Atem der Verbundenheit

Ich liege verdeckt

im hoch geschossenen Gras

die Beine ausgestreckt

die Arme von mir gestreckt

mit geschlossenen Augenlidern

von innen rötlich gelb

das grelle Sonnenlicht wärmt

wie der weiche Boden

unter meinem Körper wiegt

leicht nachgibt

kitzelt der Atem der Natur

Verbundenheit

keine Grenze über mir

wach ich oder träum ich

zieht es mich empor

als würd‘ ich schweben

auf dem Rücken liegend

die Handflächen nach oben.

Die hinabstürzenden Tauben

Wie ein breiter Bach jener flache Fluss

hinüber führt diese alte Brücke

auf ihr stehen schiefe Häuser

schließen ohne jede Lücke

von dem höchsten Dach

stürzt eine erste Taube steil hinab

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

stürmt erneut hin

aufs höchste Dach

gurrt und schaut hin

ab mit Genuss in

Richtung Fluss

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

nun tut eine zweite Taube es gleich

derweil kühl ich meine Füße seicht

watend im flachen Fluss

und schaue mit Bedacht

hoch zum höchsten Dach

zu den hinabstürzenden Tauben.

Rote Blätter einer Buche

Rote Blätter einer Buche

hängen tief herab,

streben gen Erde

mit sanfter Schwere

schaukeln vor und zurück,

unter ihnen das hohe Gras,

das ebenfalls im Winde wiegt,

das gen Himmel sieht,

sehnsüchtig nach Verbindung,

säße ich nicht hier,

stünde ich dort

im hohen Gras,

reckte mich,

auf nackten Zehenspitzen,

streckte mich,

so hoch ich könnte,

erreichte ich mit einer Hand

und letzter Kraft

vielleicht

einen Ast

und

seine Blätter.

Ein Baum

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

stets war ich vorbeigefahren.

Letzte Woche hielt ich an,

widmete mich seiner ganz,

fragte mich, wie alt er ist,

warum er wohl am Leben ist.

Ich ging um ihn herum,

lehnte mich an seinen Stamm,

klopfte sacht und schaute

aufmerksam an ihm entlang

bis zu seiner Krone,

fühlte seine Blätter,

sie waren nass und warm.

Ich trat ganz nah an ihn heran,

und näher, nahm ihn in meinen Arm,

meinen Atem warf er mir zurück,

ich setzte mich zu seinem Fuße,

verabschiedete mich mit einem Gruße,

winkte und wünschte Glück.

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

heute bin ich vorbeigefahren.

Blatt an Ast an Baum

Ich sitze

rückwärtsgewandt

am offenen Fenster,

kalte Morgenluft strömt herein,

Vogelgesang,

im Spiegel der Ausschnitt

eines Baumes

zwischen Wurzel und Krone

biegen sich Äste,

der Stamm ist nicht zu sehen,

zittern Gäste,

immer ähnlich, niemals gleich

stets im selben Raum,

unversehens,

mal ein Knirschen,

Blatt an Ast an Baum.

Fließende Ruhe

Ich blicke auf die grünen Hügel der Vogesen,

Nebel steigt aus dem Tal herauf,

an die Scheiben peitscht der Regen.

Der Ofen wärmt, die Vögel zwitschern,

ich denke, an das Plätschern des Rheins,

an die Natur als Spiegel meines Seins.

Wie die Flüße fließen,

wie die Wolken ziehen,

wie die Hügel im Nebel verschwinden,

wie die Vögel weiterziehen.

So klar und so bewusst,

breitet sich in mir die Einsicht aus,

wahre Ruhe ist stets im Fluß.

Das Licht des Leuchtturms

Das Licht des Leuchtturms dreht

verlässlich seine Runden,

als er am Wasser steht

in den frühen Morgenstunden.

Auf nun steigt die Sonne

gemächlich aus dem Meeresblau

auf nun steigt die Sonne

verschwindet bald im Wolkengrau.

Eine Welle höher als die meisten,

trifft ihn im Gesicht,

sie war zu sehen von Weitem,

zu sehen war sie nicht.

Die sieben Wege

Ich sitze auf einer Bank

an einer Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinein,

sie führen hinaus.

 

Die Bäume schützen

vor dem prasselnden Regen,

vereinzelt finden Tropfen

ihren Weg durch dieses

nicht ganz dichte Dach,

wandern auf den Blättern,

fallen von den Blättern.

Auf mich herab.

Immer wieder.

Und doch harre ich aus.

Bis der Regen geht.

Bis die Sonne heraus

kommt.

 

Ich sitze auf dieser Bank

an dieser Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinaus,

sie führen hinein.