Elbbrücken

Prolog
Heute überquere ich die Elbe.

I.
Der Vergangenheit tief in ihre blauen Augen gesehen. Sie sah zurück. Und erzählte ihre Geschichte. Sie reichte bis in die Gegenwart und glich der meinigen. Beinahe wäre sie ich geworden. Zu einer anderen Zeit wäre sie das.

II.
Der Gegenwart tief in ihre grünen Augen sehen. Es ist unsere Geschichte. Sie erzählt ihre. Ich erzähle meine. Es bleibt unsere Geschichte. Bis heute. Nehmen wir Momentaufnahmen mit.

III.
Der Zukunft werde ich tief in ihre braunen Augen sehen. Sie wird zurücksehen. Und eine Geschichte erzählen, die nie gewesen sein wird. Nur an einem anderen Ort gewesen wäre. Nur an einem anderen Ort sein wird. Fernab von hier wird sie sein.

Epilog
Heute überquerte ich die Elbe.

Am Elbstrand

Sonnenlicht spiegelt sich

im Wasser der Elbe

ich liege am Strand

und denke dasselbe

wie beim letzten Mal

als ich hier war

den Schiffen hinterher sah

ich habe die Wahl

zwischen hier und dort

zwischen bleiben und reisen

zwischen mir und dir

während die Fragen kreisen

wer fährt warum wohin

wer gibt sich dem Momente hin

wer denkt still vor sich hin

wer lebt ohne Fragen, ohne Sinn

Auch am Ende denke ich immer dasselbe

vor mir die auslaufenden Wellen der Elbe

vor mir das gleißende Licht

ich denke an dich.

Glückstadt

Vor dem blauen Himmel

ragt ein blauer Schornstein

in die Höhe

unter ihm die Stadt

über den grünen Deich

hin zum Elbwatt

wandert mein Blick weich

am weißen Leuchtturm vorbei

ziehen Kraniche trötend

in die Heimat zurück

setzt die Fähre über

des wartenden Pendlers

alltägliches Glück

geht die Sonne über

der Elbe nieder

der Tag ist vorüber.