Mein Kern

Zu meinem Kern ist es noch weit,

er ist verletzlich, zart und weich,

ich spür‘, ich bin ihm nah,

wenn ich vor einer Pusteblume steh‘,

die sich im Winde neigt und hebt,

bei dir ich bleib‘, die ich nicht brech‘,

weil es mich schmerzt, der ich versprech‘,

ich lass‘ dich stehen, wie du bist,

ich lass‘ dich gehen, wie du bist,

im Winde lass‘ ich dich verwehen.

Ein Geheimnis (2007)

Zum ersten Mal sah ich Augen wie die seinen,

ein unergründliches dunkelbraunes Schwarz,

umwoben von einem Geheimnis,

das ich nicht zu erschließen vermochte,

spürte ich die keimende Trauer,

die langsam gen Seele tropfte.

In der Tiefe schlummerten Tränen,

die vermögten über Nacht,

ein kleines Rinnsal zu verwandeln

in einem reißenden Bach.

Ich hörte sie sagen:

„Niemand kann ihm folgen,

er ist bereits auf dem Weg,

nur der Hüter kann sehen,

was du nicht verstehst.“

Da wünschte ich mir,

lastete seine Schwere doch auf mir,

sie nimmt ihn mit hinab,

an mir prellte sie ab.

Und schon schwappten Tränen und Trauer

Hand in Hand über den Rand,

rissen es mit, trugen es fort,

an den letzten unbekannten Ort.

Du bist nicht deine Gedanken

Wenn du in Gedanken bist,

wo bist du dann?

Nicht hier bei mir,

mahnt sie ab und an,

wenn du in Gedanken bist.

Fragst du dich, warum du fliehst?

warum deine Gedanken dich

von hier wegzieh‘n?

Wenn nicht, frage ich.

Weil es nunmal so ist,

weil es ist, wie es ist.

Ja, es ist, wie es ist, erwidert sie,

aber deine Gedanken sind nicht,

du bist und nur

hier bei mir,

wenn du nicht in Gedanken bist.