Still am Starnberger See

Auf dem Steg liege ich und schau

hindurch das klare Wasser

schimmert grün und blau

hinab bis auf den Grund

und höre zu dem Wasser, wie

es wiegt und plätschert sanft

schlägt drüben auf an Stein, wie

es bricht, sonst hör ich nichts

unter mir ein Fisch, der tanzt

und zwar allein mit sich

ich schließe meine Augen

und denke an mein jüngeres ich

und jene, die vor uns hier lagen

ob gestern oder schon vor Jahren

die auf dem Steg hier schlafen

die nachts und nackt hier baden

und jene, die nach uns hier liegen werden

ob schon morgen oder in Jahrzehnten

an jene, die hier alt werden

und Erinnerungen weitergeben

als ich die Augen wieder öffne

tanzt der Fisch noch immer dort

ich dreh mich auf den Rücken

und schau gen Himmel zu den Wolken

die still weiterziehen nach Norden

nehmen sie meine Gedanken mit

und für kurze Zeit mir Sonnenlicht

ich denke an dein jüngeres ich

als ich meine Augen wieder schließe

kommt auf ein kräftiger Wind

die starken Wellen lassen Kind nach Kind

jauchzen wie vermutlich damals sie und dich

Wenn man rausschwimmt

kann man die Berge sehen

denke ich noch, bevor die Erinnerungen verwehen

und ich einschlaf.

Ob der Fisch wohl noch immer

tanzt und für wen, still am Starnberger See

steh ich auf dem Steg deiner Verwandten

und schau ins Wasser

spring ich hinein und schwimm hinaus

nun kann ich die Berge sehen im Süden

und euch lachen hören vom Ufer

wie all jene vor mir und all jene nach mir.