Erschöpfung

Du erschöpfst mich

erschöpfe ich

bin erschöpft

vom Ringen

und dem Zwang zu erzwingen

von all den Dingen

die ich nicht

tu für mich

die ich nur

tu für dich

jene Dinge strengen an

strenge ich mich und ringe

doch selbst keine Dinge

strengen angestrengt bin ich

erschöpft vom Ringen

mit mir

erschöpft vom Ringen

mit dir

weil es ist

strengt es mich an

weil du bist

und weil ich bin

erschöpft von meinem Zwang

gegen meinen Willen

die Dinge zu erzwingen

leidenschaftslos durch die Wand

wie strengt es an

strengt es mich so sehr

angestrengt

bin ich

erschöpft

von Dingen

und dem Zwang zu erzwingen

von all dem Ringen

bin ich erschöpft von dir

Ich bin erschöpft von mir.

Die Dunkelheit in mir

Weckt mich auf in tiefer Nacht

liegen meine Gedanken

grübelnd mit mir wach

Ich fürchte mich vor ihr

Dunkel ist es draußen

dunkler tief in mir

dunkel ist es draußen

die Dunkelheit in mir

drängt nach draußen

ich fürchte mich vor ihr

Dunkel ist es draußen

noch dunkler tief in mir

Im Kontakt nach außen

Fließt die Dunkelheit in mir

Über und nach draußen

nimmt Helligkeit von ihr

Drum kann ich nicht ins außen

drum bleib ich stumm in mir

Meid Kontakt nach außen

er weckt die Dunkelheit in mir

Drum will ich nicht ins außen

Drum Schweig ich still in mir

meid Kontakt nach außen

erwacht die Dunkelheit in mir

Drum fürchte ich

den Tag so sehr

drum hängt die Nacht

so schwer an mir

Wie immer ist es zwischen drei und vier

wie immer lieg ich wach

wie immer denk ich nach

wie immer wächst er nach und nach

bis tief nach innen

gräbt er sich hinein

bis nichts mehr

möglich scheint

Schneller dreht es draußen

tiefer drinnen in mir

schneller dreht es draußen

nach innen wächst der Berg in mir

drängt nach draußen

er ist mein und zwar allein

Schneller dreht es draußen

tiefer drinnen in mir

niemand wird ihn je bezwingen

er ist mein und zwar allein

Er verbindet sich mit ihr

der Dunkelheit in mir

Ich fürchte mich vor ihr

Lemkenhafen

Sitz im Strandkorb

bei Sturm und Regen

hat nicht mal fünf Grad

doch mich friert es nicht

weil ich weiß, wie gerne

du das hast und

weil ich weiß, dass

du irgendwann

diese Zeilen liest und

weil ich weiß, dass du

dann meine Gedanken

siehst durch deine und

gleich dich fragst

wie ich mich grad

wann setzt du dich

tatsächlich hier

neben mich

trotz Kälte

Sturm und Regen.

Mit dir

Mit dir

kann ich schweigen

kann ich streiten

kann ich Menschen

besser begreifen

wie du mit mir.

Mit dir

kann ich weinen

kann ich lachen

kann ich unmögliches

möglich machen

und du mit mir.

Mit dir

kann ich ruhen

kann ich rennen

kann ich Wolken

nach Tieren benennen

wie du mit mir.

———

Mit dir

darf ich Dinge

die durfte ich nie

weinen zum Beispiel.

Mit dir

kann ich Dinge

die konnte ich nie

tanzen zum Beispiel.

Mit dir

will ich Dinge

die wollte ich nie

alt werden zum Beispiel.

——-

Mit dir drang ich vor

in unbekannte Sphären

strahlend ergriff ich

Stern nach Stern

ohne zu merken

wie wir uns langsam

weiter und weiter

voneinander entfern‘

der Mond und ich

hätten dir gereicht

hast du mir später gesagt

ach, hätte ich dich doch

damals schon gefragt.

„Niemand-jemand“ jetzt als E-Book & im Buchhandel

Mein erster Gedichtband mit 100 Gedichten aus den Jahren 2019-2021 jetzt nicht mehr nur in meinem Shop, sondern auch überall im Buchhandel erhältlich.

Und zudem als E-Book gerade für den absoluten Aktionspreis von nur 3,99€. Wenn das mal kein fairer Preis ist. Ich freue mich über jede einzelne Bestellung sehr und noch mehr über Rückmeldungen. 🙂

Habt es gut!
Euer
Fskonka

Auf dem Deich

In meinen Träumen kamst du

vor letzter Nacht

schliefen wir zusammen ein

hielten uns wach

in meinen Träumen

saßen wir bei Sturm

auf dem Deich

reichten Blicke weit

und breit kein Mensch

nur die Flut und du

hieltest mich

in meinen Träumen

wach und vor

kamst du letzte Nacht

in Flut und Sturm

stürzten wir uns

erfassten die Wellen

trugen uns hinfort

in meinen Träumen

schmeckte ich Meer wie Salz

und dort deinen Schweiß

auf meiner Haut

in meinen Träumen.

Jemand und du

Mein zweiter Gedichtband ist jetzt im Shop erhältlich.

Er umfasst Gedichte aus den letzten sechs Monaten, dir unter der folgenden übergreifenden Erzählung stehen:

„Jemand ist ein Mittdreißiger. Ist ich. Ist du.

Jemand schreibt Gedichte.

Jemand ist erwachsen. Ist sich entwachsen. Ist sehnsüchtig.

Und reist an Orte. Ist an Orten. Am Morgen. Am Tag.

Am Abend. In der Nacht.

Und trifft Menschen. Sie und dich. Die große Liebe.

Und trennt sich.

Und trifft Menschen. Sie und dich. Liebe auf den ersten Blick.

Und wird getrennt.

Am Abend. In der Nacht.

Und reist an Orte. Ist an Orten. Am Morgen. Am Tag.

Du stellst jemand Fragen. Und dir. Und mir.

Du schenkst jemand Einsichten. Und dir. Und mir.

Du bist mit jemand. Und jemand ist nicht mehr allein.“

Eine (Liebes-)Geschichte von jemand und du. Erzählt in 125 Geschichten und 17 Fragen. Von jemand für dich.

Euer

fskonka

Niemand – jemand

Moin zusammen,

mein erster Gedichtband ist ab sofort im Shop erhältlich.

Dieser Gedichtband erzählt in 100 Gedichten aus den Jahren 2019-2021 die Geschichte von einem nicht ganz normalen Mann. Der immer wieder – teils bewusst, teils unbewusst – die Sicht eines Kindes einnimmt und sich in dem Gefühl ständig auf der Stelle zu treten, weiterentwickelt.

Unterteilt in neun Themenbereiche (1. Von mir, 2. Von der Natur als Spiegel, 3. Von Alltag und Sehnsucht, 4. Von Liebe und Freundschaft, 5. Von Vergänglichem 6. Von Geschichten und Menschen 7. Von der Stadt aus der Stadt, 8. Vom Lockdown – COVID-19, 9. Von zeitgenössischen Gedanken).

Jetzt im Shop direkt hier auf der Seite erhältlich.

Herausgeber: Books on Demand, 1. Edition

Sprache: deutsch

Taschenbuch: 126 Seiten

ISBN-10: 3755785541

ISBN-13: 978-3755785541

Abmessungen: 13,5 x 1.1 x 21,5cm

Viel Freude damit

Euer

fskonka

Labyrinth der Einsamkeit

Nach Jahren treffen wir uns wieder

in meinem Labyrinth der Einsamkeit

wir lieben immer noch dieselben Lieder

tragen uns zurück in die Vergangenheit

wie wir damals unsere Ängste tanzten

jeder für sich, doch nie allein

wie wir damals gegen Wände rannten

auf der Suche nach dem Kern des Seins.

Du reichst mir deine Hand zum Tanz

obwohl ich führe, leitest du mich sanft

an meinen Abgründen entlang

den Gräben meiner Angst.

Ich spüre, du bist dort gewesen

wo ich hin will, werd ich sein

denn mit dir an meiner Seite

kann ich stolpern ohne zu fallen

Wie wir damals unsere Ängste tanzten

jeder für sich, doch nie allein

wie wir damals gegen Wände rannten

auf der Suche nach dem Kern des Seins.

Fantasie

Liebe Fantasten,

was das für ein cooles Projekt von @nato.leipzig (https://www.nato-leipzig.de & https://www.instagram.com/nato.leipzig/?hl=de) ist. Street Poetry at it’s best. Wenn sie nicht zu dir kommen (können), bringen wir es eben zu Ihnen. So ist das nämlich.

Fantasiert euch!

Poetisiert uns!

Schickt Texte!

Wie das geht, findet ihr unter @nato.leipzig (https://www.nato-leipzig.de & https://www.instagram.com/nato.leipzig/?hl=de).

Lasst uns Lyrik leben lassen. Hoch! Hoch! Hoch!

„Lass dich tragen

von deiner Fantasie

du wirst älter

sie wird es nie.“

Euer
Fritz Sebastian Konka

Vor ihm ein halb volles Glas

ob es ihm nicht schmeckt

oder hat es er vergessen

nun nippt er nicht mal mehr

sein abwesender Blick

die Freunde längst gegangen

was er jetzt bräuchte

eine rote Gauloises

erinnert dich an Zeiten

lang vergangen

Nächte

die begannen

in verrauchten Kneipen

und nicht endeten

niemals endeten

endeten die Zeiten

immer noch halb leer das Glas

sein Blick bleibt nicht haften

streift deinen

in der Vergangenheit

du reichst ihm

eine rote Gauloises

bevor du nach Hause gehst

es war deine letzte.

Mit dem Rad zur Arbeit

in der blauen Stunde

leuchtet das Tau

im Gras zwischen den Straßen

fallen im lauen Wind Blätter

die ich versuch zu fangen

nicht fange

werd langsam und langsamer

trotzdem nicht fange

steig ab und warte

bis eine Böe das nächste Blatt erfasst

vom fast leeren Ast tanzt es gen Erde

versuch es zu fangen

nicht fange

Versuch es so lang

bis ich zumindest ein Blatt

gefangen hab eins gefangen

warte bis der Wind es weht

aus meiner Hand

zu den anderen Blättern

die zuvor zu Boden

segelten unbemerkt

auf direktem Wege

mit dem Rad zur Arbeit

in der blauen Stunde.

Husum

Theodor Storms

graue Stadt am Meer

zwischen Heim- und Fernweh

schwank ich hier wie er

in seiner Gasse

setz ich mich still

auf dem kalten Asphalt

wärmt die Sonne bald

den gefallenen Regen

wie im April

wechselt mein Innenleben

gelehnt an einer roten Backsteinwand

reiche ich seiner Vergangenheit

die Hand reicht er

zurück

wank ich bis zum Gang

zwischen Schloß und Markt

leg mich schließlich hin im Park

schau an den Bäumen in die Höh

erfüllt mit Wehmut

war sein Weg.

Nackt

Ich atme mich allein

in diesen Tag

ich trage mich allein

durch diesen Tag.

Setze mich auf diese Bank

schaue still aufs Meer

setze mich auf jene Bank

mein Kopf gedankenleer.

Lege nackt mich in den Sand

Wind kitzelt meine Haut

atme eine und atme aus

meine spinnenden Gedanken.

Spaziere nackt hinein ins Meer

denke an McGinley und wie sehr

unnatürlich es ist

angezogen zu sein.

Ich trage mich allein

durch diesen Tag

ich atme mich allein

aus diesen Tag.

Sylt

Auf einer weißen Bank

oberhalb des Strands

aber vor den Dünen

schau ich den Wellen zu

wie sie brechen

noch ist Ebbe

bald ist die Flut.

Ab und an gehen Menschen

auf der Promenade vor mir entlang

fast alle zu zweit und älter als ich

selten Hand in Hand

sie beachten mich nicht.

Mal schaue ich ihnen

hinterher

und frage mich

wie er wohl wär

wenn er nicht

mit ihr zusammen wär.

Frage mich

wie sie wohl ist

wenn sie wütend

auf ihn ist und

ob sie glücklich

mit ihm ist und

ob sie glücklich

ist mit sich.

Frage mich

ob ich es bin

und gebe mich

wieder meinem Atem

und schließlich

meinen Beobachtungen hin

Auf dem Zugdach nach Sylt

Ich steh auf einer Brücke

am Bahnhof in Klanxbüll

zwischen zwei Gleisen

das eine führt nach Sylt

unter meinen Füßen

rauscht ein Güterzug vorbei

drückt nach oben warme Luft

strömt an mir vorbei

ich würde gerne springen

auf das Dach

wie in so vielen Filmen

und denke nach

wie ich wohl fiele

wenn ich spränge

was ich mir täte

was gewönne

wenn ich reiste

als blinder Passagier nach Sylt

auf dem Dach

ich denke nach.

Auf dem Hügel

Jeden Sonnabend kauft er

Äpfel auf dem Markt

schenkt sie ihm ein Lächeln

fragt, wie seine Woche war.

Er würde gern berichten

was ihn die Woche bewegte

wie er auf seinem Arbeitswege

in Gedanken Blumen für sie pflückte.

Doch er murmelt nur „Gut.“

schaut verlegen nach unten

reicht ihr das Geld und mutig

einen Zettel, auf dem steht:

„In Gedanken pflück ich jeden Tag Blumen für dich.“

Und darunter seine Nummer.

Während er noch vor ihr steht

antwortet sie sichtlich bewegt:

„Wir sehen uns morgen um 11 Uhr

auf dem Hügel im Eppendorfer Park

ich bringe dir Blumen mit

und du mir einen Wochenbericht.“

In den Zweigen goldenes Lametta

Eine weiße Villa bei sternklarer Nacht

auf einem Hügel versteckt im Gelände

hinter alten Bäumen und Gestrüpp

am Ende des weichenden Weges

zugedeckt, verwunschen, dicht

tanzen wackelnd auf Sicht

unscharfe Schatten

wehen Flaggen

im flackernden Licht

der lodernden Flammen

von unzähligen Fackeln erhellt

leuchtet goldenes Lametta grell

in sich neigenden Zweigen

darunter ins hohe Gras

fallen vereinzelt Blätter suchen Hände

an diesem nicht endenden Spätsommertag

zählen jene vom Dach des morschen Schuppens

heimlich Sternschnuppen sich gegenseitig fragend

ob ihre Wünsche tragen, was die Zukunft bringen mag

Eines Morgens

Es regnet nicht und doch fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in gelegentlichen Tropfen

gleich einem unsteten Klopfen

und weht der Wind, fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in einem heftigen Guss

gleich einem wilden Kuss

und inne hält der Wind

still und ruhig die Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

in einem heftigen Unwetter

fällt neuer Regen nun auf Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

leicht biegen sich die Blätter

ich denke wieder viel zu viel

wie ich klopfte an deiner Tür

an unseren ersten Kuss

wie du mich sahst mit ihr

an unseren letzten Kuss.

Unbewusste Bewusstheiten

Fetzen von Träumen taumeln

ungreifbar nah vor offenen Augen

durch meine verschlafene

Welt der Gedanken

ob es wahr ist oder nicht

geschah oder nicht

jene rannten

jene flogen

jene tanzten

zerplatzt und nie gewesen

die gelebten Erinnerungen

so klar vor ungläubigen Augen

erfasst von einem unsichtbaren Strom

des Bewussten im Schatten

eines täuschend echten Turms

zu deuten das

was

ich schließe meine Augen.

Wie ein Stern am Himmel.

Der Tod hängt über allem

hängt der Tod

über mir und über dir

hängt über allen

hängt der Tod

kommt mal leise angeschlichen

nach Jahren im tiefen Schlaf

und einem letzten Händedruck

den du ihr voll Liebe gabst

kommt mal plötzlich in dem Wissen

dass er viel zu früh ihn traf

beim Wandern ein Steinschlag

unerklärlich Jahr um Jahr.

Der Tod hängt über allen

hängt der Tod

über mir und über dir

hängt über allem

hängt der Tod.

Wie ein Stern am Himmel.

Die Feder

Eine Feder fiel wohin leicht

aus der Luft

fing ich unbewusst

schweifend in Gedanken sie

wäre gelandet

im duftenden Gras

unerkannt läge sie

bis wann

im hohen Gras

wanderte ich den Fluss

entlang zur Quelle

ließ los erst dann

bewusst die Feder

fiel seicht und glitt dahin

flussabwärts

Welle für Welle

bis ich sie nicht mehr sah

nie wieder.

Auf der Schönberger Seebrücke

Eine Möwe sitzt auf dem Geländer

unter ihr die klare See

die Tage neigen sich dem Ende

gleich wird sie fliegen gleich

setzt ein Mann dorthin sich

wo sie noch eben saß

zwischen Angst und Fernweh

und den Jahren danach

setzt ein Kind sich dort

spielerisch und leicht

lässt es sich rücklings fallen

unter freudigem Geschrei

gleich

wird sie fliegen

gleich.

Die Insel

Zu sehen ist sie nicht

zu erahnen ist sie.

Der graue Himmel bebt

ich schaue an einen Leuchtturm gelehnt

hinüber zum anderen Ufer der Elbe

und seh ein im Kreis drehendes Licht

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

verschwimmen Himmel und Fluss

drunter und drüber und gegenüber

poltern Regentropfen auf Autodächer

wie erbsengroße Hagelkörner

mein Kopf in deinem Schoß

Im Osten erwarten die Kräne des Hafens

jene flussaufwärts fahrenden Schiffe

deren Lichter gleich verschwunden sein werden

nie werd ich sie wiedersehen

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

startet aus dem drehenden Licht

eine Möwe in die bald so weißen Wolken

des dann so strahlend blauen Himmels

unter ihr die inmitten des Flusses liegende Insel

die nicht zu sehen ist

die nur zu erahnen ist.

Der gefangene Drache

Am blauen Himmel zieht

ein Flugzeug weiße Streifen

so klar und so deutlich

als könnte ich sie greifen

wie schweifende Gedanken.

Ich sitze auf den Steinen

im Morgenlicht am Fluss

im Wissen, dass nichts muss

lausch ich mit Genuss

den Amseln und den Gänsen

wie diese landen, jene singen

den Glocken und den Booten

wie diese rudern, jene klingen.

In den Zweigen einer Weide

treibt im lauen Wind

ein Drache her und hin

ob das Kind ihn vermisst

in Gedanken bei ihm ist?

Am Elbstrand

Sonnenlicht spiegelt sich

im Wasser der Elbe

ich liege am Strand

und denke dasselbe

wie beim letzten Mal

als ich hier war

den Schiffen hinterher sah

ich habe die Wahl

zwischen hier und dort

zwischen bleiben und reisen

zwischen mir und dir

während die Fragen kreisen

wer fährt warum wohin

wer gibt sich dem Momente hin

wer denkt still vor sich hin

wer lebt ohne Fragen, ohne Sinn

Auch am Ende denke ich immer dasselbe

vor mir die auslaufenden Wellen der Elbe

vor mir das gleißende Licht

ich denke an dich.

Es wartet warmherzig der Sinn

Eben noch in wachen Träumen

schau ich in den Himmel blau

vereinzelt ziehen Wolken

zu schnell, um sie zu deuten.

Unscharf tanzt der Schnee

im Vordergrund und

unscharf meine Gedanken

im Hintergrund und

unscharf fällt der Schnee

kaum merklich

manch Flocke steht gar

im wehenden Wind

vor den noch kahlen Bäumen

weder erwachsen noch Kind

sehnsüchtig in leeren Räumen

wartet warmherzig der Sinn

eben noch in wachen Träumen

auf der Straße fährt wer Rad

zur Arbeit durch den Schnee

eben noch lag ich wach

wiegst mich nun in deinen Armen

wohin der Wind mich trägt

wiegst mich nun in deinen Armen

ohne, dass ich je versteh.

Von einem Kurzurlaub

Sie machte Urlaub in Berlin

für eine Woche nur

und traf unmittelbar

bei ihrer Ankunft

einen Mann

der obdachlos war.

Die beiden kamen ins Gespräch

tauschten sich aus

sie brachte ihm Essen

tagein

tagaus.

Wie ehrlich er war.

Sie einte der Mut.

Wie ehrlich sie war.

Sie einte die Wut.

Nach ihrer Abreise

hielten sie Kontakt

per Telefon

es ging ihr schlecht

das ahnte er schon.

Zwei Jahre später

verstarb sie an Krebs

in einem Hamburger Krankenhaus.

Er hatte zuvor für Stunden

ihre Hand gehalten

und wollte nur

kurz Blumen

holen.

Er war den Tag zuvor

aus Berlin angereist.

Hamsterrad

In dem Hamsterrad

lauf ich nicht mehr

vielmehr geh ich achtsam hin

und gehe achtsam her

in dem Hamsterrad

bleib ich oft stehen

schaue auf und schaue ab

es ist so viel zu sehen

in dem Hamsterrad

ein sehr weiter Schritt

wie schnell es sich jetzt dreht

doch natürlich halt ich mit

in dem Hamsterrad

geh ich nun sehr schnell

sehe kaum noch was

von dieser schönen Welt

ich gehe immer schneller

merke nicht, dass ich schon lauf

bis ich stolper und ich falle

aus dem Rad hinaus

und wie ich liege so daneben

wird mir auf einmal klar

neben mir das Leben

wie unachtsam ich war

dieser Gedanke eben

gibt mir neue Kraft

auf zum nächsten Anlauf

in das Hamsterrad

nur noch langsamer

nur noch achtsamer.

Winter / Frühling

Ich steh auf einer kleinen Brücke

schau dem Wasser zu beim Fließen

hör den Vögeln zu beim Singen

bald beginnt es hier zu sprießen.

Gestern noch lag Eis und Schnee

ein Tag wie tiefster Winter

heute weht ein lauer Wind

nimmt Abschied von dem Winter

gleicht einem Frühlingskuss

überschwänglich voller Lust

trifft sich unser Atem in der Luft

der Duft des Aufbruchs.

Das Bild der zwei Brücken

Ich steh‘ unter zwei Brücken

die eine führt gen Norden

die andere gen Süden

über mir zwei Brücken.

Auf Schienen fahren die Bahnen

immer denselben Weg

die Schienen sind der Rahmen

für immer denselben Weg.

Die Menschen malen das Bild aus

mit stetig verschiedenen Farben

sie steigen ein und steigen aus

verändern mild die Farben

des immer selben Wegs

mancher sitzt und mancher steht

doch jeder geht auf seinem Weg

zumindest ein paar Schritte

mancher sucht nach seiner Mitte

mancher fand sie schon vor Jahren

mancher band sich, zu bewahren

mancher sieht die ersten Risse.

Meine Wahrheit brodelt verborgen

zusammen mit meinen Lügen

gestern wie heute wie morgen

wie kann ich mir genügen?

Silvester an der Alster

Es ist Silvester kurz vor Mitternacht

Eisschollen treiben auf dem Wasser

in dieser klaren, bitterkalten Nacht

er sucht sich einen stillen Platz

wo er seine Ruhe hat

wo nichts passiert

wo nichts geschieht

vielleicht wirft er seine Angel aus

einen Köder nutzt er nie

während zuhaus‘ im Endreihenhaus

seine Frau allein das neue Jahr begießt

die Kinder, bereits eingeschlafen

ein Vorsatz, ein Fisch an seinem Haken.

Von Rotwein und Zartbitterschokolade

Mit dem faden Geschmack im Mund

von trockenem Rotwein und

süßer Zartbitterschokolade fährt sie

während andere längst schlafen

mit einem spöttischen Lächeln Richtung Flughafen.

Wo sie sich das erste Mal trafen

vor zwei Jahren auf den Tag genau

sie war damals eine andere Frau

ziemlich selbstherrlich und arrogant

wie sie sich dank ihm später eingestand.

Nicht, dass sie es jetzt nicht mehr ist

aber sie kann über ihre Arroganz lachen

kann Witze über sich machen

doch das sieht sie gerade nicht

als sie allein am Flughafen sitzt

neben einem Mann mit einem Rotwein

in der einen und einer Zartbitterschokolade

in der anderen Hand und

rund um den Mund

einem spöttischen Lächeln.

Mit Freude oder halb Leid

Ich schaue mit der mir möglichen Ruh

dem Treiben auf der Außenalster zu

Vögel und Ruderer ziehen vorbei

allerlei Worte taumeln

durch den Kopf baumeln

im Takt der Wellen auf und ab

wie Beine überm Wasser

Fässer von Gedanken

wer vor mir hier saß und wie lange

war ihr Mut, ihm bange

worüber dachte sie nach

lachte er laut seltsam vertraut

allein oder zu zweit

mit Freude oder halb Leid

war es noch Nacht oder schon Tag

wart sie seinen Möglichkeiten gewahr

auch wer nach mir hier sitzt

ob sie ihren Namen in die Bank ritzt

sieht er den Herbst funkeln seine Augen

wohin führt sie ihr unerschütterlicher Glauben

hört er das Wasser ruhig an die Wände schlagen

hat sie jemals jemand auf Händen getragen

Die lachende Möwe

Am Elbstrand sitze ich

eine Möwe zieht krächzend Kreise

Container krachen leise

der Wind rauscht laut

Wellen laufen aus

Schiffe schwer beladen

her tragen mich Gedanken

Bilder aus vergangenen Tagen

wie ich stand am Strand

im knöcheltiefen Schnee

getragen von Fernweh

von einer neuen Liebe

zwischen den Gewalten

gehalten von Heimweh

von einer alten Liebe

fallende Container poltern

Schiffe laufen leise aus

Wellen rauschen laut

im drehenden Wind

tragen Gedanken

mich nach Haus

was war und was ist

die Möwe lacht

mir zum Abschied

ins Gesicht.

Die (un)sichtbare Mauer

Es ist, als ob auf meinem Weg

eine unsichtbare Mauer steht

nicht zu übersteigen und nicht zu umgehen

ich entscheide mich, umzudrehen.

Bald findet mich erneut der Weg

auf dem die unsichtbare Mauer steht

ich fluch‘ und schimpf‘ auf mein Unglück

laut und lauter hallt es zurück.

Ich setz‘ mich hin und nehm‘ mir Zeit

frag‘ nach dem Sinn, bin ich bereit

warum die unsichtbare Mauer hier wohl steht

mitten auf meinem Weg.

Ich finde eine Antwort

eine Antwort gibt es nicht

ich trage mein Päckchen

ich trage es nicht.

Nun taucht die Mauer am Horizonte auf

ich kann sie wirklich sehen

und meinen Weg weiter gehen

nehme Anlauf.

Ich springe über die Mauer drüber

während ich laut singe.

Bis ich balanciere

An diesem sonnigen Tag
im frühen Herbst
sitze ich im leichten Winde
auf Metall, wie es hallt
unter meinen Fingern
die klopfen sanft und stark
im Wechsel die Beine
ausgestreckt und angewinkelt
sitze ich sicher nah am Rand
den Rücken an der Wand
während ich mit mir winde
die rechte Hand baumelt
über dem Hang
die linke ruht in der Jackentasche
eine Kastanie
ich könnte aufstehen
ich könnte balancieren
an diesem herrlichen Tag
im frühen Herbst
wärmt die Sonne leicht
so wie der Winde weht
gesammelte Regentropfen bewegt
die Äste biegen weich
hier sitz ich früh und spät
bis ich balanciere.

Ein Baum

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

stets war ich vorbeigefahren.

Letzte Woche hielt ich an,

widmete mich seiner ganz,

fragte mich, wie alt er ist,

warum er wohl am Leben ist.

Ich ging um ihn herum,

lehnte mich an seinen Stamm,

klopfte sacht und schaute

aufmerksam an ihm entlang

bis zu seiner Krone,

fühlte seine Blätter,

sie waren nass und warm.

Ich trat ganz nah an ihn heran,

und näher, nahm ihn in meinen Arm,

meinen Atem warf er mir zurück,

ich setzte mich zu seinem Fuße,

verabschiedete mich mit einem Gruße,

winkte und wünschte Glück.

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

heute bin ich vorbeigefahren.

Ein Geheimnis (2007)

Zum ersten Mal sah ich Augen wie die seinen,

ein unergründliches dunkelbraunes Schwarz,

umwoben von einem Geheimnis,

das ich nicht zu erschließen vermochte,

spürte ich die keimende Trauer,

die langsam gen Seele tropfte.

In der Tiefe schlummerten Tränen,

die vermögten über Nacht,

ein kleines Rinnsal zu verwandeln

in einem reißenden Bach.

Ich hörte sie sagen:

„Niemand kann ihm folgen,

er ist bereits auf dem Weg,

nur der Hüter kann sehen,

was du nicht verstehst.“

Da wünschte ich mir,

lastete seine Schwere doch auf mir,

sie nimmt ihn mit hinab,

an mir prellte sie ab.

Und schon schwappten Tränen und Trauer

Hand in Hand über den Rand,

rissen es mit, trugen es fort,

an den letzten unbekannten Ort.

Alter Wegbegleiter

Nicht mehr gewartet

zu lang die Spanne

als dass

vergessen, versunken, verschüttet

hinabgesunken ins Ungewisse

vergraben unter neuem und alten

umgeben von

ähnlichen Ungleichen

und dann irgendwann

nach Zeit, all der Zeit

anders so vertraut

erklingt

diese wohlbekannte Stimme

jetzt

jenes verlorenen Wegbegleiters

der nie verloren war

hinein ins Herz

trägt mich zurück

nach vorn

ins hier

mit neuen Worten

an das Ufer

dieses tiefen Sees.

Blatt an Ast an Baum

Ich sitze

rückwärtsgewandt

am offenen Fenster,

kalte Morgenluft strömt herein,

Vogelgesang,

im Spiegel der Ausschnitt

eines Baumes

zwischen Wurzel und Krone

biegen sich Äste,

der Stamm ist nicht zu sehen,

zittern Gäste,

immer ähnlich, niemals gleich

stets im selben Raum,

unversehens,

mal ein Knirschen,

Blatt an Ast an Baum.

Ein letzter Blick aufs Meer

Und das Schiff verlässt den Hafen,

wehmütige Freude

Möwen sitzen auf den Steinen

sehnsuchtsvolles Warten.

Die Sonne scheint, es regnet,

Tropfen fallen schwer.

die Möwen kreisen einen Bogen,

eine nur fliegt hinterher.

Eine Mutter klettert mutig

auf den Steinen bei starkem Wind

sie hält ängstlich an der Hand

ein vor Freude jauchzendes Kind.

Am Horizont verschwunden

der Kaffee auch fast leer,

ach, wären sie nur ungebunden,

ein letzter Blick aufs weite Meer.

Dieser schmale Pfad

Er wandert auf diesem schmalen Pfad,

der führt hindurch das hohe Gras,

in dem sie auf dem Rücken liegt

und in die Sonne sieht,

mit ausgestreckten Armen und

ausgestreckten Beinen.

Er geht an ihr vorüber,

ohne sie zu erblicken,

sie summt mit geschlossenen Lidern

seine Lieblingsmelodie,

gedankenverloren

schaut er in die Weite.

Jahre vergehen,

da geht er wieder diesen Weg,

er hört das Summen,

sie sieht, wie er dort steht.

Die welken Blätter

Blätter, welk, liegen auf dem Boden,

sie fielen vor langer Zeit,

sie fielen eben von droben,

die welken Blätter auf dem Boden.

 

Sie lebten bis eben,

sie starben vor langer Zeit,

die welken Blätter auf dem Boden,

die fielen, wann, von droben.

 

Einst aus einer Knospe erwachsen

grün, satt und hell, schwangen

sie lebendig schaukelnd,

schwangen sie schnell im Wind.

 

Ehe sie schwebten,

wann,

von droben

ehe sie lagen,

dann,

auf dem Boden

die welken Blätter.

Die sieben Wege

Ich sitze auf einer Bank

an einer Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinein,

sie führen hinaus.

 

Die Bäume schützen

vor dem prasselnden Regen,

vereinzelt finden Tropfen

ihren Weg durch dieses

nicht ganz dichte Dach,

wandern auf den Blättern,

fallen von den Blättern.

Auf mich herab.

Immer wieder.

Und doch harre ich aus.

Bis der Regen geht.

Bis die Sonne heraus

kommt.

 

Ich sitze auf dieser Bank

an dieser Kreuzung im Wald

sechs Wege,

sie führen hinaus,

sie führen hinein.

Graugänse in der Abenddämmerung

Graugänse landen schnatternd

Flügel schlagend

im pastellfarbenen Wasser

der Abenddämmerung,

schwimmen an gegen den Strom,

ruhen aus,

treiben dann mit dem Strom.

 

Graugänsen steigen schnatternd

Flügel schlagend auf

aus dem pastellfarbenen Wasser

der Abenddämmerung,

schweben dem Tagesende entgegen,

die Sonne ist gegangen,

der Mond noch nicht gekommen.

Im Freibad

Eine rote und eine blaue Fahne

wehen im weichen Wind.

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

 

Ich lieg im Schatten auf einer blauen Liege,

die rote Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die blaue Fahne dreht sich um den Mast,

Das Kind erwacht mit einem Lachen,

die rote Fahne weiter schlaff

die Fliege kitzelt meinen Nacken.

 

Ich liege in der Sonne auf einer roten Liege,

die blaue Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die rote Fahne dreht sich um den Mast,

Das wache Kind sorgt für Verzücken, 

die blaue Fahne weiter schlaff,

die Fliege kitzelt meinen Rücken.

 

Die rote Fahne und die blaue

wehen im weichen Wind,

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

Die rote Gondel

Auf einem kleinen Hügel 

steht 

eine rote Gondel,

allein, nicht einsam.

 

Weite Sicht, der Blick 

dreht, 

in absoluter Stille, 

kein Wind weht.

 

Vor dem Hügel und daneben

liegt 

in idyllischem Gewand das Land; 

flach, grün, menschenleer.

 

Hinter dem Hügel, fast verblaut, 

liegt

eine Siedlung,

verlassen und grau.

 

Mit verbauten

Plattenbauten, davor

steht 

erhaben ein altes Riesenrad.

 

Das sich seit Jahren

nicht mehr

dreht.

Selbst wenn der Wind

 

noch so stark weht,

bewegt

es sich nicht. Anders die roten Gondeln.

Sie quietschen dann im Wind.

 

Bis auf eine. 

An einem helllichten Tag

An einem helllichten Tag

lieg’ ich im hohen Gras,

ich schließe meine Augen.

Ein Gedanke fließt vorbei

an diesem heißen Tag

ich würd‘ ihm so gern glauben.

 

Ich liege nicht allein,

ich liege hier zu zweit,

schweigend der

Unendlichkeit entgegen.

 

Reden hieße Worte

Schweigen versetzt Orte,

vom hohen Gras Hand in

Hand in die Nacht zum Elbstrand.

 

Nackte Füße im Sand,

in den Ohren polternde Container,

in den Händen die wärmende Welt,

in den Augen leuchtende Lichter,

Trost und Sehnsucht spendend.

 

Schiffe senden ein letzten Gruß,

verabschieden sich dann schweigend,

schwimmen der Unendlichkeit entgegen,

sehnend nach Meerleben.

 

Ich liege dort allein,

ich liege nicht zu zweit,

schweigend der

Unendlichkeit entgegen.

 

An einem dunklen Tag

lieg’ ich im tiefen Sand,

ich schließe meine Augen.

Ein Gedanke fließt vorbei

an diesem kalten Tag

ich würd‘ ihm so gern glauben.

Liebevoll, dunkel, tief

Ich lehn an einem Baum,

es ist schon spät

an einer jungen Eiche.

Ich schweife ab in einen Traum,

es ist schon spät

an dieser alten Eiche.

 

Wie ich wandere, tief in einen Wald,

eine stumme Stille weist den Weg,

gönnt mir keinen Halt.

Eine schwache Stimme spricht:

„Bis zum Schlaf ist es noch weit.

Voran, voran, gönn dir keine Ruh!

Sieh zu! Verliere keine Zeit!“

Es ist einsam, dunkel, kalt.

 

Und ich gehe, tiefer und

tiefer, in diesen Wald,

die stumme Stille weist den Weg,

gönnt mir keinen Halt.

Es ist einsam, dunkel, kalt.

Die schwache Stimme spricht:

„Fast bist du da. Du bist ganz nah! 

Der Schlaf ist nicht mehr weit!

Gleich leg dich hin, gleich ruh dich aus

und nimm dir deine Zeit!“

 

Ich lehn an einem Baum,

es ist schon spät

an einer jungen Eiche.

Ich schweife ab in einen Traum,

es ist schon spät

an dieser alten Eiche.

Eine neue Heimat

Er reißt eine 

alte Heimat ein,

es musste sein,

sonst wäre das Haus

nach all den Jahren bald  

zusammengefallen. 

 

Viel Staub, darunter 

kein Vergessen.

 

All die alten Erinnerungen,

die wahren und

echten,

traurigen und

fröhlichen,

außer- und 

gewöhnlichen.

 

All die neuen Erinnerungen,

die warten, 

erlebt zu werden,

nach den Scherben,

um nicht unerlebt 

zu sterben.

 

Der Baggerfahrer bietet

ihr eine Zigarette an,

Sie nimmt dankend an.

Ein erster tiefer 

genüsslicher Zug.

Voll vor Freude,

voll Wehmut.

 

Währenddessen spielt

ein Mann mit seiner 

Tochter auf der 

Baustelle Fußball.

 

So langsam kann 

sie sich das vorstellen.

Der Baum mit Gedichten

Ein Baum mit Gedichten steht 

mitten in Hamburg und lädt 

alle Müßiggänger ein, 

zusammen müßiggängerisch zu sein.

 

Ein Gedicht mitzunehmen

oder eins zu hinterlassen,

anzuregen oder sich anregen zu lassen.

ganz nach Belieben, ganz nach Vernehmen.

 

Sie steht vor dem Baum und lächelt,

er lächelt zurück, eher aus Reflex,

halb perplex, sie steckt währenddessen 

einen Zettel ins Netz am Baum.

 

Erst jetzt versteht er

den Baum mit Gedichten.

Und greift hinein, 

auf seinem Zettel steht:

 

Lass uns zusammen eilen!

Lass uns zusammen verweilen!

Lass uns zusammen müßig gehen!

Lass uns zusammen beeilen!

Sie oder er?

Die Ampel für Fußgänger

springt von rot sofort 

auf grün, kein Orange 

liegt dazwischen.

 

Unweit der Ampel 

überquert die Frau

die vierspurige Straße

ohne zu schauen.

 

Sie steigt in den Bus,

der quer durch die Stadt

fahren wird, 

wie bald sie aussteigt?

 

Der Mann springt hinein,

kopfüber ins kalte Wasser,

eine Abkühlung 

am Ende dieses heißen Tages.

 

Er schwimmt zum Land,

schaut hinein in die

untergehende Sonne,

die Orange ist, noch nicht rot. 

 

Gleich wird er aufs Fahrrad steigen,

gleich wird er nach Hause fahren,

Wer wohl zuerst daheim sein wird,

Sie oder er?