Leben und Momente

Wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nicht will, nur bin,

wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nicht will, nur bin.

Wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nur sitz und schau,

wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nur sitz und schau.

Wenn ich mit mir alleine scheine,

verbunden bin mit allem Sein,

wenn ich mit mir alleine scheine,

verbunden bin mit allem Sein.

Wenn ich es nicht anders wünsche,

anders wünsche als es ist,

wenn ich es nicht anders wünsche,

anders wünsche als es ist,

wie wundervoll

mein Leben ist.

Amsel und Spatz

Eine Amsel singt auf dem Dach,

ein Spatz hüpft hierzu im Takt

von Ast zu Ast der

gegenüberliegenden Lärche,

seine leichte Last biegt deren

Äste seicht gen Erde,

wie stark diese dennoch

zurück gen Himmel federn

überrascht

ebenso, dass fast synchron

Amsel und Spatz

kurze Zeit später

ihren jeweiligen Platz aufgeben

und fort fliegen, gemeinsam

nur ich bleibe

allein, nicht einsam,

zwischen Dach und Lärche

an meinem Ort,

jenem vertrauten Balkon,

der einem Aste gleich

vom Stamm entzweiend

in die Lüfte reicht

im Frühling langsam erwacht,

im Herbst allmählich ausruht,

im Sommer gesellig lebt,

im Winter einsam steht.

Könnte ich fliegen, würde ich folgen,

nur wem, Amsel oder Spatz,

könnte ich womöglich

nicht entscheiden,

würde ich also doch bleiben?

Nein, meine Neugier würde mich treiben,

im Wechsel aufschlagend,

abschlagend und gleitend

würde ich nachreisen

so weit, so lang Amsel und Spatz

noch eng zusammen flögen,

bis sie sich trennten,

dort würde ich halten,

dort würde ich die bestehenden Strömungen

mit leichten Bewegungen ausgleichen,

dort würde ich liegend stehen, schwebend wehen,

bis ich Amsel und Spatz irgendwann

nicht mehr sehen könnte,

sie würden endgültig entschwunden sein.

Die Ruderer und die Brücke

Der Regen kam überraschend

und so warten die Ruderer

unter der Brücke in Reih und Glied,

bis das Unwetter vorüber zieht.

 

Vor ihnen der prasselnde Regen, hinter ihnen auch,

über ihnen die schützende Brücke, auf der

ein Passant genüsslich seine Zigarette raucht

und gemütlich aufs Wasser schaut.

 

Es scheint, der Regen komme ihm

nicht ungelegen, so gelassen er dort steht,

als sei nichts, wäre nichts gewesen,

während es auf ihn niederschlägt.

 

Sein Blick, der nicht sucht, findet,

wie friedvoll das Wasser sich verbindet,

das fallende mit dem fließenden,

ein Kreis läuft in den nächsten.

 

Wer wo anfängt, wer wo aufhört,

ist nicht mehr zu entdecken,

während die Ruderer sich

nach wie vor verstecken.

Die Seifenblase am See

Ich sitze am Ufer eines Sees

verfolge eine Seifenblase, die

über dem Gewässer schwebt,

ehe sie an Höhe verliert,

mit dem Wasser kollidiert,

leicht emporsteigt,

niedersinkt,

dieses Mal keine Kollision,

ein Tanz, ein Kuss, eine Verbindung,

gleich gleitet sie auf dem Wasser,

gleich verschwindet sie zur Hälfte,

nur ein Halbkreis noch zu sehen,

der mit der Strömung fließt,

wie eine Glocke aus Glas,

jetzt nicht mehr zu sehen.

Die Lichter der Abenddämmerung

Unter mir die Lichter der Stadt.

 

Der geschlossenen Geschäfte, die heute

kein Ziel mehr sein werden,

vielleicht morgen, die werben

mit großen weißen leuchtenden Lettern.

 

Der fahrenden Autos, die ein Stück

der Straße erleuchten, immer ein anderes,

eine helle Leuchtspur erschaffend, die sie

auf der dunklen Fahrbahn zum Ziel geleitet.

 

Der stehenden Straßenlaternen, die ein Stück

des Weges erhellen, immer dasselbe,

wartend auf einen Passanten, der die hellen Stücke

zu einem Weg zusammenfügt bis zu seinem Ziel.

 

Der wechselnden Wohnungen, die als Ziel

scheinen, es vorübergehend auch sind,

zumindest für die heutige Nacht,

den morgigen Tag, das kommende Jahr.

 

Über mir die Lichter nach der Sonne.

 

Der zarte Himmel

leuchtet hell in blau,

am Horizont in grau,

in lila und in gelb.

 

Es ist das gestreute Restlicht der

untergegangenen Sonne, das sein Ziel

noch findet, ehe es in ein paar Minuten

restlos verschwindet.

 

Gleich ist Dunkelheit,

die Sonnenstrahlen wandern vorbei

an diesem Teil der Erde

bis ans Ende aller Zeit.

 

In mir das Licht.

 

Das leuchtet.

Nach unten

wie nach oben.

Ohne Ziel.

 

Das leuchtet.

Nach innen.

Unsichtbar.

So hell.

Der Anfang oder das Ende

Er sitzt jeden Tag zur selben Zeit

allein auf der Bank im Park,

weil sie dann ihren

Abendspaziergang macht.

Als sie sich nähert,

er sieht sie bereits in der Ferne,

wie selbstbewusst sie geht,

fährt er sich unbewusst mit der

Hand durchs Haar.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt er sie schüchtern an,

schon ist sie vorbeigegangen.

Mit ihr der schönste Moment

seines Tages.

Er sagt sich:

„Spricht sie mich morgen nicht an,

setze ich mich nicht mehr

auf diese Bank. Ich kann

nicht nur für ihr Lächeln leben.

So wunderbar es auch sein mag.“

 

Sie macht auch morgen,

wie jeden Tag,

zur selben Zeit,

ihren Abendspaziergang,

weil er dann auf der

Bank im Park sitzt.

Sie sieht ihn bereits aus der Ferne,

wie gelassen er dort sitzt.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt sie ihn an, offener denn je,

schon ist sie vorbeigegangen.

Und damit der schönste Moment

ihres Tages.

Sie sagt sich:

„Morgen spreche ich ihn an. Es

war ein Lächeln, da bin ich mir sicher.

Er scheint schlicht schüchtern.

Wie er sich mit der Hand durchs Haar fährt.

Das mag ich. Sehr.“

Im Freibad

Eine rote und eine blaue Fahne

wehen im weichen Wind.

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

 

Ich lieg im Schatten auf einer blauen Liege,

die rote Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die blaue Fahne dreht sich um den Mast,

Das Kind erwacht mit einem Lachen,

die rote Fahne weiter schlaff

die Fliege kitzelt meinen Nacken.

 

Ich liege in der Sonne auf einer roten Liege,

die blaue Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die rote Fahne dreht sich um den Mast,

Das wache Kind sorgt für Verzücken, 

die blaue Fahne weiter schlaff,

die Fliege kitzelt meinen Rücken.

 

Die rote Fahne und die blaue

wehen im weichen Wind,

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

Mondfinsternis

Mein Hinweg durch die Stadt

auf dem Bürgersteig,

entlang an der stark befahrenen

vierspurigen Straße,

zwei für jede Richtung.

Während der Mond sich aus dem Halb-

in den Kernschatten bewegt, sich verfinstert,

und nun rot am Himmel steht und plötzlich

neben mir statt Asphalt Wasser,

statt Teer ein Meer als Schlucht wie ein Fluss

inzwischen den hohen Mehrfamilienhäusern

wie eine Flucht, die Geräusche der Straße

verschwimmen zu auslaufenden Wellen,

die Autos als Schiffe, bis der Mond

sich aus dem Kernschatten bewegt, erhellt

und wieder unverdeckt am Himmel steht.

Mein Rückweg durch die Stadt

auf dem Bürgersteig

entlang an der stark befahrenen

vierspurigen Straße,

zwei für jede Richtung.

Abendspaziergang

Ein Fuß setze ich schräg vor den anderen

dann den anderen schräg vor den einen

so schreite ich Schritt für Schritt

dem Sonnenuntergang entgegen.

Es begleiten stets die gleichen Geräusche

Fetzen von Gesprächen, lauter Lärm der Straße

und ganz leise das Klacken meiner auftretenden Schuhe

aus der Nähe und dann aus der Ferne Musik.

Auch begleitet der Geruch des Asphalts und

der Schweiß der Hitze von der Hetze

des alltäglichen Abseits

des wöchentlichen Allzeitbereits.

Es ist ein warmer Sommertag, vielleicht

der bisher wärmste dieses Jahr, ich gehe nicht

allein, mein Baby, gut zwei Monate alt,

schläft auf meiner Brust in der Trage.

Jetzt bin ich fast am Fluss, am lautesten nun

das Geräusch meiner auftretenden Schuhe,

die Straße ist kaum noch zu hören

dafür die seichten Wellen der Alster.

Ich fotografiere, wie die Sonne untergeht,

genieße das Abendlicht, das sich spiegelt,

in dem Wasser, das ob der Windstille

fast steht, nicht steht, doch fließt, nur langsam.

Wie jeden Abend ist das Ziel der Weg das Bett,

der Schlaf naht, der kleine Freund des Todes,

Das primäre Geräusch nun: der knirschende Sandboden,

dann der holzige Brücken- und wieder der Sandboden.

Fast bin ich nun am Ende des Hinwegs meiner Runde

eine Brücke noch mit Steinboden und dann noch ein paar

Schritte, schon habe ich die Mitte meines heutigen Weges

zurückgelegt, befinde mich somit sogleich auf dem Rückweg.

Und dann: Bellt ein Hund mich an,

weil er mit meinem durch

die Babytrage

geformten Bauch nichts

anfangen kann.

Ich ignoriere ihn, fixiere

ängstlich, aber gekonnt

einen Punkt am Horizont,

er belässt es beim bellen,

ich passiere ihn

halb benommen.

Jetzt aber wirklich

auf dem Rückweg,

der wie der Hinweg geht,

nur andersrum.

Den anderen Fuß setze ich schräg vor den einen

dann den einen schräg vor den anderen

so schreite ich Schritt für Schritt

zurück dem Schlaf entgegen.

Die Brücken, der Fluss,

das Abendlicht, die Gerüche

und Geräusche, vor und zurück,

mein Kind und ich wir wünschen allen,

die wir euch auf dem Rückweg sehen,

die diese Zeilen lesen,

eine gute Nacht und viel Glück

für den neuen Tag, der

kommen mag.

Ein heißer Sommertag

Heute ist ein ungewöhnlicher,

denn sehr, sehr heißer

Sommertag.

Die Sonnenstrahlen

strahlen ohne Erbarmen,

auf die Erde, kein Hindernis

hängt, kein Hindernis steht

im Weg, schier unglaublich

ob des weiten Weges

von der Sonne zur Welt

und trotzdem wahr.

Es ist heiß, sehr heiß,

an diesem Mittsommertag,

fast jeder meckert,

Eis kleckert,

Schweiß fließt,

Eis wärmt,

Hitze kühlt,

Verfühlt?

Wasser marsch!

Schatten rettet,

Ruhe bewahrt.

Ein ungewöhnlicher,

denn sehr, sehr heißer

Sommertag?

Nein, es ist wie immer

fast jeder meckert,

Eis kleckert,

Schweiß fließt,

Eis kühlt,

Hitze wärmt,

Verfühlt?

Wasser marsch!

Schatten rettet,

Ruhe bewahrt.

Also, nein, nicht

ungewöhnlich:

Es ist ein ganz normaler,

wenn auch

sehr, sehr heißer

Sommertag!