Der Anfang oder das Ende

Er sitzt jeden Tag zur selben Zeit

allein auf der Bank im Park,

weil sie dann ihren

Abendspaziergang macht.

Als sie sich nähert,

er sieht sie bereits in der Ferne,

wie selbstbewusst sie geht,

fährt er sich unbewusst mit der

Hand durchs Haar.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt er sie schüchtern an,

schon ist sie vorbeigegangen.

Mit ihr der schönste Moment

seines Tages.

Er sagt sich:

„Spricht sie mich morgen nicht an,

setze ich mich nicht mehr

auf diese Bank. Ich kann

nicht nur für ihr Lächeln leben.

So wunderbar es auch sein mag.“

 

Sie macht auch morgen,

wie jeden Tag,

zur selben Zeit,

ihren Abendspaziergang,

weil er dann auf der

Bank im Park sitzt.

Sie sieht ihn bereits aus der Ferne,

wie gelassen er dort sitzt.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt sie ihn an, offener denn je,

schon ist sie vorbeigegangen.

Und damit der schönste Moment

ihres Tages.

Sie sagt sich:

„Morgen spreche ich ihn an. Es

war ein Lächeln, da bin ich mir sicher.

Er scheint schlicht schüchtern.

Wie er sich mit der Hand durchs Haar fährt.

Das mag ich. Sehr.“

Abendspaziergang

Ein Fuß setze ich schräg vor den anderen

dann den anderen schräg vor den einen

so schreite ich Schritt für Schritt

dem Sonnenuntergang entgegen.

Es begleiten stets die gleichen Geräusche

Fetzen von Gesprächen, lauter Lärm der Straße

und ganz leise das Klacken meiner auftretenden Schuhe

aus der Nähe und dann aus der Ferne Musik.

Auch begleitet der Geruch des Asphalts und

der Schweiß der Hitze von der Hetze

des alltäglichen Abseits

des wöchentlichen Allzeitbereits.

Es ist ein warmer Sommertag, vielleicht

der bisher wärmste dieses Jahr, ich gehe nicht

allein, mein Baby, gut zwei Monate alt,

schläft auf meiner Brust in der Trage.

Jetzt bin ich fast am Fluss, am lautesten nun

das Geräusch meiner auftretenden Schuhe,

die Straße ist kaum noch zu hören

dafür die seichten Wellen der Alster.

Ich fotografiere, wie die Sonne untergeht,

genieße das Abendlicht, das sich spiegelt,

in dem Wasser, das ob der Windstille

fast steht, nicht steht, doch fließt, nur langsam.

Wie jeden Abend ist das Ziel der Weg das Bett,

der Schlaf naht, der kleine Freund des Todes,

Das primäre Geräusch nun: der knirschende Sandboden,

dann der holzige Brücken- und wieder der Sandboden.

Fast bin ich nun am Ende des Hinwegs meiner Runde

eine Brücke noch mit Steinboden und dann noch ein paar

Schritte, schon habe ich die Mitte meines heutigen Weges

zurückgelegt, befinde mich somit sogleich auf dem Rückweg.

Und dann: Bellt ein Hund mich an,

weil er mit meinem durch

die Babytrage

geformten Bauch nichts

anfangen kann.

Ich ignoriere ihn, fixiere

ängstlich, aber gekonnt

einen Punkt am Horizont,

er belässt es beim bellen,

ich passiere ihn

halb benommen.

Jetzt aber wirklich

auf dem Rückweg,

der wie der Hinweg geht,

nur andersrum.

Den anderen Fuß setze ich schräg vor den einen

dann den einen schräg vor den anderen

so schreite ich Schritt für Schritt

zurück dem Schlaf entgegen.

Die Brücken, der Fluss,

das Abendlicht, die Gerüche

und Geräusche, vor und zurück,

mein Kind und ich wir wünschen allen,

die wir euch auf dem Rückweg sehen,

die diese Zeilen lesen,

eine gute Nacht und viel Glück

für den neuen Tag, der

kommen mag.