Auf der Fensterbank

Ich sitze auf der Fensterbank

mit einem Kaffee in der Hand

vorbei zieht Rauch

Wind drückt an die Scheibe

trägt mich in mein Elternhaus

wie oft wog er mich dort

in den Schlaf

wie oft trug er mich fort

lag ich wach

wie oft küsste er mich

sacht in die Nacht

trägt mich in meine Studentenstadt

wie ich den Wind

als ständigen Begleiter

im Süden misste

den Gegenwind

der mich kaum

noch kitzelte und küsste

trägt mich an die Nordseeküste.

Eine letzte Erinnerung

Sie sitzt im Rollstuhl am Strand

ein Eis in der rechten Hand

an einem der letzten Sommertage

nachdenkend über meine Frage

sie schaut über die Kieler Förde aufs Meer hinaus

sieht Fähren am Horizont fahren, der Sonne entgegen

wie gerne wäre sie dort, noch lieber zuhaus‘

erzählt schließlich von einer magischen Nacht

wild tanzend hatte sie diese unweit von hier

mit ihrem längst verstorbenen Ehemann verbracht

und lächelt milde

ob sie spürte, es würde unser letztes Treffen sein

während ich in meinem Kaffee rührte

an meinen Opa dachte

ihrem Blick zum Horizont folgte

wo die Schiffe zogen und die Sonne

langsam, ganz langsam

hinter einer Wolke

verschwand?

Das Licht des Leuchtturms

Das Licht des Leuchtturms dreht

verlässlich seine Runden,

als er am Wasser steht

in den frühen Morgenstunden.

Auf nun steigt die Sonne

gemächlich aus dem Meeresblau

auf nun steigt die Sonne

verschwindet bald im Wolkengrau.

Eine Welle höher als die meisten,

trifft ihn im Gesicht,

sie war zu sehen von Weitem,

zu sehen war sie nicht.

Ein letzter Blick aufs Meer

Und das Schiff verlässt den Hafen,

wehmütige Freude

Möwen sitzen auf den Steinen

sehnsuchtsvolles Warten.

Die Sonne scheint, es regnet,

Tropfen fallen schwer.

die Möwen kreisen einen Bogen,

eine nur fliegt hinterher.

Eine Mutter klettert mutig

auf den Steinen bei starkem Wind

sie hält ängstlich an der Hand

ein vor Freude jauchzendes Kind.

Am Horizont verschwunden

der Kaffee auch fast leer,

ach, wären sie nur ungebunden,

ein letzter Blick aufs weite Meer.

Die weiße Feder

Ich schaue vom Deich

hinauf aufs Meer,

dort schiebt eine Fähre

sich langsam Richtung Föhr

gleich ist sie verschwunden.

 

Ich schaue hinunter

eine weiße Feder liegt

zwischen meinen nackten Füßen

auf dem grünen Gras

Ob sie dort eben auch schon lag?

 

Ich bücke mich,

hebe sie auf und

stelle fest, die Feder ist

nur vorne weiß,

hinten ist sie schwarz.

 

Ich lasse sie fallen mit

der schwarzen Seite oben

gleitet sie gen Boden,

und landet direkt zwischen

meinen nackten Füßen

auf dem grünen Gras

die weiße Seite oben.

 

Ich schaue vom Deich

hinauf aufs Meer,

dort schiebt eine Fähre

sich langsam Richtung Föhr

gleich ist sie