Dreißig

Nun bist du nicht mehr jung

und doch die jüngste

bist du stets gewesen

wirst du immer sein

in diesem Teil

deines Lebens

bleibst du immer jung

es könnte schlimmres geben

zum Beispiel

ein Leben

ohne Geschwister

wäre so viel trister

Nun bist du nicht mehr jung

natürlich auch nicht alt

hast trotzdem schon

so viel erreicht

bist immer für mich da

ich bin verdammt

stolz auf dich

kleine Sister

ohne dich wäre

mein Leben

so viel trister.

Labyrinth der Einsamkeit

Nach Jahren treffen wir uns wieder

in meinem Labyrinth der Einsamkeit

wir lieben immer noch dieselben Lieder

tragen uns zurück in die Vergangenheit

wie wir damals unsere Ängste tanzten

jeder für sich, doch nie allein

wie wir damals gegen Wände rannten

auf der Suche nach dem Kern des Seins.

Du reichst mir deine Hand zum Tanz

obwohl ich führe, leitest du mich sanft

an meinen Abgründen entlang

den Gräben meiner Angst.

Ich spüre, du bist dort gewesen

wo ich hin will, werd ich sein

denn mit dir an meiner Seite

kann ich stolpern ohne zu fallen

Wie wir damals unsere Ängste tanzten

jeder für sich, doch nie allein

wie wir damals gegen Wände rannten

auf der Suche nach dem Kern des Seins.

Reise in die Vergangenheit

Ich war hier

zuletzt vor sieben Jahren

damals blühten

jetzt fallen die Kastanien.

Ich fühle die Bewegung

fühle auch die Angst

und trotzdem wage ich

diesen nächsten Tanz.

Das Schloss im Blick

und auch das Amtsgericht

vom Spielplatz her tönt Kinderlärm

wer sie und wir wohl heute wären

wenn du damals

nicht zu mir gehalten hättest

wenn du damals

mit ihm gegangen wärest.

Die Feder

Eine Feder fiel wohin leicht

aus der Luft

fing ich unbewusst

schweifend in Gedanken sie

wäre gelandet

im duftenden Gras

unerkannt läge sie

bis wann

im hohen Gras

wanderte ich den Fluss

entlang zur Quelle

ließ los erst dann

bewusst die Feder

fiel seicht und glitt dahin

flussabwärts

Welle für Welle

bis ich sie nicht mehr sah

nie wieder.

Smucke Steed

Vom Hügel aus der weiche Blick in Richtung Förde

gerahmt von Sonnenstrahlen und alten Bäumen

Gras hochgewachsen in den Zwischenräumen

säumen verwunschen Hortensien den Weg

reich an Geschichte steht

zurückhaltend hier die alte Schule

heute ein Hotel

lichtdurchflutet und hell

erhöht

in klarer Ruhe

hält inne des Lebens Hast

fällt ab des Alltags Last

unweit von Wasser und Strand

rauscht der Wind durch Blätter und Zeit

raunt, wie in lang geträumten Träumen

„Tue nichts. Es gibt nichts zu versäumen.“

krächzen hin und wieder leise die Möwen

es ist, als wäre es hier anders niemals je gewesen.

Zwischen Staub und Sternen

Im Hintergrund laufen die neuen Lieder

von Modest Mouse

wieder und wieder und wieder

höre ich die neuen Lieder

führen mich ins nirgendwo

zwischen Staub und Sternen

gehe ich und laufe ich

beweg ich mich umher

schwebe ich weiter

zurück zur Mitte

meine Gedanken hängen schwer

erinnerst du dich

wie ich dich fragte

warum ich bleiben sollte

wie ich wissen wollte

wieviel ein Gedanke wiegt

und wieviel deine Seele

und mir nichts anderes blieb

als deine Worte

„We‘ll all float on, okay?“

Unkraut zwischen Steinen

Auf der Suche nach Inspiration

treff ich meist den falschen Ton

statt B sing ich A

und nun liegt sie da

zwischen Steinen wie Gedanken

spring ich hin und spring ich her

manche leicht, die meisten schwer

wie ausgewachsne Elefanten

trampeln sie auf mir herum

doch ich bleibe nicht mehr stumm

schrei so laut ich eben kann

alles raus, was mich fand

im Heimatfilm gegen die Wand

raste ich einst ungebremst

die Tagesschau gab mir die Hand

hat mein Leben mir geschenkt

und so wachsen langsam Pflanzen

die empor allmählich ranken

wie Unkraut zwischen Steinen

bin ich mit mir im Reinen.

Es wartet warmherzig der Sinn

Eben noch in wachen Träumen

schau ich in den Himmel blau

vereinzelt ziehen Wolken

zu schnell, um sie zu deuten.

Unscharf tanzt der Schnee

im Vordergrund und

unscharf meine Gedanken

im Hintergrund und

unscharf fällt der Schnee

kaum merklich

manch Flocke steht gar

im wehenden Wind

vor den noch kahlen Bäumen

weder erwachsen noch Kind

sehnsüchtig in leeren Räumen

wartet warmherzig der Sinn

eben noch in wachen Träumen

auf der Straße fährt wer Rad

zur Arbeit durch den Schnee

eben noch lag ich wach

wiegst mich nun in deinen Armen

wohin der Wind mich trägt

wiegst mich nun in deinen Armen

ohne, dass ich je versteh.

Zeit I

Ein Zeiger zeigt Sekunden an

ein andrer Minuten

ein nächster zeigt Stunden an

alle drehn sie Runden

im Takt

tick, tack

vergehen

Sekunden

Minuten

und Stunden

im Takt

tick, tack

drehen sie

Runden

anbricht ne neue Runde

in einer Sekunde

in einer Minute

in einer Stunde

bricht an ne neue Runde

Sekunde um

Minute um

Stunde.

Hamsterrad

In dem Hamsterrad

lauf ich nicht mehr

vielmehr geh ich achtsam hin

und gehe achtsam her

in dem Hamsterrad

bleib ich oft stehen

schaue auf und schaue ab

es ist so viel zu sehen

in dem Hamsterrad

ein sehr weiter Schritt

wie schnell es sich jetzt dreht

doch natürlich halt ich mit

in dem Hamsterrad

geh ich nun sehr schnell

sehe kaum noch was

von dieser schönen Welt

ich gehe immer schneller

merke nicht, dass ich schon lauf

bis ich stolper und ich falle

aus dem Rad hinaus

und wie ich liege so daneben

wird mir auf einmal klar

neben mir das Leben

wie unachtsam ich war

dieser Gedanke eben

gibt mir neue Kraft

auf zum nächsten Anlauf

in das Hamsterrad

nur noch langsamer

nur noch achtsamer.

Die Entscheidung

Eben noch saß sie auf der Bank

schaute auf das flache Land

und nahm sich Zeit

auf ihrem Weg zur Arbeit

dachte sie nach weswegen

wofür und wie will sie leben

so nicht, das war ihr nun klar

es ist unehrlich und unwahr

sie stand auf und rief ihn an

lief auf und ab und sagte dann

„Ich möchte etwas zum Guten bewegen

in meinem, diesem einzigen Leben.“

Er verstand, während er nach Worten rang:

„Dein Leben sollst du leben

frage stets wofür, wie und weswegen

endlich wirst du wissen, wo lang.“

Sie setzte sich wieder auf die Bank

schaute auf das flache Land

sie saß dort stundenlang

ehe sie schließlich gang.

Zu zweit an einem Ort

Es war einmal ein Mensch

der tat recht wenig

ruhte aus

wenn möglich

redete er kaum, hörte viel zu

er war phlegmatisch womöglich.

Es war einmal ein Mensch

der tat immerzu

kannte keine Ruh

redete mit Genuss

in einem Fluss

er war wohl lebhaft bis zum Überdruss.

Es war einmal ein Mensch

der tat mal hier, ruhte mal dort

redete

dann und wann

hörte er zu in aller Ruh

er war zu zweit an einem Ort.

Auf jener Bank im Park

Zwischen gelben Blättern

steht diese Bank im Park

auf der ich bis eben saß

und in einem Buche las

das du geschrieben hast

auf jener Bank im Park

ich sah dir manchmal zu

wie du schriebst mit großer Ruh

wie du Zeit und Raum vergaßt

auf jener Bank im Park

auf der ich bis eben saß

in deinem Buche las

Raum und Zeit vergaß

auf dieser Bank im Park

schlug ich in aller Ruh

nunmehr dein Buche zu.

Mein Kern

Zu meinem Kern ist es noch weit,

er ist verletzlich, zart und weich,

ich spür‘, ich bin ihm nah,

wenn ich vor einer Pusteblume steh‘,

die sich im Winde neigt und hebt,

bei dir ich bleib‘, dich ich nicht brech‘,

weil es mich schmerzt, dir ich versprech‘,

ich lass‘ dich stehen, wie du bist,

ich lass‘ dich gehen, wie du bist,

im Winde lass‘ ich dich verwehen.