frag ich nach

seinem Grund und

grübel länger nach,

ob ich versteh,

welch Gefühl

dahinterstehen mag.

Manchmal schieb ich

ihn zur Seite, hör ihm

nicht einmal zu,

stets kommt er dann wieder,

manchmal erst nach Jahren,

er will seine Ruh.

Leben und Momente

Wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nicht will, nur bin,

wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nicht will, nur bin.

Wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nur sitz und schau,

wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nur sitz und schau.

Wenn ich mit mir alleine scheine,

verbunden bin mit allem Sein,

wenn ich mit mir alleine scheine,

verbunden bin mit allem Sein.

Wenn ich es nicht anders wünsche,

anders wünsche als es ist,

wenn ich es nicht anders wünsche,

anders wünsche als es ist,

wie wundervoll

mein Leben ist.

Blatt an Ast an Baum

Ich sitze

rückwärtsgewandt

am offenen Fenster,

kalte Morgenluft strömt herein,

Vogelgesang,

im Spiegel der Ausschnitt

eines Baumes

zwischen Wurzel und Krone

biegen sich Äste,

der Stamm ist nicht zu sehen,

zittern Gäste,

immer ähnlich, niemals gleich

stets im selben Raum,

unversehens,

mal ein Knirschen,

Blatt an Ast an Baum.

Fließende Ruhe

Ich blicke auf die grünen Hügel der Vogesen,

Nebel steigt aus dem Tal herauf,

an die Scheiben peitscht der Regen.

Der Ofen wärmt, die Vögel zwitschern,

ich denke, an das Plätschern des Rheins,

an die Natur als Spiegel meines Seins.

Wie die Flüße fließen,

wie die Wolken ziehen,

wie die Hügel im Nebel verschwinden,

wie die Vögel weiterziehen.

So klar und so bewusst,

breitet sich in mir die Einsicht aus,

wahre Ruhe ist stets im Fluß.

Alle sind wer

Vom Hügel ist die nächste

Senke schon zu sehen,

eben noch stand er am höchsten,

bald ist er nicht mehr zu sehen.

Das Kornfeld leuchtet golden

vor dem blauen Meer,

die Kühe grasen auf der Weide,

niemand ist hier wer.

Aus der Senke ist der nächste

Hügel schon zu sehen,

eben noch stand er am tiefsten,

bald ist er von überall zu sehen.

Zusammen

Er sieht sie von Weiten.

Sie ist verloren in Einzelheiten.

Er winkt und ruft.

Sie schaut und sucht.

Gefunden.

Er läuft auf sie zu.

Sie erwartet ihn in Ruh

mit ausgebreiteten Armen

freudestrahlend.

Nun ist sie nah,

er ist fast da.

Kein Gedanke.

Ein Gedanke.

Er springt.

Aus vollem Lauf.

Mit voller Kraft.

Mit allem, was er hat.

Sie fängt ihn auf.

Sie fallen sanft,

er in ihren Armen.

Das Licht des Leuchtturms

Das Licht des Leuchtturms dreht

verlässlich seine Runden,

als er am Wasser steht

in den frühen Morgenstunden.

Auf nun steigt die Sonne

gemächlich aus dem Meeresblau

auf nun steigt die Sonne

verschwindet bald im Wolkengrau.

Eine Welle höher als die meisten,

trifft ihn im Gesicht,

sie war zu sehen von Weitem,

zu sehen war sie nicht.

Ein letzter Blick aufs Meer

Und das Schiff verlässt den Hafen,

wehmütige Freude

Möwen sitzen auf den Steinen

sehnsuchtsvolles Warten.

Die Sonne scheint, es regnet,

Tropfen fallen schwer.

die Möwen kreisen einen Bogen,

eine nur fliegt hinterher.

Eine Mutter klettert mutig

auf den Steinen bei starkem Wind

sie hält ängstlich an der Hand

ein vor Freude jauchzendes Kind.

Am Horizont verschwunden

der Kaffee auch fast leer,

ach, wären sie nur ungebunden,

ein letzter Blick aufs weite Meer.

Dieser schmale Pfad

Er wandert auf diesem schmalen Pfad,

der führt hindurch das hohe Gras,

in dem sie auf dem Rücken liegt

und in die Sonne sieht,

mit ausgestreckten Armen und

ausgestreckten Beinen.

Er geht an ihr vorüber,

ohne sie zu erblicken,

sie summt mit geschlossenen Lidern

seine Lieblingsmelodie,

gedankenverloren

schaut er in die Weite.

Jahre vergehen,

da geht er wieder diesen Weg,

er hört das Summen,

sie sieht, wie er dort steht.

Von einem Traum

In einer Höhle,

es ist finster,

stockfinster.

Ich habe Angst,

so viel Angst.

 

Verzerrte Gestalten tanzen,

purzeln, walten sinnlos,

es hallt, hallt, hallt.

Ich habe Angst.

so viel Angst.

 

Ich renne schnell und schneller,

sie kommen nah und näher,

sie lächeln, breit und breiter.

Ich habe Angst,

so viel Angst.

 

Sie kreisen mich ein.

Immer enger.

Ich möchte schreien,

Ich habe Angst,

so viel Angst.

 

Sie umarmen mich.

So liebevoll, fast zärtlich.

Ich wache auf.

Ich habe Angst,

so viel Angst.

Die welken Blätter

Blätter, welk, liegen auf dem Boden,

sie fielen vor langer Zeit,

sie fielen eben von droben,

die welken Blätter auf dem Boden.

 

Sie lebten bis eben,

sie starben vor langer Zeit,

die welken Blätter auf dem Boden,

die fielen, wann, von droben.

 

Einst aus einer Knospe erwachsen

grün, satt und hell, schwangen

sie lebendig schaukelnd,

schwangen sie schnell im Wind.

 

Ehe sie schwebten,

wann,

von droben

ehe sie lagen,

dann,

auf dem Boden

die welken Blätter.

Die sieben Wege

Ich sitze auf einer Bank

an einer Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinein,

sie führen hinaus.

 

Die Bäume schützen

vor dem prasselnden Regen,

vereinzelt finden Tropfen

ihren Weg durch dieses

nicht ganz dichte Dach,

wandern auf den Blättern,

fallen von den Blättern.

Auf mich herab.

Immer wieder.

Und doch harre ich aus.

Bis der Regen geht.

Bis die Sonne heraus

kommt.

 

Ich sitze auf dieser Bank

an dieser Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinaus,

sie führen hinein.