Sacré Cœur

Ich sitz am Steg am Ukleisee

ruhig und klar das Wasser

blau wie der Himmel

spiegelt sich im Wasser

das Spiel der weißen Wolken

die sich jagen, ineinander übergehen

die zerfallen und vergehen

in der Ferne Glockenläuten.

Ich schau zum anderen Ufer

dort strahlen alte Bäume

grün auch der morsche Steg

tief hängen hier die Träume.

Ich sitz am Steg am Ukleisee

mit meiner lieben Mutter

wir schweigen stumm

in Gedanken unserer Spiegelung.

Was sie von mir in sich sieht

was ich von ihr in mir sehe

ob sie mich bedingungslos liebt

ich ihre Ambivalenzen verstehe

wohin wir miteinander flögen

wenn wir denn fliegen könnten

vom Steg des Ukleisees

sehen wir das Spiel der Wolken

Auf jener Bank im Park

Zwischen gelben Blättern

steht diese Bank im Park

auf der ich bis eben saß

und in einem Buche las

das du geschrieben hast

auf jener Bank im Park

ich sah dir manchmal zu

wie du schriebst mit großer Ruh

wie du Zeit und Raum vergaßt

auf jener Bank im Park

auf der ich bis eben saß

in deinem Buche las

Raum und Zeit vergaß

auf dieser Bank im Park

schlug ich in aller Ruh

nunmehr dein Buche zu.

Bis ich balanciere

An diesem sonnigen Tag
im frühen Herbst
sitze ich im leichten Winde
auf Metall, wie es hallt
unter meinen Fingern
die klopfen sanft und stark
im Wechsel die Beine
ausgestreckt und angewinkelt
sitze ich sicher nah am Rand
den Rücken an der Wand
während ich mit mir winde
die rechte Hand baumelt
über dem Hang
die linke ruht in der Jackentasche
eine Kastanie
ich könnte aufstehen
ich könnte balancieren
an diesem herrlichen Tag
im frühen Herbst
wärmt die Sonne leicht
so wie der Winde weht
gesammelte Regentropfen bewegt
die Äste biegen weich
hier sitz ich früh und spät
bis ich balanciere.

Fließende Ruhe

Ich blicke auf die grünen Hügel der Vogesen,

Nebel steigt aus dem Tal herauf,

an die Scheiben peitscht der Regen.

Der Ofen wärmt, die Vögel zwitschern,

ich denke, an das Plätschern des Rheins,

an die Natur als Spiegel meines Seins.

Wie die Flüße fließen,

wie die Wolken ziehen,

wie die Hügel im Nebel verschwinden,

wie die Vögel weiterziehen.

So klar und so bewusst,

breitet sich in mir die Einsicht aus,

wahre Ruhe ist stets im Fluß.

Die welken Blätter

Blätter, welk, liegen auf dem Boden,

sie fielen vor langer Zeit,

sie fielen eben von droben,

die welken Blätter auf dem Boden.

 

Sie lebten bis eben,

sie starben vor langer Zeit,

die welken Blätter auf dem Boden,

die fielen, wann, von droben.

 

Einst aus einer Knospe erwachsen

grün, satt und hell, schwangen

sie lebendig schaukelnd,

schwangen sie schnell im Wind.

 

Ehe sie schwebten,

wann,

von droben

ehe sie lagen,

dann,

auf dem Boden

die welken Blätter.