Eine alte Freundschaft

Aufm Fahrrad zum alten Schulfreund

Gegenwind trotz Windstille

Gedankenfilm, Gedankenkopf,

früher untrennbar eins wie Jekyll und Hyde,

über die Zeit schlief die Freundschaft einfach ein,

sein Umzug, aber nicht nur Orte verkomplizierten

auch unterschiedliche Lebenswege trennten

nach Jahren zog er nun zurück in die

niemals windstille Stadt des suchenden Wassers

der leuchtenden Lichter des sehnsüchtigen Hafens.

Gedankenfilm, Gedankenkopf.

Noch philosophisch wie damals,

als wir alles hinterfragten,

keine Antworten fanden,

nichts und niemanden verstanden?

Noch zynisch wie damals,

als wir spotteten, weil die so weise Frau

angeblich mit dem Winde Freundschaft schloss,

als ob das ginge und wenn doch

rauchten sie zum Frieden Pfeife?

Gedankenfilm, Gedankenkopf

Ob er mittlerweile Antworten fand oder

das Fragen aufgegeben hat?

Ob er mit dem Winde

Freundschaft schloss?

Ob wir Jekyll und Hyde

noch könnten, wenn

wir denn wollten?

Sie oder er?

Die Ampel für Fußgänger

springt von rot sofort 

auf grün, kein Orange 

liegt dazwischen.

 

Unweit der Ampel 

überquert die Frau

die vierspurige Straße

ohne zu schauen.

 

Sie steigt in den Bus,

der quer durch die Stadt

fahren wird, 

wie bald sie aussteigt?

 

Der Mann springt hinein,

kopfüber ins kalte Wasser,

eine Abkühlung 

am Ende dieses heißen Tages.

 

Er schwimmt zum Land,

schaut hinein in die

untergehende Sonne,

die Orange ist, noch nicht rot. 

 

Gleich wird er aufs Fahrrad steigen,

gleich wird er nach Hause fahren,

Wer wohl zuerst daheim sein wird,

Sie oder er?

Abendspaziergang

Ein Fuß setze ich schräg vor den anderen

dann den anderen schräg vor den einen

so schreite ich Schritt für Schritt

dem Sonnenuntergang entgegen.

Es begleiten stets die gleichen Geräusche

Fetzen von Gesprächen, lauter Lärm der Straße

und ganz leise das Klacken meiner auftretenden Schuhe

aus der Nähe und dann aus der Ferne Musik.

Auch begleitet der Geruch des Asphalts und

der Schweiß der Hitze von der Hetze

des alltäglichen Abseits

des wöchentlichen Allzeitbereits.

Es ist ein warmer Sommertag, vielleicht

der bisher wärmste dieses Jahr, ich gehe nicht

allein, mein Baby, gut zwei Monate alt,

schläft auf meiner Brust in der Trage.

Jetzt bin ich fast am Fluss, am lautesten nun

das Geräusch meiner auftretenden Schuhe,

die Straße ist kaum noch zu hören

dafür die seichten Wellen der Alster.

Ich fotografiere, wie die Sonne untergeht,

genieße das Abendlicht, das sich spiegelt,

in dem Wasser, das ob der Windstille

fast steht, nicht steht, doch fließt, nur langsam.

Wie jeden Abend ist das Ziel der Weg das Bett,

der Schlaf naht, der kleine Freund des Todes,

Das primäre Geräusch nun: der knirschende Sandboden,

dann der holzige Brücken- und wieder der Sandboden.

Fast bin ich nun am Ende des Hinwegs meiner Runde

eine Brücke noch mit Steinboden und dann noch ein paar

Schritte, schon habe ich die Mitte meines heutigen Weges

zurückgelegt, befinde mich somit sogleich auf dem Rückweg.

Und dann: Bellt ein Hund mich an,

weil er mit meinem durch

die Babytrage

geformten Bauch nichts

anfangen kann.

Ich ignoriere ihn, fixiere

ängstlich, aber gekonnt

einen Punkt am Horizont,

er belässt es beim bellen,

ich passiere ihn

halb benommen.

Jetzt aber wirklich

auf dem Rückweg,

der wie der Hinweg geht,

nur andersrum.

Den anderen Fuß setze ich schräg vor den einen

dann den einen schräg vor den anderen

so schreite ich Schritt für Schritt

zurück dem Schlaf entgegen.

Die Brücken, der Fluss,

das Abendlicht, die Gerüche

und Geräusche, vor und zurück,

mein Kind und ich wir wünschen allen,

die wir euch auf dem Rückweg sehen,

die diese Zeilen lesen,

eine gute Nacht und viel Glück

für den neuen Tag, der

kommen mag.

Ein heißer Sommertag

Heute ist ein ungewöhnlicher,

denn sehr, sehr heißer

Sommertag.

Die Sonnenstrahlen

strahlen ohne Erbarmen,

auf die Erde, kein Hindernis

hängt, kein Hindernis steht

im Weg, schier unglaublich

ob des weiten Weges

von der Sonne zur Welt

und trotzdem wahr.

Es ist heiß, sehr heiß,

an diesem Mittsommertag,

fast jeder meckert,

Eis kleckert,

Schweiß fließt,

Eis wärmt,

Hitze kühlt,

Verfühlt?

Wasser marsch!

Schatten rettet,

Ruhe bewahrt.

Ein ungewöhnlicher,

denn sehr, sehr heißer

Sommertag?

Nein, es ist wie immer

fast jeder meckert,

Eis kleckert,

Schweiß fließt,

Eis kühlt,

Hitze wärmt,

Verfühlt?

Wasser marsch!

Schatten rettet,

Ruhe bewahrt.

Also, nein, nicht

ungewöhnlich:

Es ist ein ganz normaler,

wenn auch

sehr, sehr heißer

Sommertag!