Der Blumenstrauß

Die Menschen kommen nach Haus

von der Arbeit nach dem Einkauf

was der Abend bringen mag

ob jemand auf sie wartet

nach diesem langen Tag

trägt die junge Frau

gelbe Blumen heim

er läuft in sie hinein

auf dem breiten Bürgersteig

sein Blick gerichtet nach oben

diese wunderbare Färbung

seine blauen Blumen

verteilt auf dem Boden

ihre gelben ebenfalls

gleichwohl lacht sie laut auf

und formt strahlend

einen leuchtend

blau-gelben

Strauß.

Die hinabstürzenden Tauben

Wie ein breiter Bach jener flache Fluss

hinüber führt diese alte Brücke

auf ihr stehen schiefe Häuser

schließen ohne jede Lücke

von dem höchsten Dach

stürzt eine erste Taube steil hinab

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

stürmt erneut hin

aufs höchste Dach

gurrt und schaut hin

ab mit Genuss in

Richtung Fluss

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

nun tut eine zweite Taube es gleich

derweil kühl ich meine Füße seicht

watend im flachen Fluss

und schaue mit Bedacht

hoch zum höchsten Dach

zu den hinabstürzenden Tauben.

Über allen, der Himmel, weich

Ein Sommerabend zwischen neun und zehn

aus offenen Fenstern weh‘n

Fernsehgeräusche

mahnende Worte

und Zigarettenrauch

vom Balkon gegenüber

schaut ein Mann

zu mir herüber,

Blicke treffen sich,

ich hab ihn lang nicht mehr geseh‘n,

und wenden sich ab

zu zwei Vögeln, die fliegen davon,

begleitet vom Gesang ihrer Artgenossen,

im Hintergrund Motorengeräusche,

das Rauschen der Straße,

die Geräusche einer Feile,

über allen, der Himmel, weich.

Rote Blätter einer Buche

Rote Blätter einer Buche

hängen tief herab,

streben gen Erde

mit sanfter Schwere

schaukeln vor und zurück,

unter ihnen das hohe Gras,

das ebenfalls im Winde wiegt,

das gen Himmel sieht,

sehnsüchtig nach Verbindung,

säße ich nicht hier,

stünde ich dort

im hohen Gras,

reckte mich,

auf nackten Zehenspitzen,

streckte mich,

so hoch ich könnte,

erreichte ich mit einer Hand

und letzter Kraft

vielleicht

einen Ast

und

seine Blätter.

Mein Kern

Zu meinem Kern ist es noch weit,

er ist verletzlich, zart und weich,

ich spür‘, ich bin ihm nah,

wenn ich vor einer Pusteblume steh‘,

die sich im Winde neigt und hebt,

bei dir ich bleib‘, dich ich nicht brech‘,

weil es mich schmerzt, dir ich versprech‘,

ich lass‘ dich stehen, wie du bist,

ich lass‘ dich gehen, wie du bist,

im Winde lass‘ ich dich verwehen.

Podcast – Folge 2 – Leben und Momente

Moin,

mein zweiter Podcast ist online. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.

Yippie, yeah, yeah, yeah!!!

Oder was meint ihr?

Was in dem Podcast so passiert:

Ich stelle euch eine Frage und trage drei meiner Gedichte „Im Freibad“, „Leben und Momente“ und „Das Strahlen des Mondes“ vor.

Mache ich nun wöchentlich, also dieses Podcast-Dings. Und euch eine Frage stellen. Und Gedichte vortragen. Aber nicht immer drei. Und nicht immer die genannten. Das beruhigt, oder?

So geht der Podcast:

Danke! Danke! Tut es gut!

Euer

Fritz Sebastian Konka

 

 

 

 

 

 

 

 

Fließende Ruhe

Ich blicke auf die grünen Hügel der Vogesen,

Nebel steigt aus dem Tal herauf,

an die Scheiben peitscht der Regen.

Der Ofen wärmt, die Vögel zwitschern,

ich denke, an das Plätschern des Rheins,

an die Natur als Spiegel meines Seins.

Wie die Flüße fließen,

wie die Wolken ziehen,

wie die Hügel im Nebel verschwinden,

wie die Vögel weiterziehen.

So klar und so bewusst,

breitet sich in mir die Einsicht aus,

wahre Ruhe ist stets im Fluß.

Alle sind wer

Vom Hügel ist die nächste

Senke schon zu sehen,

eben noch stand er am höchsten,

bald ist er nicht mehr zu sehen.

Das Kornfeld leuchtet golden

vor dem blauen Meer,

die Kühe grasen auf der Weide,

niemand ist hier wer.

Aus der Senke ist der nächste

Hügel schon zu sehen,

eben noch stand er am tiefsten,

bald ist er von überall zu sehen.

Zusammen

Er sieht sie von Weiten.

Sie ist verloren in Einzelheiten.

Er winkt und ruft.

Sie schaut und sucht.

Gefunden.

Er läuft auf sie zu.

Sie erwartet ihn in Ruh

mit ausgebreiteten Armen

freudestrahlend.

Nun ist sie nah,

er ist fast da.

Kein Gedanke.

Ein Gedanke.

Er springt.

Aus vollem Lauf.

Mit voller Kraft.

Mit allem, was er hat.

Sie fängt ihn auf.

Sie fallen sanft,

er in ihren Armen.

Ein letzter Blick aufs Meer

Und das Schiff verlässt den Hafen,

wehmütige Freude

Möwen sitzen auf den Steinen

sehnsuchtsvolles Warten.

Die Sonne scheint, es regnet,

Tropfen fallen schwer.

die Möwen kreisen einen Bogen,

eine nur fliegt hinterher.

Eine Mutter klettert mutig

auf den Steinen bei starkem Wind

sie hält ängstlich an der Hand

ein vor Freude jauchzendes Kind.

Am Horizont verschwunden

der Kaffee auch fast leer,

ach, wären sie nur ungebunden,

ein letzter Blick aufs weite Meer.

Dieser schmale Pfad

Er wandert auf diesem schmalen Pfad,

der führt hindurch das hohe Gras,

in dem sie auf dem Rücken liegt

und in die Sonne sieht,

mit ausgestreckten Armen und

ausgestreckten Beinen.

Er geht an ihr vorüber,

ohne sie zu erblicken,

sie summt mit geschlossenen Lidern

seine Lieblingsmelodie,

gedankenverloren

schaut er in die Weite.

Jahre vergehen,

da geht er wieder diesen Weg,

er hört das Summen,

sie sieht, wie er dort steht.

Amsel und Spatz

Eine Amsel singt auf dem Dach,

ein Spatz hüpft hierzu im Takt

von Ast zu Ast der

gegenüberliegenden Lärche,

seine leichte Last biegt deren

Äste seicht gen Erde,

wie stark diese dennoch

zurück gen Himmel federn

überrascht

ebenso, dass fast synchron

Amsel und Spatz

kurze Zeit später

ihren jeweiligen Platz aufgeben

und fort fliegen, gemeinsam

nur ich bleibe

allein, nicht einsam,

zwischen Dach und Lärche

an meinem Ort,

jenem vertrauten Balkon,

der einem Aste gleich

vom Stamm entzweiend

in die Lüfte reicht

im Frühling langsam erwacht,

im Herbst allmählich ausruht,

im Sommer gesellig lebt,

im Winter einsam steht.

Könnte ich fliegen, würde ich folgen,

nur wem, Amsel oder Spatz,

könnte ich womöglich

nicht entscheiden,

würde ich also doch bleiben?

Nein, meine Neugier würde mich treiben,

im Wechsel aufschlagend,

abschlagend und gleitend

würde ich nachreisen

so weit, so lang Amsel und Spatz

noch eng zusammen flögen,

bis sie sich trennten,

dort würde ich halten,

dort würde ich die bestehenden Strömungen

mit leichten Bewegungen ausgleichen,

dort würde ich liegend stehen, schwebend wehen,

bis ich Amsel und Spatz irgendwann

nicht mehr sehen könnte,

sie würden endgültig entschwunden sein.

Die Ruderer und die Brücke

Der Regen kam überraschend

und so warten die Ruderer

unter der Brücke in Reih und Glied,

bis das Unwetter vorüber zieht.

 

Vor ihnen der prasselnde Regen, hinter ihnen auch,

über ihnen die schützende Brücke, auf der

ein Passant genüsslich seine Zigarette raucht

und gemütlich aufs Wasser schaut.

 

Es scheint, der Regen komme ihm

nicht ungelegen, so gelassen er dort steht,

als sei nichts, wäre nichts gewesen,

während es auf ihn niederschlägt.

 

Sein Blick, der nicht sucht, findet,

wie friedvoll das Wasser sich verbindet,

das fallende mit dem fließenden,

ein Kreis läuft in den nächsten.

 

Wer wo anfängt, wer wo aufhört,

ist nicht mehr zu entdecken,

während die Ruderer sich

nach wie vor verstecken.

Die Seifenblase am See

Ich sitze am Ufer eines Sees

verfolge eine Seifenblase, die

über dem Gewässer schwebt,

ehe sie an Höhe verliert,

mit dem Wasser kollidiert,

leicht emporsteigt,

niedersinkt,

dieses Mal keine Kollision,

ein Tanz, ein Kuss, eine Verbindung,

gleich gleitet sie auf dem Wasser,

gleich verschwindet sie zur Hälfte,

nur ein Halbkreis noch zu sehen,

der mit der Strömung fließt,

wie eine Glocke aus Glas,

jetzt nicht mehr zu sehen.

Der Tollkühne

Er läuft in Richtung Klippe,

das Seil, geknotet um einen Baum,

fest in seinen Händen,

er wird doch nicht springen?

 

Er springt, weit raus,

er schwingt hinaus,

unter ihm nur Luft,

dann nichts, dann Wasser.

 

Nur eines ist gewiss,

reißt das Seil oder lässt er es los,

es wär sein Tod, das Wasser gleicht

aus dieser Höhe Stein.

 

Ich frage mich: „Muss das sein?“.

So ohne Not. Das Spiel mit dem Tod.

Ob er nicht anders will?

Ob er nicht anders kann?

 

Welch ein Glück das Seil hält,

er lässt nicht los

und schwingt elegant

zurück an Land.

Die Lichter der Abenddämmerung

Unter mir die Lichter der Stadt.

 

Der geschlossenen Geschäfte, die heute

kein Ziel mehr sein werden,

vielleicht morgen, die werben

mit großen weißen leuchtenden Lettern.

 

Der fahrenden Autos, die ein Stück

der Straße erleuchten, immer ein anderes,

eine helle Leuchtspur erschaffend, die sie

auf der dunklen Fahrbahn zum Ziel geleitet.

 

Der stehenden Straßenlaternen, die ein Stück

des Weges erhellen, immer dasselbe,

wartend auf einen Passanten, der die hellen Stücke

zu einem Weg zusammenfügt bis zu seinem Ziel.

 

Der wechselnden Wohnungen, die als Ziel

scheinen, es vorübergehend auch sind,

zumindest für die heutige Nacht,

den morgigen Tag, das kommende Jahr.

 

Über mir die Lichter nach der Sonne.

 

Der zarte Himmel

leuchtet hell in blau,

am Horizont in grau,

in lila und in gelb.

 

Es ist das gestreute Restlicht der

untergegangenen Sonne, das sein Ziel

noch findet, ehe es in ein paar Minuten

restlos verschwindet.

 

Gleich ist Dunkelheit,

die Sonnenstrahlen wandern vorbei

an diesem Teil der Erde

bis ans Ende aller Zeit.

 

In mir das Licht.

 

Das leuchtet.

Nach unten

wie nach oben.

Ohne Ziel.

 

Das leuchtet.

Nach innen.

Unsichtbar.

So hell.

Der Anfang oder das Ende

Er sitzt jeden Tag zur selben Zeit

allein auf der Bank im Park,

weil sie dann ihren

Abendspaziergang macht.

Als sie sich nähert,

er sieht sie bereits in der Ferne,

wie selbstbewusst sie geht,

fährt er sich unbewusst mit der

Hand durchs Haar.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt er sie schüchtern an,

schon ist sie vorbeigegangen.

Mit ihr der schönste Moment

seines Tages.

Er sagt sich:

„Spricht sie mich morgen nicht an,

setze ich mich nicht mehr

auf diese Bank. Ich kann

nicht nur für ihr Lächeln leben.

So wunderbar es auch sein mag.“

 

Sie macht auch morgen,

wie jeden Tag,

zur selben Zeit,

ihren Abendspaziergang,

weil er dann auf der

Bank im Park sitzt.

Sie sieht ihn bereits aus der Ferne,

wie gelassen er dort sitzt.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt sie ihn an, offener denn je,

schon ist sie vorbeigegangen.

Und damit der schönste Moment

ihres Tages.

Sie sagt sich:

„Morgen spreche ich ihn an. Es

war ein Lächeln, da bin ich mir sicher.

Er scheint schlicht schüchtern.

Wie er sich mit der Hand durchs Haar fährt.

Das mag ich. Sehr.“

Im Freibad

Eine rote und eine blaue Fahne

wehen im weichen Wind.

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

 

Ich lieg im Schatten auf einer blauen Liege,

die rote Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die blaue Fahne dreht sich um den Mast,

Das Kind erwacht mit einem Lachen,

die rote Fahne weiter schlaff

die Fliege kitzelt meinen Nacken.

 

Ich liege in der Sonne auf einer roten Liege,

die blaue Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die rote Fahne dreht sich um den Mast,

Das wache Kind sorgt für Verzücken, 

die blaue Fahne weiter schlaff,

die Fliege kitzelt meinen Rücken.

 

Die rote Fahne und die blaue

wehen im weichen Wind,

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

Die rote Gondel

Auf einem kleinen Hügel 

steht 

eine rote Gondel,

allein, nicht einsam.

 

Weite Sicht, der Blick 

dreht, 

in absoluter Stille, 

kein Wind weht.

 

Vor dem Hügel und daneben

liegt 

in idyllischem Gewand das Land; 

flach, grün, menschenleer.

 

Hinter dem Hügel, fast verblaut, 

liegt

eine Siedlung,

verlassen und grau.

 

Mit verbauten

Plattenbauten, davor

steht 

erhaben ein altes Riesenrad.

 

Das sich seit Jahren

nicht mehr

dreht.

Selbst wenn der Wind

 

noch so stark weht,

bewegt

es sich nicht. Anders die roten Gondeln.

Sie quietschen dann im Wind.

 

Bis auf eine. 

Zwei Fliegen

Zwei Fliegen haben sich

in meine Küche verirrt,

sie stören mich,

sie stören nicht.

 

Das Küchenfenster

öffnete ich bereits

vor Tagen weit

sie flogen nicht hinaus.

 

Mal liebe ich diese Fliegen,

wie sie sich kaum merklich

auf meiner Haut niederlassen,

kitzelnd herumwandern, sie dann

wieder verlassen.

 

Mal hasse ich diese Fliegen,

wie sie schwirren,

ständig stören,

meine Gewohnheiten

durchqueren.

 

Immer respektiere ich

sie.

Plan fürs Wochenende

Von den Menschen

so viel erfahren wollen

wie möglich,

von mir nur erzählen,

wenn nötig.

Fragen, immer fragen,

die Liebsten,

ob Partner, Kinder, Eltern, Freunde,

nach Träumen, Ängsten, Wünschen,

nach ihrer Kindheit, ihren letzten Streit,

die Passanten,

ob Kassierer, Postbote, Nachbar,

wie ihr Tag, ihre letzte Woche war,

was das Wochenende

Ihnen bringen mag.

Am Sonntagabend

mich fragen,

was ich von ihren

Antworten noch weiß.

Sie

Er erzählt heiter, sie hört zu.

Sie fragt nach, er erzählt weiter.

Sie weiß, er redet gerne.

Er weiß, sie redet nicht gerne.

Dabei reden beide gerne.

Er fragt sie nicht.

Sie schweigt, bis sie ihn kennenlernt.

Sie erzählt, er hört zu.

Er erzählt, sie hört zu.

Sie fragen einander.

Mal geht er voran, häufig sie.

Sie weiß, er geht gerne hinterher.

Er weiß, sie geht gerne voran.

Dabei gehen beide gerne hinterher.

Er fragt sie nicht.

Sie schweigt, bis sie ihn kennenlernt.

Er erzählt heiter, sie hört zu.

Sie fragt nach, er erzählt weiter.

Die Kreuzung in der Wüste

Ich steh an einer Kreuzung,

das Wasser ist knapp,

ich weiß den Weg nicht,

biege ich ab, nach links

oder rechts, oder gehe

ich schlicht geradeaus?

Ich sehe, wohin ich auch

schaue, nur unbekannte Dünen

aus Sand, keine Spuren

der Zivilisation.

Ich weiß den Weg nicht,

wohin ich auch schaue,

nur unbekannte Dünen aus Sand,

keine Spuren der Zivilisation,

sagte ich das schon?

Erste Spuren der Dehydration.

Ich gehe endlich nach links

wie immer im Zweifel,

die Entscheidung war richtig

hinter der Düne sind

Häuser in der Ferne

zu sehen.

Jahre später, die Frage

ließ mir keine Ruh,

kehre ich an die

Kreuzung zurück

mit ausreichend

Wasser bestückt.

Ich gehe

sowohl geradeaus

als auch rechts

und stelle fest,

beide Wege enden über

schaubare Umwege

auf dem linken,

der der rechte ist,

der der gerade ist.

Das Vogelnest

Ein Vogel auf der Suche 

nach einem geeigneten Nest

in einem außergewöhnlichen Baum

uneinnehmbar soll es sein,

einer Festung ähneln, 

gemütlich und geräumig auch,

überdies vertraut

nur das Beste 

für seinen baldigen 

Nachwuchs.

 

Bei jedem Flug 

hält er Ausschau

sieht von oben 

viele Nester 

seiner Artgenossen, 

was er sieht, 

genügt ihm nicht, 

zu schlicht und

zu gewöhnlich.

 

Drum zieht er weiter 

seine Kreise, 

größer und größer 

werden sie, 

bis er eines Tages

die Orientierung verliert,

nicht mehr weiß, wie er

zurückkehrt.

 

Aus der Not wird 

eine Tugend und 

ein ganz gewöhnlicher 

Baum in der neuen

zur Heimat.

 

Als uneinnehmbar,

einer Festung gleich, 

gemütlich und geräumig auch,

überdies vertraut,

ist das Nest nun schon lang 

über alle Grenzen

weit bekannt.

Das Kind, der Hügel und der Ball

Ein Kind rollt einen Ball 

den Hügel hoch,

er rollt auf 

der anderen Seite hinunter.

 

Von der anderen Seite rollt 

ein Vater den Ball 

den Hügel hoch,

er rollt zum Kind hinunter.

 

Die Tochter wirft den Ball 

nun über den Hügel

zu Ihrem Vater hinüber, 

der Vater wirft ihr den Ball zurück. 

 

Die Mutter kommt hinzu

nun wirft die Tochter ihr

den Ball zu.

 

Die Mutter rollt den Ball

den Hügel hoch,

der Ball bleibt

auf dem Hügel liegen.

 

Bis der Wind den Ball

abermals zur Tochter trägt.

Eine neue Heimat

Er reißt eine 

alte Heimat ein,

es musste sein,

sonst wäre das Haus

nach all den Jahren bald  

zusammengefallen. 

 

Viel Staub, darunter 

kein Vergessen.

 

All die alten Erinnerungen,

die wahren und

echten,

traurigen und

fröhlichen,

außer- und 

gewöhnlichen.

 

All die neuen Erinnerungen,

die warten, 

erlebt zu werden,

nach den Scherben,

um nicht unerlebt 

zu sterben.

 

Der Baggerfahrer bietet

ihr eine Zigarette an,

Sie nimmt dankend an.

Ein erster tiefer 

genüsslicher Zug.

Voll vor Freude,

voll Wehmut.

 

Währenddessen spielt

ein Mann mit seiner 

Tochter auf der 

Baustelle Fußball.

 

So langsam kann 

sie sich das vorstellen.

Sommernachtsregen

Ich sitze am offenen Fenster

kurz vor Ende dieser heißen Sommernacht,

ich erwachte, weil der graublaue Himmel

sich öffnete weit und starken Regen herabschickte

aufs gelbe Gras vor mir, das lechzte

wie auch ich, so auch ich,

der nun statt im Bett zu liegen

mit freiem Oberkörper

und angewinkelten Beinen

an der Fensteröffnung sitzt.

Still stürzende Regentropfen

klopfen sogleich an mein pochendes Herz

wecken Sehnsüchte nach Zärtlichkeit

wie sie kussgleich meinen Körper bedecken

ob seicht spritzend von unten

zurückprallend von der Fensterbank,

ob weich prasselnd von oben

fallend wie von Himmelshand

Schon lässt der Regen nach.

Auf meine hinausgestreckten Arme

fallen nur noch vereinzelt Tropfen hernieder

nun wie Stiche einer unerfüllten Liebe.

Die weiße Feder

Ich schaue vom Deich

hinauf aufs Meer,

dort schiebt eine Fähre

sich langsam Richtung Föhr

gleich ist sie verschwunden.

 

Ich schaue hinunter

eine weiße Feder liegt

zwischen meinen nackten Füßen

auf dem grünen Gras

Ob sie dort eben auch schon lag?

 

Ich bücke mich,

hebe sie auf und

stelle fest, die Feder ist

nur vorne weiß,

hinten ist sie schwarz.

 

Ich lasse sie fallen mit

der schwarzen Seite oben

gleitet sie gen Boden,

und landet direkt zwischen

meinen nackten Füßen

auf dem grünen Gras

die weiße Seite oben.

 

Ich schaue vom Deich

hinauf aufs Meer,

dort schiebt eine Fähre

sich langsam Richtung Föhr

gleich ist sie

Wochenanfänge

Der Montag hat

ein Problem,

dass er am Anfang

der Woche steht.

 

Ob das Problem entfiele,

wenn er anders hieße

Freitag zum Beispiel?

 

Eindeutig „Nein!“

ein anderer Name kann kaum

Problemlöser sein.

 

Ob das Problem entfiele

bei einer anderen

Perspektive?

Ohne Wochenanfang

Kein Wochenende

Wo Ziele sind,

müssen Wege sein.

 

Ähm, nein,

es bleibt das Problem,

dass der Montag am

Wochenanfang steht.

 

Was dann?

Eine Lösung gibt es nicht

Wochenanfänge

sind halt Mist.

Nachbarschaft bei Nacht

Sommernacht

ich bin wach

wandere durch

die Nachbarschaft

vereinzelt brennen Lichter

hinter Fenstern

einsame Gesichter

still und allein

gehe weiter,

bin bald zurück,

schalte an das Licht,

lache heiter,

denn nun sitze ich

ohne Begleiter

bei hellem Licht

still in meinem

Kämmerlein

wie einsam und allein

ich bin es nicht,

ich liebe schlicht

die Stille meiner

Nachbarschaft

bei Nacht

dachte ich,

lache ich

Eine alte Freundschaft

Aufm Fahrrad zum alten Schulfreund

Gegenwind trotz Windstille

Gedankenfilm, Gedankenkopf,

früher untrennbar eins wie Jekyll und Hyde,

über die Zeit schlief die Freundschaft einfach ein,

sein Umzug, aber nicht nur Orte verkomplizierten

auch unterschiedliche Lebenswege trennten

nach Jahren zog er nun zurück in die

niemals windstille Stadt des suchenden Wassers

der leuchtenden Lichter des sehnsüchtigen Hafens.

Gedankenfilm, Gedankenkopf.

Noch philosophisch wie damals,

als wir alles hinterfragten,

keine Antworten fanden,

nichts und niemanden verstanden?

Noch zynisch wie damals,

als wir spotteten, weil die so weise Frau

angeblich mit dem Winde Freundschaft schloss,

als ob das ginge und wenn doch

rauchten sie zum Frieden Pfeife?

Gedankenfilm, Gedankenkopf

Ob er mittlerweile Antworten fand oder

das Fragen aufgegeben hat?

Ob er mit dem Winde

Freundschaft schloss?

Ob wir Jekyll und Hyde

noch könnten, wenn

wir denn wollten?

Farbspritzendes Gewitter

Alltag weg,

Chaos da,

Euphorie nah.

Farbspritzendes Gewitter

Kreuz wechselnd quer

Ballons voll greller Farbe

platzen lassen

rot, gelb, pink

und blau

bedecken weiße Flächen

kleine bunte Flecken

selbst an den Decken

dabei tanzend einen

Ventilator zu

Ja, Paniks

zwischen 2 und 4

kreisen lassen und

mit zum Himmel

gestreckter Hand

in Hand mit hellen

Leuchtmalstiften

ein lila Pyrofeuerwerk

zünden als gebe es

kein Morgen.

Mondfinsternis

Mein Hinweg durch die Stadt

auf dem Bürgersteig,

entlang an der stark befahrenen

vierspurigen Straße,

zwei für jede Richtung.

Während der Mond sich aus dem Halb-

in den Kernschatten bewegt, sich verfinstert,

und nun rot am Himmel steht und plötzlich

neben mir statt Asphalt Wasser,

statt Teer ein Meer als Schlucht wie ein Fluss

inzwischen den hohen Mehrfamilienhäusern

wie eine Flucht, die Geräusche der Straße

verschwimmen zu auslaufenden Wellen,

die Autos als Schiffe, bis der Mond

sich aus dem Kernschatten bewegt, erhellt

und wieder unverdeckt am Himmel steht.

Mein Rückweg durch die Stadt

auf dem Bürgersteig

entlang an der stark befahrenen

vierspurigen Straße,

zwei für jede Richtung.

Sie oder er?

Die Ampel für Fußgänger

springt von rot sofort 

auf grün, kein Orange 

liegt dazwischen.

 

Unweit der Ampel 

überquert die Frau

die vierspurige Straße

ohne zu schauen.

 

Sie steigt in den Bus,

der quer durch die Stadt

fahren wird, 

wie bald sie aussteigt?

 

Der Mann springt hinein,

kopfüber ins kalte Wasser,

eine Abkühlung 

am Ende dieses heißen Tages.

 

Er schwimmt zum Land,

schaut hinein in die

untergehende Sonne,

die Orange ist, noch nicht rot. 

 

Gleich wird er aufs Fahrrad steigen,

gleich wird er nach Hause fahren,

Wer wohl zuerst daheim sein wird,

Sie oder er?

Abendspaziergang

Ein Fuß setze ich schräg vor den anderen

dann den anderen schräg vor den einen

so schreite ich Schritt für Schritt

dem Sonnenuntergang entgegen.

Es begleiten stets die gleichen Geräusche

Fetzen von Gesprächen, lauter Lärm der Straße

und ganz leise das Klacken meiner auftretenden Schuhe

aus der Nähe und dann aus der Ferne Musik.

Auch begleitet der Geruch des Asphalts und

der Schweiß der Hitze von der Hetze

des alltäglichen Abseits

des wöchentlichen Allzeitbereits.

Es ist ein warmer Sommertag, vielleicht

der bisher wärmste dieses Jahr, ich gehe nicht

allein, mein Baby, gut zwei Monate alt,

schläft auf meiner Brust in der Trage.

Jetzt bin ich fast am Fluss, am lautesten nun

das Geräusch meiner auftretenden Schuhe,

die Straße ist kaum noch zu hören

dafür die seichten Wellen der Alster.

Ich fotografiere, wie die Sonne untergeht,

genieße das Abendlicht, das sich spiegelt,

in dem Wasser, das ob der Windstille

fast steht, nicht steht, doch fließt, nur langsam.

Wie jeden Abend ist das Ziel der Weg das Bett,

der Schlaf naht, der kleine Freund des Todes,

Das primäre Geräusch nun: der knirschende Sandboden,

dann der holzige Brücken- und wieder der Sandboden.

Fast bin ich nun am Ende des Hinwegs meiner Runde

eine Brücke noch mit Steinboden und dann noch ein paar

Schritte, schon habe ich die Mitte meines heutigen Weges

zurückgelegt, befinde mich somit sogleich auf dem Rückweg.

Und dann: Bellt ein Hund mich an,

weil er mit meinem durch

die Babytrage

geformten Bauch nichts

anfangen kann.

Ich ignoriere ihn, fixiere

ängstlich, aber gekonnt

einen Punkt am Horizont,

er belässt es beim bellen,

ich passiere ihn

halb benommen.

Jetzt aber wirklich

auf dem Rückweg,

der wie der Hinweg geht,

nur andersrum.

Den anderen Fuß setze ich schräg vor den einen

dann den einen schräg vor den anderen

so schreite ich Schritt für Schritt

zurück dem Schlaf entgegen.

Die Brücken, der Fluss,

das Abendlicht, die Gerüche

und Geräusche, vor und zurück,

mein Kind und ich wir wünschen allen,

die wir euch auf dem Rückweg sehen,

die diese Zeilen lesen,

eine gute Nacht und viel Glück

für den neuen Tag, der

kommen mag.

Ein heißer Sommertag

Heute ist ein ungewöhnlicher,

denn sehr, sehr heißer

Sommertag.

Die Sonnenstrahlen

strahlen ohne Erbarmen,

auf die Erde, kein Hindernis

hängt, kein Hindernis steht

im Weg, schier unglaublich

ob des weiten Weges

von der Sonne zur Welt

und trotzdem wahr.

Es ist heiß, sehr heiß,

an diesem Mittsommertag,

fast jeder meckert,

Eis kleckert,

Schweiß fließt,

Eis wärmt,

Hitze kühlt,

Verfühlt?

Wasser marsch!

Schatten rettet,

Ruhe bewahrt.

Ein ungewöhnlicher,

denn sehr, sehr heißer

Sommertag?

Nein, es ist wie immer

fast jeder meckert,

Eis kleckert,

Schweiß fließt,

Eis kühlt,

Hitze wärmt,

Verfühlt?

Wasser marsch!

Schatten rettet,

Ruhe bewahrt.

Also, nein, nicht

ungewöhnlich:

Es ist ein ganz normaler,

wenn auch

sehr, sehr heißer

Sommertag!

Kreisende Gedanken

Während das Wasser

rauscht, laut

vereint in einem seichten Strahl,

regelmäßig und edel,

verschwimmen

meine Gedanken

verschmelzen

meine Zellen

verlieren sich

meine Ideen.

 

Die Kreise werden

kleiner, endlich

zu Punkten

sanft und deutlich

rund und hell,

klar wie der tiefe See

nach einem geworfenen Stein.

 

Am Ende schließt

jeder Kreis,

so weit er ursprünglich

auch reichte

immer im Hier

als funkelnder Punkt

mit glitzernden Ausrufezeichen!