Der Blumenstrauß

Die Menschen kommen nach Haus

von der Arbeit nach dem Einkauf

was der Abend bringen mag

ob jemand auf sie wartet

nach diesem langen Tag

trägt die junge Frau

gelbe Blumen heim

er läuft in sie hinein

auf dem breiten Bürgersteig

sein Blick gerichtet nach oben

diese wunderbare Färbung

seine blauen Blumen

verteilt auf dem Boden

ihre gelben ebenfalls

gleichwohl lacht sie laut auf

und formt strahlend

einen leuchtend

blau-gelben

Strauß.

Atem der Verbundenheit

Ich liege verdeckt

im hoch geschossenen Gras

die Beine ausgestreckt

die Arme von mir gestreckt

mit geschlossenen Augenlidern

von innen rötlich gelb

das grelle Sonnenlicht wärmt

wie der weiche Boden

unter meinem Körper wiegt

leicht nachgibt

kitzelt der Atem der Natur

Verbundenheit

keine Grenze über mir

wach ich oder träum ich

zieht es mich empor

als würd‘ ich schweben

auf dem Rücken liegend

die Handflächen nach oben.

Die hinabstürzenden Tauben

Wie ein breiter Bach jener flache Fluss

hinüber führt diese alte Brücke

auf ihr stehen schiefe Häuser

schließen ohne jede Lücke

von dem höchsten Dach

stürzt eine erste Taube steil hinab

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

stürmt erneut hin

aufs höchste Dach

gurrt und schaut hin

ab mit Genuss in

Richtung Fluss

fängt fein sich auf

fängt fein sich ab

nun tut eine zweite Taube es gleich

derweil kühl ich meine Füße seicht

watend im flachen Fluss

und schaue mit Bedacht

hoch zum höchsten Dach

zu den hinabstürzenden Tauben.

Podcast – Folgen 4 und 5 – Die spiegelnde Natur

Moin,

zwei neue Folgen meines Podcasts sind online.

Folge 4:

 

Folge 5:

Nicht wie versprochen am Donnerstag der letzten Woche, nicht einmal am gestrigen Donnerstag. Also doppelte Verspätung. Sorry. Aber dafür gibt es nun auch eine doppelte Folge. Und wieder up to date.

Yeah!

Worum es in den Podcasts ungefähr geht:

Ich trage die Gedichte der letzten zwei Wochen vor. Kennt der aufmerksame Leser zwar vom Blog, aber nicht so. Und eine Frage stelle ich euch jeweils auch noch. Also reinhören.

Danke.

Tue es gut!

Euer

Fritz Sebastian Konka

Vom sehnsüchtigen Fisch

Es war einmal ein Fisch

der war sehr sehnsüchtig

er wollte gerne fliegen

drum fing er an zu üben.

Bald verschwamm das Meer

denn nun verbrachte er

die Zeit gänzlich in der Luft

berauscht von all dem Duft.

Zum Vogel war er dann geworden

doch der Fisch in ihm nicht gestorben

er sehnte sich zurück von oben

zurück auf den Meeresboden.

Über allen, der Himmel, weich

Ein Sommerabend zwischen neun und zehn

aus offenen Fenstern weh‘n

Fernsehgeräusche

mahnende Worte

und Zigarettenrauch

vom Balkon gegenüber

schaut ein Mann

zu mir herüber,

Blicke treffen sich,

ich hab ihn lang nicht mehr geseh‘n,

und wenden sich ab

zu zwei Vögeln, die fliegen davon,

begleitet vom Gesang ihrer Artgenossen,

im Hintergrund Motorengeräusche,

das Rauschen der Straße,

die Geräusche einer Feile,

über allen, der Himmel, weich.

Rote Blätter einer Buche

Rote Blätter einer Buche

hängen tief herab,

streben gen Erde

mit sanfter Schwere

schaukeln vor und zurück,

unter ihnen das hohe Gras,

das ebenfalls im Winde wiegt,

das gen Himmel sieht,

sehnsüchtig nach Verbindung,

säße ich nicht hier,

stünde ich dort

im hohen Gras,

reckte mich,

auf nackten Zehenspitzen,

streckte mich,

so hoch ich könnte,

erreichte ich mit einer Hand

und letzter Kraft

vielleicht

einen Ast

und

seine Blätter.

Ein Baum

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

stets war ich vorbeigefahren.

Letzte Woche hielt ich an,

widmete mich seiner ganz,

fragte mich, wie alt er ist,

warum er wohl am Leben ist.

Ich ging um ihn herum,

lehnte mich an seinen Stamm,

klopfte sacht und schaute

aufmerksam an ihm entlang

bis zu seiner Krone,

fühlte seine Blätter,

sie waren nass und warm.

Ich trat ganz nah an ihn heran,

und näher, nahm ihn in meinen Arm,

meinen Atem warf er mir zurück,

ich setzte mich zu seinem Fuße,

verabschiedete mich mit einem Gruße,

winkte und wünschte Glück.

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

heute bin ich vorbeigefahren.

Podcast – Folge 3 – Wenn die Gedanken frei sind

Moin,

mein dritter Podcast ist online:

 

Wie versprochen am Donnerstag. Gefeiert muss das werden, also:

Yippie, yeah!!!

In dem Podcast passiert nicht viel, kennt ihr ja, aber was passiert?

Das:

Ich stelle euch eine Frage – Vorsicht das Thema des Podcasts spoilert – und trage fünf meiner Gedichte vor („Wenn ich fühle, wenn ich denke“, „Wie am ersten Tag“, „Ein ruhiger Moment“, „Mein Kern“ und „Bittersüßer Übergang).

 

Und ihr jetzt alle so:

Kenn ich doch alle schon!

Und ich jetzt so:

Ja, aber nicht so!

Und ihr jetzt alle so:

Kenn ich alle noch nicht.

Und ich jetzt so:

Na dann!

 

Mache ich nun also tatsächlich wöchentlich, dieses Podcast-Dings.

 

Danke! Danke! Tut es gut!

Euer

Fritz Sebastian Konka

Mein Kern

Zu meinem Kern ist es noch weit,

er ist verletzlich, zart und weich,

ich spür‘, ich bin ihm nah,

wenn ich vor einer Pusteblume steh‘,

die sich im Winde neigt und hebt,

bei dir ich bleib‘, dich ich nicht brech‘,

weil es mich schmerzt, dir ich versprech‘,

ich lass‘ dich stehen, wie du bist,

ich lass‘ dich gehen, wie du bist,

im Winde lass‘ ich dich verwehen.

Ein Geheimnis (2007)

Zum ersten Mal sah ich Augen wie die seinen,

ein unergründliches dunkelbraunes Schwarz,

umwoben von einem Geheimnis,

das ich nicht zu erschließen vermochte,

spürte ich die keimende Trauer,

die langsam gen Seele tropfte.

In der Tiefe schlummerten Tränen,

die vermögten über Nacht,

ein kleines Rinnsal zu verwandeln

in einem reißenden Bach.

Ich hörte sie sagen:

„Niemand kann ihm folgen,

er ist bereits auf dem Weg,

nur der Hüter kann sehen,

was du nicht verstehst.“

Da wünschte ich mir,

lastete seine Schwere doch auf mir,

sie nimmt ihn mit hinab,

an mir prellte sie ab.

Und schon schwappten Tränen und Trauer

Hand in Hand über den Rand,

rissen es mit, trugen es fort,

an den letzten unbekannten Ort.

Du bist nicht deine Gedanken

Wenn du in Gedanken bist,

wo bist du dann?

Nicht hier bei mir,

mahnt sie ab und an,

wenn du in Gedanken bist.

Fragst du dich, warum du fliehst?

warum deine Gedanken dich

von hier wegzieh‘n?

Wenn nicht, frage ich.

Weil es nunmal so ist,

weil es ist, wie es ist.

Ja, es ist, wie es ist, erwidert sie,

aber deine Gedanken sind nicht,

du bist und nur

hier bei mir,

wenn du nicht in Gedanken bist.

Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Moin,

mein erster Podcast ist online. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.

Yippie, yippie, yeah, yeah, yeah!!!

Oder was meint ihr?

Ich trage unter anderem drei meiner Gedichte („Pusteblumen“, „Tanz mit der Angst“ sowie „Gedankenkreise“) vor und erzähle etwas zu ihnen.

Will ich nun wöchentlich machen.

Einfach hier klicken:

Fritz Sebastian Konka · Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Danke fürs lesen, hören, kommentieren liken und kritisieren.

Euer

Fritz Sebastian Konka

Alter Wegbegleiter

Nicht mehr gewartet

zu lang die Spanne

als dass

vergessen, versunken, verschüttet

hinabgesunken ins Ungewisse

vergraben unter neuem und alten

umgeben von

ähnlichen Ungleichen

und dann irgendwann

nach Zeit, all der Zeit

anders so vertraut

erklingt

diese wohlbekannte Stimme

jetzt

jenes verlorenen Wegbegleiters

der nie verloren war

hinein ins Herz

trägt mich zurück

nach vorn

ins hier

mit neuen Worten

an das Ufer

dieses tiefen Sees.

Die Ruhe der Gedanken

Manchmal fällt mir nicht ein

Gedanke ein,

dann suche ich, doch

finde keinen Reim.

Manchmal findet ein

Gedanke mich,

ohne, dass ich suche

scheinbar aus dem Nichts.

Manchmal frag ich nicht,

woher er kommt, und

schreib ihn auf

ob Tag, ob Nacht

nehm ich ihn ernst und auf.

Manchmal frag ich nach

seinem Grund und

grübel länger nach,

ob ich versteh,

welch Gefühl

dahinterstehen mag.

Manchmal schieb ich

ihn zur Seite, hör ihm

nicht einmal zu,

stets kommt er dann wieder,

manchmal erst nach Jahren,

er will seine Ruh.

Leben und Momente

Wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nicht will, nur bin,

wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nicht will, nur bin.

Wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nur sitz und schau,

wie erfüllend solch Momente sind,

wenn ich nur sitz und schau.

Wenn ich mit mir alleine scheine,

verbunden bin mit allem Sein,

wenn ich mit mir alleine scheine,

verbunden bin mit allem Sein.

Wenn ich es nicht anders wünsche,

anders wünsche als es ist,

wenn ich es nicht anders wünsche,

anders wünsche als es ist,

wie wundervoll

mein Leben ist.

Blatt an Ast an Baum

Ich sitze

rückwärtsgewandt

am offenen Fenster,

kalte Morgenluft strömt herein,

Vogelgesang,

im Spiegel der Ausschnitt

eines Baumes

zwischen Wurzel und Krone

biegen sich Äste,

der Stamm ist nicht zu sehen,

zittern Gäste,

immer ähnlich, niemals gleich

stets im selben Raum,

unversehens,

mal ein Knirschen,

Blatt an Ast an Baum.

Fließende Ruhe

Ich blicke auf die grünen Hügel der Vogesen,

Nebel steigt aus dem Tal herauf,

an die Scheiben peitscht der Regen.

Der Ofen wärmt, die Vögel zwitschern,

ich denke, an das Plätschern des Rheins,

an die Natur als Spiegel meines Seins.

Wie die Flüße fließen,

wie die Wolken ziehen,

wie die Hügel im Nebel verschwinden,

wie die Vögel weiterziehen.

So klar und so bewusst,

breitet sich in mir die Einsicht aus,

wahre Ruhe ist stets im Fluß.

Alle sind wer

Vom Hügel ist die nächste

Senke schon zu sehen,

eben noch stand er am höchsten,

bald ist er nicht mehr zu sehen.

Das Kornfeld leuchtet golden

vor dem blauen Meer,

die Kühe grasen auf der Weide,

niemand ist hier wer.

Aus der Senke ist der nächste

Hügel schon zu sehen,

eben noch stand er am tiefsten,

bald ist er von überall zu sehen.

Zusammen

Er sieht sie von Weiten.

Sie ist verloren in Einzelheiten.

Er winkt und ruft.

Sie schaut und sucht.

Gefunden.

Er läuft auf sie zu.

Sie erwartet ihn in Ruh

mit ausgebreiteten Armen

freudestrahlend.

Nun ist sie nah,

er ist fast da.

Kein Gedanke.

Ein Gedanke.

Er springt.

Aus vollem Lauf.

Mit voller Kraft.

Mit allem, was er hat.

Sie fängt ihn auf.

Sie fallen sanft,

er in ihren Armen.

Ein letzter Blick aufs Meer

Und das Schiff verlässt den Hafen,

wehmütige Freude

Möwen sitzen auf den Steinen

sehnsuchtsvolles Warten.

Die Sonne scheint, es regnet,

Tropfen fallen schwer.

die Möwen kreisen einen Bogen,

eine nur fliegt hinterher.

Eine Mutter klettert mutig

auf den Steinen bei starkem Wind

sie hält ängstlich an der Hand

ein vor Freude jauchzendes Kind.

Am Horizont verschwunden

der Kaffee auch fast leer,

ach, wären sie nur ungebunden,

ein letzter Blick aufs weite Meer.

Dieser schmale Pfad

Er wandert auf diesem schmalen Pfad,

der führt hindurch das hohe Gras,

in dem sie auf dem Rücken liegt

und in die Sonne sieht,

mit ausgestreckten Armen und

ausgestreckten Beinen.

Er geht an ihr vorüber,

ohne sie zu erblicken,

sie summt mit geschlossenen Lidern

seine Lieblingsmelodie,

gedankenverloren

schaut er in die Weite.

Jahre vergehen,

da geht er wieder diesen Weg,

er hört das Summen,

sie sieht, wie er dort steht.

Von einem Traum

In einer Höhle,

es ist finster,

stockfinster.

Ich habe Angst,

so viel Angst.

 

Verzerrte Gestalten tanzen,

purzeln, walten sinnlos,

es hallt, hallt, hallt.

Ich habe Angst.

so viel Angst.

 

Ich renne schnell und schneller,

sie kommen nah und näher,

sie lächeln, breit und breiter.

Ich habe Angst,

so viel Angst.

 

Sie kreisen mich ein.

Immer enger.

Ich möchte schreien,

Ich habe Angst,

so viel Angst.

 

Sie umarmen mich.

So liebevoll, fast zärtlich.

Ich wache auf.

Ich habe Angst,

so viel Angst.

Die welken Blätter

Blätter, welk, liegen auf dem Boden,

sie fielen vor langer Zeit,

sie fielen eben von droben,

die welken Blätter auf dem Boden.

 

Sie lebten bis eben,

sie starben vor langer Zeit,

die welken Blätter auf dem Boden,

die fielen, wann, von droben.

 

Einst aus einer Knospe erwachsen

grün, satt und hell, schwangen

sie lebendig schaukelnd,

schwangen sie schnell im Wind.

 

Ehe sie schwebten,

wann,

von droben

ehe sie lagen,

dann,

auf dem Boden

die welken Blätter.

Die sieben Wege

Ich sitze auf einer Bank

an einer Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinein,

sie führen hinaus.

 

Die Bäume schützen

vor dem prasselnden Regen,

vereinzelt finden Tropfen

ihren Weg durch dieses

nicht ganz dichte Dach,

wandern auf den Blättern,

fallen von den Blättern.

Auf mich herab.

Immer wieder.

Und doch harre ich aus.

Bis der Regen geht.

Bis die Sonne heraus

kommt.

 

Ich sitze auf dieser Bank

an dieser Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinaus,

sie führen hinein.

Ein Regentropfen

Schwankender Regen stammend

aus einem Spiel

unmittelbar

der stürmenden

Luft mit dem fallenden Wasser

und mittelbar

dem spuckenden Feuer und der

blauen Erde

sitzt

zunächst als einzelner Tropfen

auf meinem Brillenglas,

durchsichtig, einsam und

allein

bis er fließt

sich mal verirrt und mal vereint,

glücklich zusammen

oft mit einem oder zweien,

selten gar mit dreien,

sodann sich trennt,

schließlich entzweit,

sodann

mit aller Ehrlichkeit

am Ende hängt am Rande

und schließlich fällt

wieder als einzelner Tropfen

alleine und durchsichtig

gen Erde.

Amsel und Spatz

Eine Amsel singt auf dem Dach,

ein Spatz hüpft hierzu im Takt

von Ast zu Ast der

gegenüberliegenden Lärche,

seine leichte Last biegt deren

Äste seicht gen Erde,

wie stark diese dennoch

zurück gen Himmel federn

überrascht

ebenso, dass fast synchron

Amsel und Spatz

kurze Zeit später

ihren jeweiligen Platz aufgeben

und fort fliegen, gemeinsam

nur ich bleibe

allein, nicht einsam,

zwischen Dach und Lärche

an meinem Ort,

jenem vertrauten Balkon,

der einem Aste gleich

vom Stamm entzweiend

in die Lüfte reicht

im Frühling langsam erwacht,

im Herbst allmählich ausruht,

im Sommer gesellig lebt,

im Winter einsam steht.

Könnte ich fliegen, würde ich folgen,

nur wem, Amsel oder Spatz,

könnte ich womöglich

nicht entscheiden,

würde ich also doch bleiben?

Nein, meine Neugier würde mich treiben,

im Wechsel aufschlagend,

abschlagend und gleitend

würde ich nachreisen

so weit, so lang Amsel und Spatz

noch eng zusammen flögen,

bis sie sich trennten,

dort würde ich halten,

dort würde ich die bestehenden Strömungen

mit leichten Bewegungen ausgleichen,

dort würde ich liegend stehen, schwebend wehen,

bis ich Amsel und Spatz irgendwann

nicht mehr sehen könnte,

sie würden endgültig entschwunden sein.

Die Ruderer und die Brücke

Der Regen kam überraschend

und so warten die Ruderer

unter der Brücke in Reih und Glied,

bis das Unwetter vorüber zieht.

 

Vor ihnen der prasselnde Regen, hinter ihnen auch,

über ihnen die schützende Brücke, auf der

ein Passant genüsslich seine Zigarette raucht

und gemütlich aufs Wasser schaut.

 

Es scheint, der Regen komme ihm

nicht ungelegen, so gelassen er dort steht,

als sei nichts, wäre nichts gewesen,

während es auf ihn niederschlägt.

 

Sein Blick, der nicht sucht, findet,

wie friedvoll das Wasser sich verbindet,

das fallende mit dem fließenden,

ein Kreis läuft in den nächsten.

 

Wer wo anfängt, wer wo aufhört,

ist nicht mehr zu entdecken,

während die Ruderer sich

nach wie vor verstecken.

Die Seifenblase am See

Ich sitze am Ufer eines Sees

verfolge eine Seifenblase, die

über dem Gewässer schwebt,

ehe sie an Höhe verliert,

mit dem Wasser kollidiert,

leicht emporsteigt,

niedersinkt,

dieses Mal keine Kollision,

ein Tanz, ein Kuss, eine Verbindung,

gleich gleitet sie auf dem Wasser,

gleich verschwindet sie zur Hälfte,

nur ein Halbkreis noch zu sehen,

der mit der Strömung fließt,

wie eine Glocke aus Glas,

jetzt nicht mehr zu sehen.

Der Tollkühne

Er läuft in Richtung Klippe,

das Seil, geknotet um einen Baum,

fest in seinen Händen,

er wird doch nicht springen?

 

Er springt, weit raus,

er schwingt hinaus,

unter ihm nur Luft,

dann nichts, dann Wasser.

 

Nur eines ist gewiss,

reißt das Seil oder lässt er es los,

es wär sein Tod, das Wasser gleicht

aus dieser Höhe Stein.

 

Ich frage mich: „Muss das sein?“.

So ohne Not. Das Spiel mit dem Tod.

Ob er nicht anders will?

Ob er nicht anders kann?

 

Welch ein Glück das Seil hält,

er lässt nicht los

und schwingt elegant

zurück an Land.

Die Lichter der Abenddämmerung

Unter mir die Lichter der Stadt.

 

Der geschlossenen Geschäfte, die heute

kein Ziel mehr sein werden,

vielleicht morgen, die werben

mit großen weißen leuchtenden Lettern.

 

Der fahrenden Autos, die ein Stück

der Straße erleuchten, immer ein anderes,

eine helle Leuchtspur erschaffend, die sie

auf der dunklen Fahrbahn zum Ziel geleitet.

 

Der stehenden Straßenlaternen, die ein Stück

des Weges erhellen, immer dasselbe,

wartend auf einen Passanten, der die hellen Stücke

zu einem Weg zusammenfügt bis zu seinem Ziel.

 

Der wechselnden Wohnungen, die als Ziel

scheinen, es vorübergehend auch sind,

zumindest für die heutige Nacht,

den morgigen Tag, das kommende Jahr.

 

Über mir die Lichter nach der Sonne.

 

Der zarte Himmel

leuchtet hell in blau,

am Horizont in grau,

in lila und in gelb.

 

Es ist das gestreute Restlicht der

untergegangenen Sonne, das sein Ziel

noch findet, ehe es in ein paar Minuten

restlos verschwindet.

 

Gleich ist Dunkelheit,

die Sonnenstrahlen wandern vorbei

an diesem Teil der Erde

bis ans Ende aller Zeit.

 

In mir das Licht.

 

Das leuchtet.

Nach unten

wie nach oben.

Ohne Ziel.

 

Das leuchtet.

Nach innen.

Unsichtbar.

So hell.

Über einen sorglosen Menschen

Es war einmal ein Mensch,

der hatte keine Sorgen.

Er war ein neugieriger Mann,

drum nahm er dankend

die Sorgen seiner Freunde an.

Es dauerte nicht lang,

bis er verstand,

warum man auf Sorgen

getrost verzichten kann.

Drum bat er seine Freunde

an einem frühen Morgen

um die Rücknahme der Sorgen.

Die Bekannten lehnten dankend ab,

für die alten Sorgen hätten sie kein Platz,

sie hätten sehr zu leiden unter der Last

neuer Sorgen, die alten solle der neugierige Mann

daher tunlichst selbst entsorgen.

Das Problem war,

er wusste nicht, wie,

da half ihm nur noch eine Therapie.

Manchmal

Manchmal würd ich gerne springen

mit vollem Anlauf in den Tag,

Manchmal würd ich gerne ringen,

mit dem Schicksal und dem Tag.

Manchmal würd ich gern vergessen

alles Wissen, das ich hab.

Manchmal würd ich gerne wissen,

was ich alles schon vergaß.

Manchmal würd ich gerne liegen,

den ganzen Tag im hohen Gras.

Manchmal würd ich gerne fliegen,

von der Erde bis zum Mars.

Der Anfang oder das Ende

Er sitzt jeden Tag zur selben Zeit

allein auf der Bank im Park,

weil sie dann ihren

Abendspaziergang macht.

Als sie sich nähert,

er sieht sie bereits in der Ferne,

wie selbstbewusst sie geht,

fährt er sich unbewusst mit der

Hand durchs Haar.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt er sie schüchtern an,

schon ist sie vorbeigegangen.

Mit ihr der schönste Moment

seines Tages.

Er sagt sich:

„Spricht sie mich morgen nicht an,

setze ich mich nicht mehr

auf diese Bank. Ich kann

nicht nur für ihr Lächeln leben.

So wunderbar es auch sein mag.“

 

Sie macht auch morgen,

wie jeden Tag,

zur selben Zeit,

ihren Abendspaziergang,

weil er dann auf der

Bank im Park sitzt.

Sie sieht ihn bereits aus der Ferne,

wie gelassen er dort sitzt.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt sie ihn an, offener denn je,

schon ist sie vorbeigegangen.

Und damit der schönste Moment

ihres Tages.

Sie sagt sich:

„Morgen spreche ich ihn an. Es

war ein Lächeln, da bin ich mir sicher.

Er scheint schlicht schüchtern.

Wie er sich mit der Hand durchs Haar fährt.

Das mag ich. Sehr.“

Im Freibad

Eine rote und eine blaue Fahne

wehen im weichen Wind.

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

 

Ich lieg im Schatten auf einer blauen Liege,

die rote Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die blaue Fahne dreht sich um den Mast,

Das Kind erwacht mit einem Lachen,

die rote Fahne weiter schlaff

die Fliege kitzelt meinen Nacken.

 

Ich liege in der Sonne auf einer roten Liege,

die blaue Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die rote Fahne dreht sich um den Mast,

Das wache Kind sorgt für Verzücken, 

die blaue Fahne weiter schlaff,

die Fliege kitzelt meinen Rücken.

 

Die rote Fahne und die blaue

wehen im weichen Wind,

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

Die rote Gondel

Auf einem kleinen Hügel 

steht 

eine rote Gondel,

allein, nicht einsam.

 

Weite Sicht, der Blick 

dreht, 

in absoluter Stille, 

kein Wind weht.

 

Vor dem Hügel und daneben

liegt 

in idyllischem Gewand das Land; 

flach, grün, menschenleer.

 

Hinter dem Hügel, fast verblaut, 

liegt

eine Siedlung,

verlassen und grau.

 

Mit verbauten

Plattenbauten, davor

steht 

erhaben ein altes Riesenrad.

 

Das sich seit Jahren

nicht mehr

dreht.

Selbst wenn der Wind

 

noch so stark weht,

bewegt

es sich nicht. Anders die roten Gondeln.

Sie quietschen dann im Wind.

 

Bis auf eine. 

An einem helllichten Tag

An einem helllichten Tag

lieg’ ich im hohen Gras,

ich schließe meine Augen.

Ein Gedanke fließt vorbei

an diesem heißen Tag

ich würd‘ ihm so gern glauben.

 

Ich liege nicht allein,

ich liege hier zu zweit,

schweigend der

Unendlichkeit entgegen.

 

Reden hieße Worte

Schweigen versetzt Orte,

vom hohen Gras Hand in

Hand in die Nacht zum Elbstrand.

 

Nackte Füße im Sand,

in den Ohren polternde Container,

in den Händen die wärmende Welt,

in den Augen leuchtende Lichter,

Trost und Sehnsucht spendend.

 

Schiffe senden ein letzten Gruß,

verabschieden sich dann schweigend,

schwimmen der Unendlichkeit entgegen,

sehnend nach Meerleben.

 

Ich liege dort allein,

ich liege nicht zu zweit,

schweigend der

Unendlichkeit entgegen.

 

An einem dunklen Tag

lieg’ ich im tiefen Sand,

ich schließe meine Augen.

Ein Gedanke fließt vorbei

an diesem kalten Tag

ich würd‘ ihm so gern glauben.

Ein Zyklus

Ein Tag fließt dahin,

läuft wie die Welle 

eines stillen Sees

geräuschlos aus,

kein Brausen, kein Tösen.

 

Kein Fazit.

 

Obwohl ich nur 

Andeutungen, keine 

Umsetzungen fand, 

als ich sehnend suchte

in den Höhen 

in den Tiefen 

meines Innern,

nach den Räumen,

die dort flimmern, 

ob sie vermögen 

ein lichterlohes Feuer

zu entfachen,

nach den Begrenzungen,

die dort wachen,

nach den un- und ausgeschöpften

Möglichkeiten.

 

Kein Fazit.

 

Ich werde weiter suchen 

und weiter. 

 

Kein Fazit.

 

Obwohl ich ahne,

die Suche wird nicht enden. 

Niemals dürfte am Ende eines 

Tages ein Fazit stehen,

wahrscheinlich nicht

einmal am Ende 

eines Lebens.

Schließlich bleibt

der Startpunkt, die Weite

eines jeden Weges unbekannt,

Eltern und Ahnen 

übergaben unerkannt 

im endlosen Staffellauf 

der Zeit.

 

Kein Fazit. 

 

Meine Suche dennoch 

nicht vergebens. 

Sie deckt auf und wieder zu,

ruht aus, braust auf,

bis ans Ende meines Lebens,

das nie zu Ende ist,

bis ans Ende meines Lebens

das kein Ende ist,

Seifenblasen

Kinder

jauchzen, lachen, 

klatschen.

Sie jagen

Seifenblasen.

Wie diese fliegen,

wirbeln im Wind

geschwind 

die Flugrichtung

ändern,

durchsichtig

im Licht

Farben

wechseln,

bis sie platzen,

zuerst die großen,

dann die kleinen,

unvermittelt fallen

zu Boden

als Tropfen.

Dort liegen,

vergangen

ihr Moment,

ungesehen

vergehen.

Schon fliegen

neue 

Seifenblasen,

Kinder jauchzen,

lachen,

klatschen.

Liebevoll, dunkel, tief

Ich lehn an einem Baum,

es ist schon spät

an einer jungen Eiche.

Ich schweife ab in einen Traum,

es ist schon spät

an dieser alten Eiche.

 

Wie ich wandere, tief in einen Wald,

eine stumme Stille weist den Weg,

gönnt mir keinen Halt.

Eine schwache Stimme spricht:

„Bis zum Schlaf ist es noch weit.

Voran, voran, gönn dir keine Ruh!

Sieh zu! Verliere keine Zeit!“

Es ist einsam, dunkel, kalt.

 

Und ich gehe, tiefer und

tiefer, in diesen Wald,

die stumme Stille weist den Weg,

gönnt mir keinen Halt.

Es ist einsam, dunkel, kalt.

Die schwache Stimme spricht:

„Fast bist du da. Du bist ganz nah! 

Der Schlaf ist nicht mehr weit!

Gleich leg dich hin, gleich ruh dich aus

und nimm dir deine Zeit!“

 

Ich lehn an einem Baum,

es ist schon spät

an einer jungen Eiche.

Ich schweife ab in einen Traum,

es ist schon spät

an dieser alten Eiche.

Zwei Fliegen

Zwei Fliegen haben sich

in meine Küche verirrt,

sie stören mich,

sie stören nicht.

 

Das Küchenfenster

öffnete ich bereits

vor Tagen weit

sie flogen nicht hinaus.

 

Mal liebe ich diese Fliegen,

wie sie sich kaum merklich

auf meiner Haut niederlassen,

kitzelnd herumwandern, sie dann

wieder verlassen.

 

Mal hasse ich diese Fliegen,

wie sie schwirren,

ständig stören,

meine Gewohnheiten

durchqueren.

 

Immer respektiere ich

sie.

Das Vogelnest

Ein Vogel auf der Suche 

nach einem geeigneten Nest

in einem außergewöhnlichen Baum

uneinnehmbar soll es sein,

einer Festung ähneln, 

gemütlich und geräumig auch,

überdies vertraut

nur das Beste 

für seinen baldigen 

Nachwuchs.

 

Bei jedem Flug 

hält er Ausschau

sieht von oben 

viele Nester 

seiner Artgenossen, 

was er sieht, 

genügt ihm nicht, 

zu schlicht und

zu gewöhnlich.

 

Drum zieht er weiter 

seine Kreise, 

größer und größer 

werden sie, 

bis er eines Tages

die Orientierung verliert,

nicht mehr weiß, wie er

zurückkehrt.

 

Aus der Not wird 

eine Tugend und 

ein ganz gewöhnlicher 

Baum in der neuen

zur Heimat.

 

Als uneinnehmbar,

einer Festung gleich, 

gemütlich und geräumig auch,

überdies vertraut,

ist das Nest nun schon lang 

über alle Grenzen

weit bekannt.

Das Kind, der Hügel und der Ball

Ein Kind rollt einen Ball 

den Hügel hoch,

er rollt auf 

der anderen Seite hinunter.

 

Von der anderen Seite rollt 

ein Vater den Ball 

den Hügel hoch,

er rollt zum Kind hinunter.

 

Die Tochter wirft den Ball 

nun über den Hügel

zu Ihrem Vater hinüber, 

der Vater wirft ihr den Ball zurück. 

 

Die Mutter kommt hinzu

nun wirft die Tochter ihr

den Ball zu.

 

Die Mutter rollt den Ball

den Hügel hoch,

der Ball bleibt

auf dem Hügel liegen.

 

Bis der Wind den Ball

abermals zur Tochter trägt.

Sommernachtsregen

Ich sitze am offenen Fenster

kurz vor Ende dieser heißen Sommernacht,

ich erwachte, weil der graublaue Himmel

sich öffnete weit und starken Regen herabschickte

aufs gelbe Gras vor mir, das lechzte

wie auch ich, so auch ich,

der nun statt im Bett zu liegen

mit freiem Oberkörper

und angewinkelten Beinen

an der Fensteröffnung sitzt.

Still stürzende Regentropfen

klopfen sogleich an mein pochendes Herz

wecken Sehnsüchte nach Zärtlichkeit

wie sie kussgleich meinen Körper bedecken

ob seicht spritzend von unten

zurückprallend von der Fensterbank,

ob weich prasselnd von oben

fallend wie von Himmelshand

Schon lässt der Regen nach.

Auf meine hinausgestreckten Arme

fallen nur noch vereinzelt Tropfen hernieder

nun wie Stiche einer unerfüllten Liebe.

Die weiße Feder

Ich schaue vom Deich

hinauf aufs Meer,

dort schiebt eine Fähre

sich langsam Richtung Föhr

gleich ist sie verschwunden.

 

Ich schaue hinunter

eine weiße Feder liegt

zwischen meinen nackten Füßen

auf dem grünen Gras

Ob sie dort eben auch schon lag?

 

Ich bücke mich,

hebe sie auf und

stelle fest, die Feder ist

nur vorne weiß,

hinten ist sie schwarz.

 

Ich lasse sie fallen mit

der schwarzen Seite oben

gleitet sie gen Boden,

und landet direkt zwischen

meinen nackten Füßen

auf dem grünen Gras

die weiße Seite oben.

 

Ich schaue vom Deich

hinauf aufs Meer,

dort schiebt eine Fähre

sich langsam Richtung Föhr

gleich ist sie

Wochenanfänge

Der Montag hat

ein Problem,

dass er am Anfang

der Woche steht.

 

Ob das Problem entfiele,

wenn er anders hieße

Freitag zum Beispiel?

 

Eindeutig „Nein!“

ein anderer Name kann kaum

Problemlöser sein.

 

Ob das Problem entfiele

bei einer anderen

Perspektive?

Ohne Wochenanfang

Kein Wochenende

Wo Ziele sind,

müssen Wege sein.

 

Ähm, nein,

es bleibt das Problem,

dass der Montag am

Wochenanfang steht.

 

Was dann?

Eine Lösung gibt es nicht

Wochenanfänge

sind halt Mist.

Nachbarschaft bei Nacht

Sommernacht

ich bin wach

wandere durch

die Nachbarschaft

vereinzelt brennen Lichter

hinter Fenstern

einsame Gesichter

still und allein

gehe weiter,

bin bald zurück,

schalte an das Licht,

lache heiter,

denn nun sitze ich

ohne Begleiter

bei hellem Licht

still in meinem

Kämmerlein

wie einsam und allein

ich bin es nicht,

ich liebe schlicht

die Stille meiner

Nachbarschaft

bei Nacht

dachte ich,

lache ich