Auf dem Hügel

Jeden Sonnabend kauft er

Äpfel auf dem Markt

schenkt sie ihm ein Lächeln

fragt, wie seine Woche war.

Er würde gern berichten

was ihn die Woche bewegte

wie er auf seinem Arbeitswege

in Gedanken Blumen für sie pflückte.

Doch er murmelt nur „Gut.“

schaut verlegen nach unten

reicht ihr das Geld und mutig

einen Zettel, auf dem steht:

„In Gedanken pflück ich jeden Tag Blumen für dich.“

Und darunter seine Nummer.

Während er noch vor ihr steht

antwortet sie sichtlich bewegt:

„Wir sehen uns morgen um 11 Uhr

auf dem Hügel im Eppendorfer Park

ich bringe dir Blumen mit

und du mir einen Wochenbericht.“

Eines Morgens

Es regnet nicht und doch fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in gelegentlichen Tropfen

gleich einem unsteten Klopfen

und weht der Wind, fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in einem heftigen Guss

gleich einem wilden Kuss

und inne hält der Wind

still und ruhig die Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

in einem heftigen Unwetter

fällt neuer Regen nun auf Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

leicht biegen sich die Blätter

ich denke wieder viel zu viel

wie ich klopfte an deiner Tür

an unseren ersten Kuss

wie du mich sahst mit ihr

an unseren letzten Kuss.

Eines Nachts

Die Sonne ging unter

du gingst mit ihr

obwohl ich nicht verstand

warum folgte ich dir.

Wir diskutierten auf dem Weg

über meine Verantwortung und deine

über die der Politik

über Wasserwerfer und Steine.

Du warst dir sicher

dass die Welt noch zu retten ist

ich war mir sicher

dass ist sie nicht.

Vor deinem Haus

stritten wir noch lange

du küsstest mich zum Abschied

versöhnlich auf die Wange

und drücktest mich so fest

hättest mich beinahe zerquetscht

ich wusste nicht, wie mir geschah

du warst mir näher als nur nah

dann sah ich ihn am Fenster stehen

drückte mich los, raunte „Auf Wiedersehen“

hinter der Hecke blieb ich stehen

hörte den Schlüssel im Schloss drehen.

Ich wollte nicht und schrieb dir doch

von blauen Flecken und einer Erde

die auch ohne Menschen

gut zurecht kommen würde.

Du schriebst mir

das mit den Flecken wärst du nicht gewesen

und auf der Erde

werden immer Menschen leben.

Die Sonne ging auf

als ich nach Hause kam

waren meine Füße kalt

war mein Herz warm.

Wie ein Stern am Himmel.

Der Tod hängt über allem

hängt der Tod

über mir und über dir

hängt über allen

hängt der Tod

kommt mal leise angeschlichen

nach Jahren im tiefen Schlaf

und einem letzten Händedruck

den du ihr voll Liebe gabst

kommt mal plötzlich in dem Wissen

dass er viel zu früh ihn traf

beim Wandern ein Steinschlag

unerklärlich Jahr um Jahr.

Der Tod hängt über allen

hängt der Tod

über mir und über dir

hängt über allem

hängt der Tod.

Wie ein Stern am Himmel.

Hin zum Herz

Von weitem seh ich dich

wie du mir entgegen gehst

du lächelst still

den Blick gesenkt

stumm stehe ich

wartend und

spüre sehnend dir entgegen

wie während einer Dürre

dem Sommerregen

spüre meinen Blick entgleiten

weg von Kontrolle

weg von Sachlichkeiten

komme

was wolle

hin zu dir

weg vom Kopf

hin zum Herz.

Unsere Liebe

Unsere Liebe schlummert

unter alltäglichen Einzelheiten

fällt es ihr oft schwer

sich in Gänze zu entfalten.

Unsere Liebe blüht auf

wenn wir uns widmen

wenn wir uns sagen

was wir in uns tragen.

Unsere Liebe ist selten laut

meist leise, zart und zerbrechlich

doch taucht sie auf

ist sie vertraut und unvergesslich.

Drum schrei ich sie hinaus.

Mit Eicheln und mit Stöckern

Die Minigolfbahn geschlossen

wie das Hotel nebenan

ist nichts offen

sind nur deine Arme

empfangen mich

du trägst ein Strahlen im Gesicht

kletterst übern Zaun

wie in alten Zeiten

trau ich mich kaum

du redest mir Mut zu

von der andern Seite

überzeugst du mich im Nu

folg ich dir übern Zaun

du wartest bei den Löchern

mit Eicheln und mit Stöckern

spielen ich und du

schließlich in Seelenruh

sitzen nun auf unsrer Bank

du nimmst meine Hand

und schaust mir in die Augen

ich würd dir alles glauben.

Hin und zurück oder im Kreis

Sie trafen sich am selben Gleis

sie fuhr gerne Bahn, er Bus

als Selbstzweck mit Genuss

hin und zurück oder im Kreis.

Sie kamen ins Gespräch

über ein Buch von Murakami

das sie jeweils beim Warten lasen

bevor sich ihre Blicke trafen.

Beide liebten es, dem Alltag zu entfliehen

liebten Landschaften, die vorüberziehen

liebten Reisegeräusche

wie Stille andere Leute.

Sie vergaßen Raum und Zeit

redeten über Vergänglichkeit

über das Suchen und Finden

über das einfach Verschwinden.

Sein Bus war längst gefahr‘n

als sie ihre Bahn nahm

doch das sagte er nicht

mit einem Lächeln im Gesicht.

Zu zweit an einem Ort

Es war einmal ein Mensch

der tat recht wenig

ruhte aus

wenn möglich

redete er kaum, hörte viel zu

er war phlegmatisch womöglich.

Es war einmal ein Mensch

der tat immerzu

kannte keine Ruh

redete mit Genuss

in einem Fluss

er war wohl lebhaft bis zum Überdruss.

Es war einmal ein Mensch

der tat mal hier, ruhte mal dort

redete

dann und wann

hörte er zu in aller Ruh

er war zu zweit an einem Ort.

Der längste Tag des Jahres

Der kürzeste Tag des Jahres

ist nun vorbei

die Tage werden länger

ich denke an uns zwei.

Wie wir, es war

vor etwa einem halben Jahr

am längsten Tag des Jahres

draußen saßen

bis die Sonne unterging.

Wie wir

die laue Nacht genossen

draußen lagen

bis der neue Tag anfing.

Wie wir

im Bewusstsein der Vergänglichkeit

uns aneinander schmiegten.

Wie wir uns

bei Sonnenaufgang

liebten.

Eine Trennung

Im Taxi auf der Rückbank

weint er hemmungslos

der Taxifahrer sagt nichts

und fährt rücksichtslos

über rote Ampeln

setzt den Blinker nicht

fährt viel zu schnell

trotz schlechter Sicht

er sollte was sagen

er sagt nichts

wie kann er es nicht wagen

weint bloß bitterlich

Sie ist wirklich gegangen

oder ging doch er

es hat sich angedeutet

und fällt trotzdem schwer.

Das Taxi ist schon da und hält

die Fahrt unangenehm wie nie

trotzdem gibt er Trinkgeld

er denkt nur an sie.

Sie hat es nicht ausgesprochen

er hat es gespürt

das Unschuldige zerbrochen

sie war nicht mehr berührt.

Die Brücke

Zwischen ihnen diese Lücke

er auf der einen Seite

sie auf der anderen Seite

der hinüber führenden Brücke.

Während sie so am Ufer stehen

und zueinander hinübersehen

in Erwartung der ersten Schritte

des jeweils andern gen Brückenmitte

hat es zu regnen angefangen

auch grollt ein Donner in der Ferne

ist sie bald gegangen

von der Kälte in die Wärme.

Er steht nun allein auf ihrer Seite

durchnässt bis auf die Haut

niemand mehr auf seiner Seite

es wirkt seltsam vertraut.

Die lachende Möwe

Am Elbstrand sitze ich

eine Möwe zieht krächzend Kreise

Container krachen leise

der Wind rauscht laut

Wellen laufen aus

Schiffe schwer beladen

her tragen mich Gedanken

Bilder aus vergangenen Tagen

wie ich stand am Strand

im knöcheltiefen Schnee

getragen von Fernweh

von einer neuen Liebe

zwischen den Gewalten

gehalten von Heimweh

von einer alten Liebe

fallende Container poltern

Schiffe laufen leise aus

Wellen rauschen laut

im drehenden Wind

tragen Gedanken

mich nach Haus

was war und was ist

die Möwe lacht

mir zum Abschied

ins Gesicht.