Von Rotwein und Zartbitterschokolade

Mit dem faden Geschmack im Mund

von trockenem Rotwein und

süßer Zartbitterschokolade fährt sie

während andere längst schlafen

mit einem spöttischen Lächeln Richtung Flughafen.

Wo sie sich das erste Mal trafen

vor zwei Jahren auf den Tag genau

sie war damals eine andere Frau

ziemlich selbstherrlich und arrogant

wie sie sich dank ihm später eingestand.

Nicht, dass sie es jetzt nicht mehr ist

aber sie kann über ihre Arroganz lachen

kann Witze über sich machen

doch das sieht sie gerade nicht

als sie allein am Flughafen sitzt

neben einem Mann mit einem Rotwein

in der einen und einer Zartbitterschokolade

in der anderen Hand und

rund um den Mund

einem spöttischen Lächeln.

Die lachende Möwe

Am Elbstrand sitze ich

eine Möwe zieht krächzend Kreise

Container krachen leise

der Wind rauscht laut

Wellen laufen aus

Schiffe schwer beladen

her tragen mich Gedanken

Bilder aus vergangenen Tagen

wie ich stand am Strand

im knöcheltiefen Schnee

getragen von Fernweh

von einer neuen Liebe

zwischen den Gewalten

gehalten von Heimweh

von einer alten Liebe

fallende Container poltern

Schiffe laufen leise aus

Wellen rauschen laut

im drehenden Wind

tragen Gedanken

mich nach Haus

was war und was ist

die Möwe lacht

mir zum Abschied

ins Gesicht.

Ein Baum

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

stets war ich vorbeigefahren.

Letzte Woche hielt ich an,

widmete mich seiner ganz,

fragte mich, wie alt er ist,

warum er wohl am Leben ist.

Ich ging um ihn herum,

lehnte mich an seinen Stamm,

klopfte sacht und schaute

aufmerksam an ihm entlang

bis zu seiner Krone,

fühlte seine Blätter,

sie waren nass und warm.

Ich trat ganz nah an ihn heran,

und näher, nahm ihn in meinen Arm,

meinen Atem warf er mir zurück,

ich setzte mich zu seinem Fuße,

verabschiedete mich mit einem Gruße,

winkte und wünschte Glück.

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

heute bin ich vorbeigefahren.

Ein letzter Blick aufs Meer

Und das Schiff verlässt den Hafen,

wehmütige Freude

Möwen sitzen auf den Steinen

sehnsuchtsvolles Warten.

Die Sonne scheint, es regnet,

Tropfen fallen schwer.

die Möwen kreisen einen Bogen,

eine nur fliegt hinterher.

Eine Mutter klettert mutig

auf den Steinen bei starkem Wind

sie hält ängstlich an der Hand

ein vor Freude jauchzendes Kind.

Am Horizont verschwunden

der Kaffee auch fast leer,

ach, wären sie nur ungebunden,

ein letzter Blick aufs weite Meer.

Eine neue Heimat

Er reißt eine 

alte Heimat ein,

es musste sein,

sonst wäre das Haus

nach all den Jahren bald  

zusammengefallen. 

 

Viel Staub, darunter 

kein Vergessen.

 

All die alten Erinnerungen,

die wahren und

echten,

traurigen und

fröhlichen,

außer- und 

gewöhnlichen.

 

All die neuen Erinnerungen,

die warten, 

erlebt zu werden,

nach den Scherben,

um nicht unerlebt 

zu sterben.

 

Der Baggerfahrer bietet

ihr eine Zigarette an,

Sie nimmt dankend an.

Ein erster tiefer 

genüsslicher Zug.

Voll vor Freude,

voll Wehmut.

 

Währenddessen spielt

ein Mann mit seiner 

Tochter auf der 

Baustelle Fußball.

 

So langsam kann 

sie sich das vorstellen.

Die weiße Feder

Ich schaue vom Deich

hinauf aufs Meer,

dort schiebt eine Fähre

sich langsam Richtung Föhr

gleich ist sie verschwunden.

 

Ich schaue hinunter

eine weiße Feder liegt

zwischen meinen nackten Füßen

auf dem grünen Gras

Ob sie dort eben auch schon lag?

 

Ich bücke mich,

hebe sie auf und

stelle fest, die Feder ist

nur vorne weiß,

hinten ist sie schwarz.

 

Ich lasse sie fallen mit

der schwarzen Seite oben

gleitet sie gen Boden,

und landet direkt zwischen

meinen nackten Füßen

auf dem grünen Gras

die weiße Seite oben.

 

Ich schaue vom Deich

hinauf aufs Meer,

dort schiebt eine Fähre

sich langsam Richtung Föhr

gleich ist sie