Wer sich lieben kann

Wer sich lieben kann

im Frühling

zum Takt der Windstöße

kitzeln Grashalme nackte Haut

und das laute Stöhnen

dringt ein ins Tal.

Wer sich lieben kann

im Sommer

bei über dreißig Grad

im sitzen auf dem

knarrenden Holzfußboden

im Mehrfamilienhaus.

Wer sich lieben kann

im Herbst

prasselt Regen

auf Dach und an Scheiben

beschlagen von tiefen Atemzügen

auf einem öffentlichen Parkplatz.

Wer sich lieben kann

im Winter

gelehnt an einer Buche

bei bitterkalter Nacht

kurz vor zu Hause

in unmittelbarer Nachbarschaft.

Februar

Wie viele Tage

hast du

in diesem Jahr?

Februar.

Du bist der zweite

Monat im Jahr

und der letzte

im Winter

hinter dir warten

die Farben des März

blühen bunter

dank dir

und deinem grau

hebt sich bald

der Frühlingstau

leuchtender ab

von erwachenden Feldern

und auf direkt

ins jauchzende Herz

leuchten blau

die grünenden Wälder.

Februar.

Ohne dich wäre

der Frühling nicht

wie früher

fiel noch im Frühjahr

manchmal Schnee.

Februar.

Die Insel

Zu sehen ist sie nicht

zu erahnen ist sie.

Der graue Himmel bebt

ich schaue an einen Leuchtturm gelehnt

hinüber zum anderen Ufer der Elbe

und seh ein im Kreis drehendes Licht

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

verschwimmen Himmel und Fluss

drunter und drüber und gegenüber

poltern Regentropfen auf Autodächer

wie erbsengroße Hagelkörner

mein Kopf in deinem Schoß

Im Osten erwarten die Kräne des Hafens

jene flussaufwärts fahrenden Schiffe

deren Lichter gleich verschwunden sein werden

nie werd ich sie wiedersehen

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

startet aus dem drehenden Licht

eine Möwe in die bald so weißen Wolken

des dann so strahlend blauen Himmels

unter ihr die inmitten des Flusses liegende Insel

die nicht zu sehen ist

die nur zu erahnen ist.

Es wartet warmherzig der Sinn

Eben noch in wachen Träumen

schau ich in den Himmel blau

vereinzelt ziehen Wolken

zu schnell, um sie zu deuten.

Unscharf tanzt der Schnee

im Vordergrund und

unscharf meine Gedanken

im Hintergrund und

unscharf fällt der Schnee

kaum merklich

manch Flocke steht gar

im wehenden Wind

vor den noch kahlen Bäumen

weder erwachsen noch Kind

sehnsüchtig in leeren Räumen

wartet warmherzig der Sinn

eben noch in wachen Träumen

auf der Straße fährt wer Rad

zur Arbeit durch den Schnee

eben noch lag ich wach

wiegst mich nun in deinen Armen

wohin der Wind mich trägt

wiegst mich nun in deinen Armen

ohne, dass ich je versteh.

Winter / Frühling

Ich steh auf einer kleinen Brücke

schau dem Wasser zu beim Fließen

hör den Vögeln zu beim Singen

bald beginnt es hier zu sprießen.

Gestern noch lag Eis und Schnee

ein Tag wie tiefster Winter

heute weht ein lauer Wind

nimmt Abschied von dem Winter

gleicht einem Frühlingskuss

überschwänglich voller Lust

trifft sich unser Atem in der Luft

der Duft des Aufbruchs.

Mein Kern

Zu meinem Kern ist es noch weit,

er ist verletzlich, zart und weich,

ich spür‘, ich bin ihm nah,

wenn ich vor einer Pusteblume steh‘,

die sich im Winde neigt und hebt,

bei dir ich bleib‘, dich ich nicht brech‘,

weil es mich schmerzt, dir ich versprech‘,

ich lass‘ dich stehen, wie du bist,

ich lass‘ dich gehen, wie du bist,

im Winde lass‘ ich dich verwehen.