Ein Geheimnis (2007)

Zum ersten Mal sah ich Augen wie die seinen,

ein unergründliches dunkelbraunes Schwarz,

umwoben von einem Geheimnis,

das ich nicht zu erschließen vermochte,

spürte ich die keimende Trauer,

die langsam gen Seele tropfte.

In der Tiefe schlummerten Tränen,

die vermögten über Nacht,

ein kleines Rinnsal zu verwandeln

in einem reißenden Bach.

Ich hörte sie sagen:

„Niemand kann ihm folgen,

er ist bereits auf dem Weg,

nur der Hüter kann sehen,

was du nicht verstehst.“

Da wünschte ich mir,

lastete seine Schwere doch auf mir,

sie nimmt ihn mit hinab,

an mir prellte sie ab.

Und schon schwappten Tränen und Trauer

Hand in Hand über den Rand,

rissen es mit, trugen es fort,

an den letzten unbekannten Ort.

Alter Wegbegleiter

Nicht mehr gewartet

zu lang die Spanne

als dass

vergessen, versunken, verschüttet

hinabgesunken ins Ungewisse

vergraben unter neuem und alten

umgeben von

ähnlichen Ungleichen

und dann irgendwann

nach Zeit, all der Zeit

anders so vertraut

erklingt

diese wohlbekannte Stimme

jetzt

jenes verlorenen Wegbegleiters

der nie verloren war

hinein ins Herz

trägt mich zurück

nach vorn

ins hier

mit neuen Worten

an das Ufer

dieses tiefen Sees.

Blatt an Ast an Baum

Ich sitze

rückwärtsgewandt

am offenen Fenster,

kalte Morgenluft strömt herein,

Vogelgesang,

im Spiegel der Ausschnitt

eines Baumes

zwischen Wurzel und Krone

biegen sich Äste,

der Stamm ist nicht zu sehen,

zittern Gäste,

immer ähnlich, niemals gleich

stets im selben Raum,

unversehens,

mal ein Knirschen,

Blatt an Ast an Baum.