Die Entscheidung

Eben noch saß sie auf der Bank

schaute auf das flache Land

und nahm sich Zeit

auf ihrem Weg zur Arbeit

dachte sie nach weswegen

wofür und wie will sie leben

so nicht, das war ihr nun klar

es ist unehrlich und unwahr

sie stand auf und rief ihn an

lief auf und ab und sagte dann

„Ich möchte etwas zum Guten bewegen

in meinem, diesem einzigen Leben.“

Er verstand, während er nach Worten rang:

„Dein Leben sollst du leben

frage stets wofür, wie und weswegen

endlich wirst du wissen, wo lang.“

Sie setzte sich wieder auf die Bank

schaute auf das flache Land

sie saß dort stundenlang

ehe sie schließlich gang.

zum einkauf der dinge

ruhig, still und leise

wie an nem feiertag

aber auf ne gespenstische weise

an jedem wochentag

bleiben wir wenn möglich

allein drinnen zu haus

gehn nur raus, wenn nötig

setzen uns masken auf

zum einkauf der dinge

des täglichen gebrauchs

wie ich immer wieder ringe

mit den dingen und ihrem lauf

warum es ist, wie es ist

es sollte anders sein

nein, es ist, wie es ist

es kann nicht anders sein.

fünf minuten

fünf minuten hab ich

für dieses gedicht

jetzt nicht mehr

sind nun nur noch vier

denk zu viel

schreib zu wenig

bräuchte wohl ein bier

ein alkoholfreies natürlich

drogen sind für mich nicht mehr

außer kaffee versteht sich

und auch mal ein wenig teer

naja, und ab und an

gönn ich mir nen schnaps

wers glaubt, der hats

aber nun, ich schweife ab

jetzt sind es nur noch drei

in wirklichkeit gar nur noch zwei

jetzt denk ich nochmal richtig nach

für ein würdiges ende

ende.

tschüss

hab dich viel zu lang

nicht mehr gesehn

wie konnte das geschehn

lag es an mir

lag es an dir

wollte es verstehn

schrieb dir

wann wir uns wiedersehn

du schriebst nicht

und dann irgendwann

mit vielen worten

dass du nicht kannst

ich verstand

es fehlte nie die zeit

du bist schlicht nicht bereit

würd gern sagen, ist halt so

dass es mich sehr trifft

ohne jegliches wieso.

Zwei kleine Sonnen

Zwischen zwei Laternen

steht im Fernen die Sonne tief

die eben scheinbar noch

hinter grauen Wolken schlief.

Wie prägt sie unser aller Sein.

Ganz gleich wird sie verschwunden sein

ganz gleich wird sie woanders schein‘

ganz gleich werden die Laternen leuchten

wie zwei kleine Sonnen erleuchten.

Mitten zwischen ihnen stehe ich

und kann mich nicht entscheiden

möchte gehen, möchte bleiben

sehe ich das Dunkle nicht

hinter all dem Sonnenlicht?

Hin und zurück oder im Kreis

Sie trafen sich am selben Gleis

sie fuhr gerne Bahn, er Bus

als Selbstzweck mit Genuss

hin und zurück oder im Kreis.

Sie kamen ins Gespräch

über ein Buch von Murakami

das sie jeweils beim Warten lasen

bevor sich ihre Blicke trafen.

Beide liebten es, dem Alltag zu entfliehen

liebten Landschaften, die vorüberziehen

liebten Reisegeräusche

wie Stille andere Leute.

Sie vergaßen Raum und Zeit

redeten über Vergänglichkeit

über das Suchen und Finden

über das einfach Verschwinden.

Sein Bus war längst gefahr‘n

als sie ihre Bahn nahm

doch das sagte er nicht

mit einem Lächeln im Gesicht.

Zu zweit an einem Ort

Es war einmal ein Mensch

der tat recht wenig

ruhte aus

wenn möglich

redete er kaum, hörte viel zu

er war phlegmatisch womöglich.

Es war einmal ein Mensch

der tat immerzu

kannte keine Ruh

redete mit Genuss

in einem Fluss

er war wohl lebhaft bis zum Überdruss.

Es war einmal ein Mensch

der tat mal hier, ruhte mal dort

redete

dann und wann

hörte er zu in aller Ruh

er war zu zweit an einem Ort.

Der längste Tag des Jahres

Der kürzeste Tag des Jahres

ist nun vorbei

die Tage werden länger

ich denke an uns zwei.

Wie wir, es war

vor etwa einem halben Jahr

am längsten Tag des Jahres

draußen saßen

bis die Sonne unterging.

Wie wir

die laue Nacht genossen

draußen lagen

bis der neue Tag anfing.

Wie wir

im Bewusstsein der Vergänglichkeit

uns aneinander schmiegten.

Wie wir uns

bei Sonnenaufgang

liebten.

Eppendorf/ Othmarschen

Ich gehe mit meiner Mutter

durch die Stadt

wir gehen den ganzen Tag

von der Alster an die Elbe

bis zum Jenischpark

ein wenig östlich

wuchs meine Mutter auf

wir werfen einen Blick

auf ihr Elternhaus

sie weiß über jeden Winkel hier

etwas zu berichten

erzählt Geschichten

aus Kindheit und Jugend

von ihrem Großonkel und dessen

vermeintlicher Tugend

ich frage mich

werd‘ ich so auch mal

durch Norderstedt gehen

und meiner Tochter erzählen?

von Teufelsbrück

geht es mit der Fähre zurück

den Wind im Gesicht

im Kopf dieses Gedicht.

Das Bild der zwei Brücken

Ich steh‘ unter zwei Brücken

die eine führt gen Norden

die andere gen Süden

über mir zwei Brücken.

Auf Schienen fahren die Bahnen

immer denselben Weg

die Schienen sind der Rahmen

für immer denselben Weg.

Die Menschen malen das Bild aus

mit stetig verschiedenen Farben

sie steigen ein und steigen aus

verändern mild die Farben

des immer selben Wegs

mancher sitzt und mancher steht

doch jeder geht auf seinem Weg

zumindest ein paar Schritte

mancher sucht nach seiner Mitte

mancher fand sie schon vor Jahren

mancher band sich, zu bewahren

mancher sieht die ersten Risse.

Meine Wahrheit brodelt verborgen

zusammen mit meinen Lügen

gestern wie heute wie morgen

wie kann ich mir genügen?

Die wartenden Möwen

Sie sitzen dort und warten

hinter ihnen der Hafen

sie sitzen dort und warten

so ruhig, als ob sie schlafen.

Sie sitzen dort bei Sturm

sie sitzen dort bei Regen

sie sitzen dort als würd‘ es

nichts and’res für sie geben.

Sie sitzen dort und warten

selbst in der tiefen Nacht

hinter ihnen der Hafen

der ruhig über sie wacht.

Eine Trennung

Im Taxi auf der Rückbank

weint er hemmungslos

der Taxifahrer sagt nichts

und fährt rücksichtslos

über rote Ampeln

setzt den Blinker nicht

fährt viel zu schnell

trotz schlechter Sicht

er sollte was sagen

er sagt nichts

wie kann er es nicht wagen

weint bloß bitterlich

Sie ist wirklich gegangen

oder ging doch er

es hat sich angedeutet

und fällt trotzdem schwer.

Das Taxi ist schon da und hält

die Fahrt unangenehm wie nie

trotzdem gibt er Trinkgeld

er denkt nur an sie.

Sie hat es nicht ausgesprochen

er hat es gespürt

das Unschuldige zerbrochen

sie war nicht mehr berührt.

Silvester an der Alster

Es ist Silvester kurz vor Mitternacht

Eisschollen treiben auf dem Wasser

in dieser klaren, bitterkalten Nacht

er sucht sich einen stillen Platz

wo er seine Ruhe hat

wo nichts passiert

wo nichts geschieht

vielleicht wirft er seine Angel aus

einen Köder nutzt er nie

während zuhaus‘ im Endreihenhaus

seine Frau allein das neue Jahr begießt

die Kinder, bereits eingeschlafen

ein Vorsatz, ein Fisch an seinem Haken.

Ein Blick für einen flüchtigen Augenblick

Sie sehen sich jeden Wochentag

für nicht länger als eine Sekunde

immer morgens zur selben vollen Stunde

fährt sie mit der U-Bahn rein in die Stadt

und er mit der U-Bahn raus aus der Stadt.

Wenn die Bahnen aneinander vorbeifahren

trifft sich ihr Blick für einen flüchtigen Augenblick

ihr war gar, als hätte er ihr zugenickt

ehe er sich im eigenen Spiegelbild verliert

als wäre nichts passiert.

Die Brücke

Zwischen ihnen diese Lücke

er auf der einen Seite

sie auf der anderen Seite

der hinüber führenden Brücke.

Während sie so am Ufer stehen

und zueinander hinübersehen

in Erwartung der ersten Schritte

des jeweils andern gen Brückenmitte

hat es zu regnen angefangen

auch grollt ein Donner in der Ferne

ist sie bald gegangen

von der Kälte in die Wärme.

Er steht nun allein auf ihrer Seite

durchnässt bis auf die Haut

niemand mehr auf seiner Seite

es wirkt seltsam vertraut.

Kreuz und her

Meine Gedanken

rasen

rasen

hin und her

rasen

kreuz und quer

überschlagen sich

egal, was ich auch tu‘

ich komm‘ nicht zur Ruh‘

und mein Körper

träge, langsam, schwer

kommt dem Kopf nicht hinterher

als ob etwas an ihm hängt

als ob ihn jemand unbekanntes lenkt

fragt sich bloß wer

verfängt sich

fängt nicht

fängt mich

ein Gedanke

verdrängt

hier

drängt

dort

drängen

meine Gedanken

rasen

überschlagen sich

jagen mich

hin und quer

kreuz und her.

Von einem Mann

Unter der Woche fährt er

mit der U-Bahn in die Stadt

manchmal schläft er ein

manchmal bleibt er wach.

Er wurde hier geboren

und er wird hier sterben

hier wuchs er heran

von einem Kind zum Mann.

Am Wochenende schaut er

aus seinem Fenster raus

er kennt hier jeden Stein

hier ist sein Zuhaus‘.

Alle kennen ihn

zumindest sein Gesicht

manche gar seinen Namen

die meisten aber nicht.

Allen, die vorbeigehen

wünscht er ‘nen guten Morgen

er weiß von ihren Träumen

er weiß von ihren Sorgen.

Nur von seinen eig‘nen

wusste er noch nie

will er auch nicht wissen

darum fragt er sie.

Auf jener Bank im Park

Zwischen gelben Blättern

steht diese Bank im Park

auf der ich bis eben saß

und in einem Buche las

das du geschrieben hast

auf jener Bank im Park

ich sah dir manchmal zu

wie du schriebst mit großer Ruh

wie du Zeit und Raum vergaßt

auf jener Bank im Park

auf der ich bis eben saß

in deinem Buche las

Raum und Zeit vergaß

auf dieser Bank im Park

schlug ich in aller Ruh

nunmehr dein Buche zu.

Von Rotwein und Zartbitterschokolade

Mit dem faden Geschmack im Mund

von trockenem Rotwein und

süßer Zartbitterschokolade fährt sie

während andere längst schlafen

mit einem spöttischen Lächeln Richtung Flughafen.

Wo sie sich das erste Mal trafen

vor zwei Jahren auf den Tag genau

sie war damals eine andere Frau

ziemlich selbstherrlich und arrogant

wie sie sich dank ihm später eingestand.

Nicht, dass sie es jetzt nicht mehr ist

aber sie kann über ihre Arroganz lachen

kann Witze über sich machen

doch das sieht sie gerade nicht

als sie allein am Flughafen sitzt

neben einem Mann mit einem Rotwein

in der einen und einer Zartbitterschokolade

in der anderen Hand und

rund um den Mund

einem spöttischen Lächeln.

Was dich ausmacht

Wie viele Gesichter du hast, ob du sie alle kennst

ob du einen Elefanten beim Namen nennst

wann du weinst und wann du auslachst

was du liebst und was dich ausmacht

wo du dich betrügst, wann du lügst

ob der äußere Schein trügt

was du dir wieso verbaust

was du dich nicht traust

worüber du dich ärgerst

wen du gern verärgerst

wovor du Angst hast

wann du laut lachst

ob du dich sehnst

was du verpönst

was du verbirgst

was mit dir stirbt

was dich antreibt

was von dir bleibt

wenn du dein

Innerstes

nach Außen

kehrst.

Mit Freude oder halb Leid

Ich schaue mit der mir möglichen Ruh

dem Treiben auf der Außenalster zu

Vögel und Ruderer ziehen vorbei

allerlei Worte taumeln

durch den Kopf baumeln

im Takt der Wellen auf und ab

wie Beine überm Wasser

Fässer von Gedanken

wer vor mir hier saß und wie lange

war ihr Mut, ihm bange

worüber dachte sie nach

lachte er laut seltsam vertraut

allein oder zu zweit

mit Freude oder halb Leid

war es noch Nacht oder schon Tag

wart sie seinen Möglichkeiten gewahr

auch wer nach mir hier sitzt

ob sie ihren Namen in die Bank ritzt

sieht er den Herbst funkeln seine Augen

wohin führt sie ihr unerschütterlicher Glauben

hört er das Wasser ruhig an die Wände schlagen

hat sie jemals jemand auf Händen getragen

Wovor ich Angst habe

Vor meiner Angst vor meiner Angst vor meiner Angst

vor meiner Angst vor meiner Angst

vor meiner Angst

Vor meinem Gefühl

Vor unkontrollierbaren Situationen

Vor tiefen Gewässern

Vor dunklen Seen

Vor dem Tod

Vor der Trennung

Vor Aufmerksamkeit

Vor Kontrollverlust

Vor Liebesentzug

Vor Hochgenuss

Vor der Verbindung

Vor unbekannten Menschen

Vor bekannten Menschen

Vor Menschen

Vor dir

Vor deinem Gefühl

Vor meiner Angst

vor meiner Angst vor meiner Angst

vor meiner Angst vor meiner Angst vor meiner Angst.

Wenn ich meine Zweifel tanze

Was ich nicht kontrollieren kann

nimmt in der Nacht überhand

es tritt zutage

was ich am Tage nicht ertrage

ich lasse zu, was ist

nehme hin, wie es ist

lasse los

ohne Plan und ohne Ziel

nichts ist zu groß

ohne Denken ins Gefühl

kein Kalkül

ich fühl‘ anstatt zu negieren

lass Momente regieren

bin für Angst und Trauer bereit

für Freude und Ausgelassenheit

ich bin ohne Frage nach dem Sinn

wenn ich meine Zweifel tanze

mich nicht hinter ihnen verschanze

wenn ich träume

wenn ich schlaf

bin ich mir wirklich nah?

Bis ich balanciere

An diesem sonnigen Tag
im frühen Herbst
sitze ich im leichten Winde
auf Metall, wie es hallt
unter meinen Fingern
die klopfen sanft und stark
im Wechsel die Beine
ausgestreckt und angewinkelt
sitze ich sicher nah am Rand
den Rücken an der Wand
während ich mit mir winde
die rechte Hand baumelt
über dem Hang
die linke ruht in der Jackentasche
eine Kastanie
ich könnte aufstehen
ich könnte balancieren
an diesem herrlichen Tag
im frühen Herbst
wärmt die Sonne leicht
so wie der Winde weht
gesammelte Regentropfen bewegt
die Äste biegen weich
hier sitz ich früh und spät
bis ich balanciere.

Der Blumenstrauß

Die Menschen kommen nach Haus

von der Arbeit nach dem Einkauf

was der Abend bringen mag

ob jemand auf sie wartet

nach diesem langen Tag

trägt die junge Frau

gelbe Blumen heim

er läuft in sie hinein

auf dem breiten Bürgersteig

sein Blick gerichtet nach oben

diese wunderbare Färbung

seine blauen Blumen

verteilt auf dem Boden

ihre gelben ebenfalls

gleichwohl lacht sie laut auf

und formt strahlend

einen leuchtend

blau-gelben

Strauß.

Atem der Verbundenheit

Ich liege verdeckt

im hoch geschossenen Gras

die Beine ausgestreckt

die Arme von mir gestreckt

mit geschlossenen Augenlidern

von innen rötlich gelb

das grelle Sonnenlicht wärmt

wie der weiche Boden

unter meinem Körper wiegt

leicht nachgibt

kitzelt der Atem der Natur

Verbundenheit

keine Grenze über mir

wach ich oder träum ich

zieht es mich empor

als würd‘ ich schweben

auf dem Rücken liegend

die Handflächen nach oben.

Die hinabstürzenden Tauben

Wie ein breiter Bach jener flache Fluss

hinüber führt diese alte Brücke

auf ihr stehen schiefe Häuser

schließen ohne jede Lücke

von dem höchsten Dach

stürzt eine erste Taube steil hinab

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

stürmt erneut hin

aufs höchste Dach

gurrt und schaut hin

ab mit Genuss in

Richtung Fluss

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

nun tut eine zweite Taube es gleich

derweil kühl ich meine Füße seicht

watend im flachen Fluss

und schaue mit Bedacht

hoch zum höchsten Dach

zu den hinabstürzenden Tauben.

Podcast – Folgen 4 und 5 – Die spiegelnde Natur

Moin,

zwei neue Folgen meines Podcasts sind online.

Folge 4:

 

Folge 5:

Nicht wie versprochen am Donnerstag der letzten Woche, nicht einmal am gestrigen Donnerstag. Also doppelte Verspätung. Sorry. Aber dafür gibt es nun auch eine doppelte Folge. Und wieder up to date.

Yeah!

Worum es in den Podcasts ungefähr geht:

Ich trage die Gedichte der letzten zwei Wochen vor. Kennt der aufmerksame Leser zwar vom Blog, aber nicht so. Und eine Frage stelle ich euch jeweils auch noch. Also reinhören.

Danke.

Tue es gut!

Euer

Fritz Sebastian Konka

Über allen, der Himmel, weich

Ein Sommerabend zwischen neun und zehn

aus offenen Fenstern weh‘n

Fernsehgeräusche

mahnende Worte

und Zigarettenrauch

vom Balkon gegenüber

schaut ein Mann

zu mir herüber,

Blicke treffen sich,

ich hab ihn lang nicht mehr geseh‘n,

und wenden sich ab

zu zwei Vögeln, die fliegen davon,

begleitet vom Gesang ihrer Artgenossen,

im Hintergrund Motorengeräusche,

das Rauschen der Straße,

die Geräusche einer Feile,

über allen, der Himmel, weich.

Du bist nicht deine Gedanken

Wenn du in Gedanken bist,

wo bist du dann?

Nicht hier bei mir,

mahnt sie ab und an,

wenn du in Gedanken bist.

Fragst du dich, warum du fliehst?

warum deine Gedanken dich

von hier wegzieh‘n?

Wenn nicht, frage ich.

Weil es nunmal so ist,

weil es ist, wie es ist.

Ja, es ist, wie es ist, erwidert sie,

aber deine Gedanken sind nicht,

du bist und nur

hier bei mir,

wenn du nicht in Gedanken bist.

Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Moin,

mein erster Podcast ist online. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.

Yippie, yippie, yeah, yeah, yeah!!!

Oder was meint ihr?

Ich trage unter anderem drei meiner Gedichte („Pusteblumen“, „Tanz mit der Angst“ sowie „Gedankenkreise“) vor und erzähle etwas zu ihnen.

Will ich nun wöchentlich machen.

Einfach hier klicken:

Fritz Sebastian Konka · Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Danke fürs lesen, hören, kommentieren liken und kritisieren.

Euer

Fritz Sebastian Konka

Alter Wegbegleiter

Nicht mehr gewartet

zu lang die Spanne

als dass

vergessen, versunken, verschüttet

hinabgesunken ins Ungewisse

vergraben unter neuem und alten

umgeben von

ähnlichen Ungleichen

und dann irgendwann

nach Zeit, all der Zeit

anders so vertraut

erklingt

diese wohlbekannte Stimme

jetzt

jenes verlorenen Wegbegleiters

der nie verloren war

hinein ins Herz

trägt mich zurück

nach vorn

ins hier

mit neuen Worten

an das Ufer

dieses tiefen Sees.

Von einem Traum

In einer Höhle,

es ist finster,

stockfinster.

Ich habe Angst,

so viel Angst.

 

Verzerrte Gestalten tanzen,

purzeln, walten sinnlos,

es hallt, hallt, hallt.

Ich habe Angst.

so viel Angst.

 

Ich renne schnell und schneller,

sie kommen nah und näher,

sie lächeln, breit und breiter.

Ich habe Angst,

so viel Angst.

 

Sie kreisen mich ein.

Immer enger.

Ich möchte schreien,

Ich habe Angst,

so viel Angst.

 

Sie umarmen mich.

So liebevoll, fast zärtlich.

Ich wache auf.

Ich habe Angst,

so viel Angst.

Die welken Blätter

Blätter, welk, liegen auf dem Boden,

sie fielen vor langer Zeit,

sie fielen eben von droben,

die welken Blätter auf dem Boden.

 

Sie lebten bis eben,

sie starben vor langer Zeit,

die welken Blätter auf dem Boden,

die fielen, wann, von droben.

 

Einst aus einer Knospe erwachsen

grün, satt und hell, schwangen

sie lebendig schaukelnd,

schwangen sie schnell im Wind.

 

Ehe sie schwebten,

wann,

von droben

ehe sie lagen,

dann,

auf dem Boden

die welken Blätter.

Die sieben Wege

Ich sitze auf einer Bank

an einer Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinein,

sie führen hinaus.

 

Die Bäume schützen

vor dem prasselnden Regen,

vereinzelt finden Tropfen

ihren Weg durch dieses

nicht ganz dichte Dach,

wandern auf den Blättern,

fallen von den Blättern.

Auf mich herab.

Immer wieder.

Und doch harre ich aus.

Bis der Regen geht.

Bis die Sonne heraus

kommt.

 

Ich sitze auf dieser Bank

an dieser Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinaus,

sie führen hinein.

Ein Regentropfen

Schwankender Regen stammend

aus einem Spiel

unmittelbar

der stürmenden

Luft mit dem fallenden Wasser

und mittelbar

dem spuckenden Feuer und der

blauen Erde

sitzt

zunächst als einzelner Tropfen

auf meinem Brillenglas,

durchsichtig, einsam und

allein

bis er fließt

sich mal verirrt und mal vereint,

glücklich zusammen

oft mit einem oder zweien,

selten gar mit dreien,

sodann sich trennt,

schließlich entzweit,

sodann

mit aller Ehrlichkeit

am Ende hängt am Rande

und schließlich fällt

wieder als einzelner Tropfen

alleine und durchsichtig

gen Erde.

Amsel und Spatz

Eine Amsel singt auf dem Dach,

ein Spatz hüpft hierzu im Takt

von Ast zu Ast der

gegenüberliegenden Lärche,

seine leichte Last biegt deren

Äste seicht gen Erde,

wie stark diese dennoch

zurück gen Himmel federn

überrascht

ebenso, dass fast synchron

Amsel und Spatz

kurze Zeit später

ihren jeweiligen Platz aufgeben

und fort fliegen, gemeinsam

nur ich bleibe

allein, nicht einsam,

zwischen Dach und Lärche

an meinem Ort,

jenem vertrauten Balkon,

der einem Aste gleich

vom Stamm entzweiend

in die Lüfte reicht

im Frühling langsam erwacht,

im Herbst allmählich ausruht,

im Sommer gesellig lebt,

im Winter einsam steht.

Könnte ich fliegen, würde ich folgen,

nur wem, Amsel oder Spatz,

könnte ich womöglich

nicht entscheiden,

würde ich also doch bleiben?

Nein, meine Neugier würde mich treiben,

im Wechsel aufschlagend,

abschlagend und gleitend

würde ich nachreisen

so weit, so lang Amsel und Spatz

noch eng zusammen flögen,

bis sie sich trennten,

dort würde ich halten,

dort würde ich die bestehenden Strömungen

mit leichten Bewegungen ausgleichen,

dort würde ich liegend stehen, schwebend wehen,

bis ich Amsel und Spatz irgendwann

nicht mehr sehen könnte,

sie würden endgültig entschwunden sein.

Die Ruderer und die Brücke

Der Regen kam überraschend

und so warten die Ruderer

unter der Brücke in Reih und Glied,

bis das Unwetter vorüber zieht.

 

Vor ihnen der prasselnde Regen, hinter ihnen auch,

über ihnen die schützende Brücke, auf der

ein Passant genüsslich seine Zigarette raucht

und gemütlich aufs Wasser schaut.

 

Es scheint, der Regen komme ihm

nicht ungelegen, so gelassen er dort steht,

als sei nichts, wäre nichts gewesen,

während es auf ihn niederschlägt.

 

Sein Blick, der nicht sucht, findet,

wie friedvoll das Wasser sich verbindet,

das fallende mit dem fließenden,

ein Kreis läuft in den nächsten.

 

Wer wo anfängt, wer wo aufhört,

ist nicht mehr zu entdecken,

während die Ruderer sich

nach wie vor verstecken.

Die Seifenblase am See

Ich sitze am Ufer eines Sees

verfolge eine Seifenblase, die

über dem Gewässer schwebt,

ehe sie an Höhe verliert,

mit dem Wasser kollidiert,

leicht emporsteigt,

niedersinkt,

dieses Mal keine Kollision,

ein Tanz, ein Kuss, eine Verbindung,

gleich gleitet sie auf dem Wasser,

gleich verschwindet sie zur Hälfte,

nur ein Halbkreis noch zu sehen,

der mit der Strömung fließt,

wie eine Glocke aus Glas,

jetzt nicht mehr zu sehen.

Der Tollkühne

Er läuft in Richtung Klippe,

das Seil, geknotet um einen Baum,

fest in seinen Händen,

er wird doch nicht springen?

 

Er springt, weit raus,

er schwingt hinaus,

unter ihm nur Luft,

dann nichts, dann Wasser.

 

Nur eines ist gewiss,

reißt das Seil oder lässt er es los,

es wär sein Tod, das Wasser gleicht

aus dieser Höhe Stein.

 

Ich frage mich: „Muss das sein?“.

So ohne Not. Das Spiel mit dem Tod.

Ob er nicht anders will?

Ob er nicht anders kann?

 

Welch ein Glück das Seil hält,

er lässt nicht los

und schwingt elegant

zurück an Land.

Die Lichter der Abenddämmerung

Unter mir die Lichter der Stadt.

 

Der geschlossenen Geschäfte, die heute

kein Ziel mehr sein werden,

vielleicht morgen, die werben

mit großen weißen leuchtenden Lettern.

 

Der fahrenden Autos, die ein Stück

der Straße erleuchten, immer ein anderes,

eine helle Leuchtspur erschaffend, die sie

auf der dunklen Fahrbahn zum Ziel geleitet.

 

Der stehenden Straßenlaternen, die ein Stück

des Weges erhellen, immer dasselbe,

wartend auf einen Passanten, der die hellen Stücke

zu einem Weg zusammenfügt bis zu seinem Ziel.

 

Der wechselnden Wohnungen, die als Ziel

scheinen, es vorübergehend auch sind,

zumindest für die heutige Nacht,

den morgigen Tag, das kommende Jahr.

 

Über mir die Lichter nach der Sonne.

 

Der zarte Himmel

leuchtet hell in blau,

am Horizont in grau,

in lila und in gelb.

 

Es ist das gestreute Restlicht der

untergegangenen Sonne, das sein Ziel

noch findet, ehe es in ein paar Minuten

restlos verschwindet.

 

Gleich ist Dunkelheit,

die Sonnenstrahlen wandern vorbei

an diesem Teil der Erde

bis ans Ende aller Zeit.

 

In mir das Licht.

 

Das leuchtet.

Nach unten

wie nach oben.

Ohne Ziel.

 

Das leuchtet.

Nach innen.

Unsichtbar.

So hell.

Über einen sorglosen Menschen

Es war einmal ein Mensch,

der hatte keine Sorgen.

Er war ein neugieriger Mann,

drum nahm er dankend

die Sorgen seiner Freunde an.

Es dauerte nicht lang,

bis er verstand,

warum man auf Sorgen

getrost verzichten kann.

Drum bat er seine Freunde

an einem frühen Morgen

um die Rücknahme der Sorgen.

Die Bekannten lehnten dankend ab,

für die alten Sorgen hätten sie kein Platz,

sie hätten sehr zu leiden unter der Last

neuer Sorgen, die alten solle der neugierige Mann

daher tunlichst selbst entsorgen.

Das Problem war,

er wusste nicht, wie,

da half ihm nur noch eine Therapie.

Manchmal

Manchmal würd ich gerne springen

mit vollem Anlauf in den Tag,

Manchmal würd ich gerne ringen,

mit dem Schicksal und dem Tag.

Manchmal würd ich gern vergessen

alles Wissen, das ich hab.

Manchmal würd ich gerne wissen,

was ich alles schon vergaß.

Manchmal würd ich gerne liegen,

den ganzen Tag im hohen Gras.

Manchmal würd ich gerne fliegen,

von der Erde bis zum Mars.

Graugänse in der Abenddämmerung

Graugänse landen schnatternd

Flügel schlagend

im pastellfarbenen Wasser

der Abenddämmerung,

schwimmen an gegen den Strom,

ruhen aus,

treiben dann mit dem Strom.

 

Graugänsen steigen schnatternd

Flügel schlagend auf

aus dem pastellfarbenen Wasser

der Abenddämmerung,

schweben dem Tagesende entgegen,

die Sonne ist gegangen,

der Mond noch nicht gekommen.