Sie

Wir wuchsen auf

im selben Haus

du im ersten Stock

und ich im zweiten

Wir haben uns

ewig nicht gesehen

das Leben führte dich

nach Schweden

„Das nächste Bier

geht auf mich“

sagst du erzählst

was ich in der Zeitung las

Du lebst, sie starb

durch deine eigene Hand

wolltest du sterben wie

sie war unheilbar krank

Die Badewanne lief über

die Fliesen blutrot

als sie euch fanden

war sie bereits tot

Du wolltest mit ihr gehen

bist froh, dass du noch lebst

wofür du dich zugleich schämst

wie deine Augen erzählen.

Du schriebst mir diese Nachricht

kurz vor ihrem Tod

ich antwortete nicht bis heute

trotz deiner sichtbaren Not.

„Ich denke an dich

an jene unbeschwerten Zeiten

dass wir uns verloren

werd ich nie begreifen.“

Wir schweigen

etwas zu lang

es ist wie eine Umarmung

und ein Neuanfang

Als ich in mein Handy tippe

und es zu dir hinüber schiebe:

„Ich liebe, dass du bist.

Dachte ich und schrieb es nicht.“

Live mit Andrea Wecke

Moin zusammen :),

am kommenden Mittwoch, den 13.4., habe ich auf Instagram ein Live mit der Münchner Lyrikerin Andrea Wecke. Wir werden uns allgemein über das Schreiben, unsere Inspiration und Gedanken austauschen. Wir werden auch ein paar Gedichte lesen. Wer Lust hat, schaut am Mittwoch, den 13.4., um 20h auf meinem Instagram-Kanal @fskonka vorbei. Ist kostenlos.

Ich freue mich über jede:n einzelne:n von euch.

Übrigens habe ich die Termine generell aktualisiert. Schaut mal rein.

Zum Vorgeschmack auf Mittwoch ein Gedicht von Andrea Wecke:

„Mein Kind

tragen und halten will ich dich,

so lange, bis der Wind

dich fortweht.

Dein kurzes Leben

wie ein Sommerregen.

Bald werden

meine Tränen

dein kleines Grab berühren.“

Einen schönen Sonntag

euer fskonka

Lemkenhafen

Sitz im Strandkorb

bei Sturm und Regen

hat nicht mal fünf Grad

doch mich friert es nicht

weil ich weiß, wie gerne

du das hast und

weil ich weiß, dass

du irgendwann

diese Zeilen liest und

weil ich weiß, dass du

dann meine Gedanken

siehst durch deine und

gleich dich fragst

wie ich mich grad

wann setzt du dich

tatsächlich hier

neben mich

trotz Kälte

Sturm und Regen.

Jungfernstieg

Du setzt dich auf die Stufen

am Jungfernstieg

direkt neben mich

vielleicht etwas

zu offensichtlich

Du schaust auf die Alster

denkst aber

bestimmt an etwas anderes

vielleicht an mich

so wie ich an dich

Du nimmst einen Zug

aus deiner Zigarette

erwiderst dann

meinen vielleicht etwas

zu offensichtlichen Blick

Ich lehne schweigend ab

obwohl ich tatsächlich will

nur was eigentlich

und genieße weiter still

den Rauch deiner Zigarette

dann gehst du

nach einem letzten Lächeln

und nimmst

meine Gedanken mit

an eine gemeinsame Zukunft.

Einzigartig

waren wir nur im wir

gab es kaum Raum

für dich und mich

du warst einzig

ich war artig

wir brachen entzwei

tausende Teile

trafen uns wieder

nach langer Reise

einzigartigerweise

setzten uns zusammen

jeder für sich

möglicherweise gar

ein wenig weiser

sind wir wieder im wir

gibt es nun Raum

für mich und dich

ich bin auch einzig

du auch artig.

Einzigartig.

Gute Nacht, Deutschland

Ich fühle mit, ich spende

ich biete einen Schlafplatz an

Ich informiere mich, ich demonstriere

ich tue, was ich eben tun kann

Aber leiden will ich nicht

nicht einmal in Gedanken

warum auch sollte ich

das hilft ja niemanden

also freu ich mich auf den Frühling

trotz allem fast noch mehr

denn was wäre mein Leben

in Frieden ohne Freude wert

doch am Abend kann ich

irgendwie nicht schlafen

immer wieder finden mich

dieselben Gedanken

vom Krieg, den Ungleichheiten

zufälligen Ungerechtigkeiten

hier meine Freuden, dort ihr Leiden

das kann doch so nicht bleiben

was wohl geschehen müsste

damit es anders wär, denke ich bei mir

wohl gar nicht so viel

außer Zusammenhalt und Mitgefühl

wenn wir alle zusammen leiden

ein bisschen nur

aber eben nicht bloß in Gedanken

es würde wahrscheinlich reichen

die friedlichen Demonstrationen

in die Ukraine zu tragen

nicht einmal Putin würde dann

einen Angriff wagen

Morgen beginne ich

mit der Planung

beruhige ich mich

doch warum heute nicht

alle wollen helfen, so auch ich

zumindest vordergründig

nur weh tun darf es eben nicht

jetzt brauch ich meinen Schlaf

gute Nacht, Deutschland.

Blockiert

Da ist was in mir

ich weiß nicht was

es ist tief in mir

blockiert

weiß nicht wo

nur dass

ich drüber reden sollte

um es zu verstehn

nur weiß ich nicht

mit wem

selbst

wenn ich wollte

Da ist was in mir

ich weiß nicht was

es ist tief in mir

blockiert

weiß nicht wo

nur dass

Ich zuhören sollte

nur weiß ich nicht

wem

vielleicht jenen

nie geweinten

Tränen

Da ist was in mir

ich weiß nicht

was

es ist tief in mir

blockiert

weiß nicht wo

nur dass

ich fühlen sollte

nur weiß ich nicht

wie

mir fehlt

momentan

jegliche Energie.

Krieg

Während ich

gemütlich

zu Hause

auf dem Sofa sitze

vor dem Kamin

ein Glas Rotwein

in der Hand und im Ohr

Tocotronics Lied

nie wieder Krieg

ziehen Putins Panzer

in Richtung der Ukraine

trotz westlichen Worten

und Sanktionen

dringt Putins Korps

immer weiter vor

wird im Zweifel

niemanden schonen

Und ich sorge mich

hauptsächlich nicht

um das Leid

all der jenen

sondern

um das Geld

all das meine

das ich so günstig

nie wieder Krieg.

„Niemand-jemand“ jetzt als E-Book & im Buchhandel

Mein erster Gedichtband mit 100 Gedichten aus den Jahren 2019-2021 jetzt nicht mehr nur in meinem Shop, sondern auch überall im Buchhandel erhältlich.

Und zudem als E-Book gerade für den absoluten Aktionspreis von nur 3,99€. Wenn das mal kein fairer Preis ist. Ich freue mich über jede einzelne Bestellung sehr und noch mehr über Rückmeldungen. 🙂

Habt es gut!
Euer
Fskonka

Hamburg

Ein fetten Dank für die großartige Gestaltung und das Aufhängen meines Hamburg-Gedichts geht an @studio_other_types. Danke! Danke! Danke!

—-

hamburg

du kannst hip

vielleicht nicht so

du kannst chic

wie berlin

vielleicht nicht so

wie paris

du kannst sündig

vielleicht nicht so

wie new york

doch kannst du

fernweh wie

kein

anderer ort

hamburg.

——

Gibt es auch als Plakat das. Bei mir im Shop. In anderer, fskonka-typischer Gestaltung 🙂

Schaut unbedingt auch auf der Instagram-Seite der @ot_posterwall vorbei. Da finden sich viele ganz großartige Plakate aus aller Welt nach Hamburg-Eppendorf.

Euer

fskonka

Februar

Wie viele Tage

hast du

in diesem Jahr?

Februar.

Du bist der zweite

Monat im Jahr

und der letzte

im Winter

hinter dir warten

die Farben des März

blühen bunter

dank dir

und deinem grau

hebt sich bald

der Frühlingstau

leuchtender ab

von erwachenden Feldern

und auf direkt

ins jauchzende Herz

leuchten blau

die grünenden Wälder.

Februar.

Ohne dich wäre

der Frühling nicht

wie früher

fiel noch im Frühjahr

manchmal Schnee.

Februar.

Dreißig

Nun bist du nicht mehr jung

und doch die jüngste

bist du stets gewesen

wirst du immer sein

in diesem Teil

deines Lebens

bleibst du immer jung

es könnte schlimmres geben

zum Beispiel

ein Leben

ohne Geschwister

wäre so viel trister

Nun bist du nicht mehr jung

natürlich auch nicht alt

hast trotzdem schon

so viel erreicht

bist immer für mich da

ich bin verdammt

stolz auf dich

kleine Sister

ohne dich wäre

mein Leben

so viel trister.

Ich liebe sie

die

bei denen

alles kann

nichts muss

ich liebe sie

die schweigen können

bei denen ich nicht

schweigen muss

ich schweigen kann

mit denen ich zusamm

schweigen kann

ich liebe sie

die reden können

bei denen ich nicht

reden muss

die nicht

reden müssen

bei denen ich

reden kann

ich liebe sie

die zuhören können

bei denen ich nicht

zuhören muss

ich zuhören kann

mit denen ich zusamm

zuhören kann

Ich liebe sie

die

bei denen

alles kann

nichts muss

ich liebe sie.

Auf dem Deich

In meinen Träumen kamst du

vor letzter Nacht

schliefen wir zusammen ein

hielten uns wach

in meinen Träumen

saßen wir bei Sturm

auf dem Deich

reichten Blicke weit

und breit kein Mensch

nur die Flut und du

hieltest mich

in meinen Träumen

wach und vor

kamst du letzte Nacht

in Flut und Sturm

stürzten wir uns

erfassten die Wellen

trugen uns hinfort

in meinen Träumen

schmeckte ich Meer wie Salz

und dort deinen Schweiß

auf meiner Haut

in meinen Träumen.

Allein

Erst nur mal in Gesellschaft

dann immer nur in Gesellschaft

dann nicht mehr nur in Gesellschaft

dann nicht mal mehr in Gesellschaft

Alkohol

dann nur noch allein

und erst ging es nicht mehr ohne

ohne ging es erst nicht mehr

dann nur ohne ging es wieder

in Gesellschaft.

Schauinsland

Heute mach ich blau

wie ferris und klau

Ideen und Zeit

die niemanden gehört

hau Graffiti ungestört

an edelweiße Wände

die Schablonen lieh mir Banksy

ich will sexy

wie Hank Moody sein

tret den Scheinwerfer ein

eines Porsche Cabriolets

das am Straßenrand steht

dreh auf die Anlage

eine sonnige Nacht

verspricht die Spritztour

durch die Nachbarschaft

mit 25 km/h quer durchs Land

bis auf den schauinsland

und dann weiter wie Thees

mit dem Mofa nach England

in London bare knuckle

mit Brad Pitt, ich geh k.o.

nice guys finish last

ist halt so

Das Mofa verkauf ich in Notting Hill

nehm zurück den Flieger

neben mir sitzt Hugh Grant

Julia Roberts wär mir lieber

Morgen mach ich wieder blau

wie Ferris und Klau

mir ein Leben

das mir bald gehört.

Schuldig

Ich fühl mich schuldig

für, wie du dich fühlst

fühl ich mich schuldig

für jene Wut

die deine ist

für jene Trauer

die deine ist

hätte ich doch

nicht gefragt

hätte ich doch

nichts gesagt

hätte ich doch

nichts gemacht

hätte ich doch

nicht gelacht

für meine Wut

die deine war

für meine Trauer

die deine war

fühl ich mich schuldig

für, wie ich mich fühl

ich fühl mich schuldig.

Labyrinth der Einsamkeit

Nach Jahren treffen wir uns wieder

in meinem Labyrinth der Einsamkeit

wir lieben immer noch dieselben Lieder

tragen uns zurück in die Vergangenheit

wie wir damals unsere Ängste tanzten

jeder für sich, doch nie allein

wie wir damals gegen Wände rannten

auf der Suche nach dem Kern des Seins.

Du reichst mir deine Hand zum Tanz

obwohl ich führe, leitest du mich sanft

an meinen Abgründen entlang

den Gräben meiner Angst.

Ich spüre, du bist dort gewesen

wo ich hin will, werd ich sein

denn mit dir an meiner Seite

kann ich stolpern ohne zu fallen

Wie wir damals unsere Ängste tanzten

jeder für sich, doch nie allein

wie wir damals gegen Wände rannten

auf der Suche nach dem Kern des Seins.

Fantasie

Liebe Fantasten,

was das für ein cooles Projekt von @nato.leipzig (https://www.nato-leipzig.de & https://www.instagram.com/nato.leipzig/?hl=de) ist. Street Poetry at it’s best. Wenn sie nicht zu dir kommen (können), bringen wir es eben zu Ihnen. So ist das nämlich.

Fantasiert euch!

Poetisiert uns!

Schickt Texte!

Wie das geht, findet ihr unter @nato.leipzig (https://www.nato-leipzig.de & https://www.instagram.com/nato.leipzig/?hl=de).

Lasst uns Lyrik leben lassen. Hoch! Hoch! Hoch!

„Lass dich tragen

von deiner Fantasie

du wirst älter

sie wird es nie.“

Euer
Fritz Sebastian Konka

Vor ihm ein halb volles Glas

ob es ihm nicht schmeckt

oder hat es er vergessen

nun nippt er nicht mal mehr

sein abwesender Blick

die Freunde längst gegangen

was er jetzt bräuchte

eine rote Gauloises

erinnert dich an Zeiten

lang vergangen

Nächte

die begannen

in verrauchten Kneipen

und nicht endeten

niemals endeten

endeten die Zeiten

immer noch halb leer das Glas

sein Blick bleibt nicht haften

streift deinen

in der Vergangenheit

du reichst ihm

eine rote Gauloises

bevor du nach Hause gehst

es war deine letzte.

Mit drei Geschlechtern

kannst du dich identifizieren

oder vielleicht auch nicht

du bist du so wie du eben bist

Nichtbinär ist nicht verkehrt

vielmehr ist es das Cistem

es leben die Geschlechtsidentitäten

außerhalb des binären Systems

trans-

-gender-

-fluid

ist nicht ich

verschiebt sich

bi-

-gender

tri-

-gender

wechselt

zwischen zwei

wechselt

zwischen drei

a-

-gender-

-queer

ungeschlechtlich

weder noch

Nichtbinär meets genderqueer

es sterbe das Cistem

es leben die Geschlechtsidentitäten

außerhalb des binären Systems

egal, mit welchem Geschlecht

du dich auf welche Weise identifizierst

männlich, weiblich, divers oder auch nicht

liebe, wen du willst und vor allem liebe dich

Ich folge einem Weg

folgt mir

mal breit wie eine Straße

scheint mir

weit die Sicht

mal schmal im Dickicht

führt mich

in Dunkel zwischen Licht

ein Weg

bis zur nächsten Biegung

mal renn ich

und mal bleib ich stehen

halt inne

um in Gedanken weiterzugehen

mal bieg ich ab

und Zeit vergeht

in der ich ärgerlich bereue

mich trauernd scheue

mir einzugestehen

weiter geht es nicht

doch auch dies hier

ist ein Weg

ist es auch

wenn ich zurückgeh

zur letzten Biegung

geh ich nicht

ich sitze hier und warte

dass nichts passiert

bis ich versteh

passieren wird es nur durch mich

mein Weg ist es niemals nicht

und traue mich

zurück

zu trauern

zurück

gehe

ich

mein Weg

bis zur letzten Biegung.

Ein Tagebuch

Ich schreibe dir ein Tagebuch

jeden Tag ein Satz

was ich an dir lieb

weil ich‘s zu selten sag.

Heute schrieb ich lieb dein Lächeln

wie es spöttisch tanzt um deinen Mund

wenn du mich lieblich belächelst

ob meiner trotzgen Unvernunft

gestern schrieb ich lieb dein Leberfleck

links hinten an deiner Hüfte

den ich am Abend vor dem Schlafengehen

so zärtlich wie möglich küsste

vorgestern schrieb ich lieb dein Talent

wie du organisierst und lenkst

deinen Blick dafür, was zu tun ist

wenn du das Denken vergisst

Was ich morgen schreiben werde

weiß ich noch nicht

vielleicht einfach, dass ich lieb

wie groß du bist

oder doch, dass du trotz allem

immer zu mir hältst

wie du schwingst, wenn du tanzt

dabei deinen Atem anhältst.

Nebel auf den Straßen

ich fahre nur auf Sicht

fühle meine Narben

vor mir ein Nebelschlusslicht

leuchtet mir den Weg hinaus

aufs Land weg von alten Wunden

die Ausfahrt zu meinem Elternhaus

verpasste ich vor Stunden

ich fahre durch die Felder

vorbei an vielen Seen

hinter mir die Wälder

ob sie wohl verstehn

ich suche sie und finde mich

im roten Nebelschlusslicht

was immer auch geschieht

ich suche mich und finde sie

waren auch mal Kinder

jetzt sind sie nur noch Eltern

es ist der erste Tag im Winter

sie waren nie nur Eltern.

Husum

Theodor Storms

graue Stadt am Meer

zwischen Heim- und Fernweh

schwank ich hier wie er

in seiner Gasse

setz ich mich still

auf dem kalten Asphalt

wärmt die Sonne bald

den gefallenen Regen

wie im April

wechselt mein Innenleben

gelehnt an einer roten Backsteinwand

reiche ich seiner Vergangenheit

die Hand reicht er

zurück

wank ich bis zum Gang

zwischen Schloß und Markt

leg mich schließlich hin im Park

schau an den Bäumen in die Höh

erfüllt mit Wehmut

war sein Weg.

Nackt

Ich atme mich allein

in diesen Tag

ich trage mich allein

durch diesen Tag.

Setze mich auf diese Bank

schaue still aufs Meer

setze mich auf jene Bank

mein Kopf gedankenleer.

Lege nackt mich in den Sand

Wind kitzelt meine Haut

atme eine und atme aus

meine spinnenden Gedanken.

Spaziere nackt hinein ins Meer

denke an McGinley und wie sehr

unnatürlich es ist

angezogen zu sein.

Ich trage mich allein

durch diesen Tag

ich atme mich allein

aus diesen Tag.

Sylt

Auf einer weißen Bank

oberhalb des Strands

aber vor den Dünen

schau ich den Wellen zu

wie sie brechen

noch ist Ebbe

bald ist die Flut.

Ab und an gehen Menschen

auf der Promenade vor mir entlang

fast alle zu zweit und älter als ich

selten Hand in Hand

sie beachten mich nicht.

Mal schaue ich ihnen

hinterher

und frage mich

wie er wohl wär

wenn er nicht

mit ihr zusammen wär.

Frage mich

wie sie wohl ist

wenn sie wütend

auf ihn ist und

ob sie glücklich

mit ihm ist und

ob sie glücklich

ist mit sich.

Frage mich

ob ich es bin

und gebe mich

wieder meinem Atem

und schließlich

meinen Beobachtungen hin

Auf dem Zugdach nach Sylt

Ich steh auf einer Brücke

am Bahnhof in Klanxbüll

zwischen zwei Gleisen

das eine führt nach Sylt

unter meinen Füßen

rauscht ein Güterzug vorbei

drückt nach oben warme Luft

strömt an mir vorbei

ich würde gerne springen

auf das Dach

wie in so vielen Filmen

und denke nach

wie ich wohl fiele

wenn ich spränge

was ich mir täte

was gewönne

wenn ich reiste

als blinder Passagier nach Sylt

auf dem Dach

ich denke nach.

Reise in die Vergangenheit

Ich war hier

zuletzt vor sieben Jahren

damals blühten

jetzt fallen die Kastanien.

Ich fühle die Bewegung

fühle auch die Angst

und trotzdem wage ich

diesen nächsten Tanz.

Das Schloss im Blick

und auch das Amtsgericht

vom Spielplatz her tönt Kinderlärm

wer sie und wir wohl heute wären

wenn du damals

nicht zu mir gehalten hättest

wenn du damals

mit ihm gegangen wärest.

Ein unzufälliges Foto

Du machst ein Foto von dir

zufällig

und dieser Blick ist dir

völlig

unbekannt.

Ob du dich kennst

fragst du dich

kennen willst

fragst du dich.

Wirklich kennst. Wirklich kennen willst.

In all den Abgründen. Fragst du dich.

Ob du dich kanntest

damals

als du warst

damals

fragst du dich.

Wirklich kanntest Du dich nicht.

Nein. Nicht in deinen Abgründen.

Ob du dich kennen wirst

dann

wenn du sein wirst

fragst du dich.

Ich mach ein Foto von mir

unzufällig

und dieser Blick ist mir

völlig

unbekannt.

Sacré Cœur

Ich sitz am Steg am Ukleisee

ruhig und klar das Wasser

blau wie der Himmel

spiegelt sich im Wasser

das Spiel der weißen Wolken

die sich jagen, ineinander übergehen

die zerfallen und vergehen

in der Ferne Glockenläuten.

Ich schau zum anderen Ufer

dort strahlen alte Bäume

grün auch der morsche Steg

tief hängen hier die Träume.

Ich sitz am Steg am Ukleisee

mit meiner lieben Mutter

wir schweigen stumm

in Gedanken unserer Spiegelung.

Was sie von mir in sich sieht

was ich von ihr in mir sehe

ob sie mich bedingungslos liebt

ich ihre Ambivalenzen verstehe

wohin wir miteinander flögen

wenn wir denn fliegen könnten

vom Steg des Ukleisees

sehen wir das Spiel der Wolken

Auf dem Hügel

Jeden Sonnabend kauft er

Äpfel auf dem Markt

schenkt sie ihm ein Lächeln

fragt, wie seine Woche war.

Er würde gern berichten

was ihn die Woche bewegte

wie er auf seinem Arbeitswege

in Gedanken Blumen für sie pflückte.

Doch er murmelt nur „Gut.“

schaut verlegen nach unten

reicht ihr das Geld und mutig

einen Zettel, auf dem steht:

„In Gedanken pflück ich jeden Tag Blumen für dich.“

Und darunter seine Nummer.

Während er noch vor ihr steht

antwortet sie sichtlich bewegt:

„Wir sehen uns morgen um 11 Uhr

auf dem Hügel im Eppendorfer Park

ich bringe dir Blumen mit

und du mir einen Wochenbericht.“

Von einer gelben Jacke

Es treibt bei Regen

und starkem Wind

ein roter Ball im Meer

auf den Wellen hin und her

unter der Seebrücke

taucht der Ball auf und ab

und zu prallt er

an das Geländer

ein Mann steht in gelber Jacke

auf den schwarzen Steinen

die ragen vom Land ins Meer

im peitschenden Wind

brechen die Wellen

schäumt die Gischt

er sah sie als Leuchtturm

das war sie nicht

der Ball taucht weiter

in den Wellen auf und ab

und zu prallt er

an das Geländer

von dort springt ein Junge

todesmutig hinein

in das tosende Meer

es muss sein Ball sein

denkt er

an sie

dort liegt

eine gelbe Jacke.

In den Zweigen goldenes Lametta

Eine weiße Villa bei sternklarer Nacht

auf einem Hügel versteckt im Gelände

hinter alten Bäumen und Gestrüpp

am Ende des weichenden Weges

zugedeckt, verwunschen, dicht

tanzen wackelnd auf Sicht

unscharfe Schatten

wehen Flaggen

im flackernden Licht

der lodernden Flammen

von unzähligen Fackeln erhellt

leuchtet goldenes Lametta grell

in sich neigenden Zweigen

darunter ins hohe Gras

fallen vereinzelt Blätter suchen Hände

an diesem nicht endenden Spätsommertag

zählen jene vom Dach des morschen Schuppens

heimlich Sternschnuppen sich gegenseitig fragend

ob ihre Wünsche tragen, was die Zukunft bringen mag

Eines Morgens

Es regnet nicht und doch fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in gelegentlichen Tropfen

gleich einem unsteten Klopfen

und weht der Wind, fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in einem heftigen Guss

gleich einem wilden Kuss

und inne hält der Wind

still und ruhig die Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

in einem heftigen Unwetter

fällt neuer Regen nun auf Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

leicht biegen sich die Blätter

ich denke wieder viel zu viel

wie ich klopfte an deiner Tür

an unseren ersten Kuss

wie du mich sahst mit ihr

an unseren letzten Kuss.

Eines Nachts

Die Sonne ging unter

du gingst mit ihr

obwohl ich nicht verstand

warum folgte ich dir.

Wir diskutierten auf dem Weg

über meine Verantwortung und deine

über die der Politik

über Wasserwerfer und Steine.

Du warst dir sicher

dass die Welt noch zu retten ist

ich war mir sicher

dass ist sie nicht.

Vor deinem Haus

stritten wir noch lange

du küsstest mich zum Abschied

versöhnlich auf die Wange

und drücktest mich so fest

hättest mich beinahe zerquetscht

ich wusste nicht, wie mir geschah

du warst mir näher als nur nah

dann sah ich ihn am Fenster stehen

drückte mich los, raunte „Auf Wiedersehen“

hinter der Hecke blieb ich stehen

hörte den Schlüssel im Schloss drehen.

Ich wollte nicht und schrieb dir doch

von blauen Flecken und einer Erde

die auch ohne Menschen

gut zurecht kommen würde.

Du schriebst mir

das mit den Flecken wärst du nicht gewesen

und auf der Erde

werden immer Menschen leben.

Die Sonne ging auf

als ich nach Hause kam

waren meine Füße kalt

war mein Herz warm.

Wie ein Stern am Himmel.

Der Tod hängt über allem

hängt der Tod

über mir und über dir

hängt über allen

hängt der Tod

kommt mal leise angeschlichen

nach Jahren im tiefen Schlaf

und einem letzten Händedruck

den du ihr voll Liebe gabst

kommt mal plötzlich in dem Wissen

dass er viel zu früh ihn traf

beim Wandern ein Steinschlag

unerklärlich Jahr um Jahr.

Der Tod hängt über allen

hängt der Tod

über mir und über dir

hängt über allem

hängt der Tod.

Wie ein Stern am Himmel.

Die Feder

Eine Feder fiel wohin leicht

aus der Luft

fing ich unbewusst

schweifend in Gedanken sie

wäre gelandet

im duftenden Gras

unerkannt läge sie

bis wann

im hohen Gras

wanderte ich den Fluss

entlang zur Quelle

ließ los erst dann

bewusst die Feder

fiel seicht und glitt dahin

flussabwärts

Welle für Welle

bis ich sie nicht mehr sah

nie wieder.

Ein regnerischer Tag

Es bricht Wolke um Wolke

dicht fällt der Regen

am Morgen, am Mittag, am Abend

fällt dicht der Regen

prasselt an die Fensterscheiben

wir bleiben im Bett

spüren nach, dämmern weg

hören zu dem steten Treiben

der Regen fällt dicht

peitscht an die Fensterscheiben

Wolke um Wolke bricht

wir sehen zu dem regen Treiben

dicht fällt der Regen

wir liegen wach, dämmern weg

bleiben im Bett

am Morgen, am Mittag, am Abend.

Smucke Steed

Vom Hügel aus der weiche Blick in Richtung Förde

gerahmt von Sonnenstrahlen und alten Bäumen

Gras hochgewachsen in den Zwischenräumen

säumen verwunschen Hortensien den Weg

reich an Geschichte steht

zurückhaltend hier die alte Schule

heute ein Hotel

lichtdurchflutet und hell

erhöht

in klarer Ruhe

hält inne des Lebens Hast

fällt ab des Alltags Last

unweit von Wasser und Strand

rauscht der Wind durch Blätter und Zeit

raunt, wie in lang geträumten Träumen

„Tue nichts. Es gibt nichts zu versäumen.“

krächzen hin und wieder leise die Möwen

es ist, als wäre es hier anders niemals je gewesen.

Mein Gedicht „Eine Bank“ als Plakat

Moin zusammen,

seit Sonntag hängt mein Gedicht „Eine Bank“ aus dem Buch „#Lockdownlyrik“ von @fabian.leonhard (https://www.instagram.com/fabian.leonhard/?hl=de) und dem @trabantenverlag (https://www.instagram.com/trabantenverlag/?hl=de) gestaltet von @studio_othertypes (https://www.instagram.com/studio_othertypes/?hl=de) – Vielen Dank! – auf der @ot_posterwall (https://www.instagram.com/ot_posterwall/?hl=de) der @kunstklinik.hamburg (https://www.instagram.com/kunstklinik.hamburg/?hl=de) am Marie-Jonas-Platz, Hamburg, Eppendorf.

Schaut vorbei.

Liebe Grüße

Fritz Sebastian Konka

Zwischen Staub und Sternen

Im Hintergrund laufen die neuen Lieder

von Modest Mouse

wieder und wieder und wieder

höre ich die neuen Lieder

führen mich ins nirgendwo

zwischen Staub und Sternen

gehe ich und laufe ich

beweg ich mich umher

schwebe ich weiter

zurück zur Mitte

meine Gedanken hängen schwer

erinnerst du dich

wie ich dich fragte

warum ich bleiben sollte

wie ich wissen wollte

wieviel ein Gedanke wiegt

und wieviel deine Seele

und mir nichts anderes blieb

als deine Worte

„We‘ll all float on, okay?“

Auf der Schönberger Seebrücke

Eine Möwe sitzt auf dem Geländer

unter ihr die klare See

die Tage neigen sich dem Ende

gleich wird sie fliegen gleich

setzt ein Mann dorthin sich

wo sie noch eben saß

zwischen Angst und Fernweh

und den Jahren danach

setzt ein Kind sich dort

spielerisch und leicht

lässt es sich rücklings fallen

unter freudigem Geschrei

gleich

wird sie fliegen

gleich.

Die Insel

Zu sehen ist sie nicht

zu erahnen ist sie.

Der graue Himmel bebt

ich schaue an einen Leuchtturm gelehnt

hinüber zum anderen Ufer der Elbe

und seh ein im Kreis drehendes Licht

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

verschwimmen Himmel und Fluss

drunter und drüber und gegenüber

poltern Regentropfen auf Autodächer

wie erbsengroße Hagelkörner

mein Kopf in deinem Schoß

Im Osten erwarten die Kräne des Hafens

jene flussaufwärts fahrenden Schiffe

deren Lichter gleich verschwunden sein werden

nie werd ich sie wiedersehen

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

startet aus dem drehenden Licht

eine Möwe in die bald so weißen Wolken

des dann so strahlend blauen Himmels

unter ihr die inmitten des Flusses liegende Insel

die nicht zu sehen ist

die nur zu erahnen ist.

Der gefangene Drache

Am blauen Himmel zieht

ein Flugzeug weiße Streifen

so klar und so deutlich

als könnte ich sie greifen

wie schweifende Gedanken.

Ich sitze auf den Steinen

im Morgenlicht am Fluss

im Wissen, dass nichts muss

lausch ich mit Genuss

den Amseln und den Gänsen

wie diese landen, jene singen

den Glocken und den Booten

wie diese rudern, jene klingen.

In den Zweigen einer Weide

treibt im lauen Wind

ein Drache her und hin

ob das Kind ihn vermisst

in Gedanken bei ihm ist?

Am Elbstrand

Sonnenlicht spiegelt sich

im Wasser der Elbe

ich liege am Strand

und denke dasselbe

wie beim letzten Mal

als ich hier war

den Schiffen hinterher sah

ich habe die Wahl

zwischen hier und dort

zwischen bleiben und reisen

zwischen mir und dir

während die Fragen kreisen

wer fährt warum wohin

wer gibt sich dem Momente hin

wer denkt still vor sich hin

wer lebt ohne Fragen, ohne Sinn

Auch am Ende denke ich immer dasselbe

vor mir die auslaufenden Wellen der Elbe

vor mir das gleißende Licht

ich denke an dich.

Unkraut zwischen Steinen

Auf der Suche nach Inspiration

treff ich meist den falschen Ton

statt B sing ich A

und nun liegt sie da

zwischen Steinen wie Gedanken

spring ich hin und spring ich her

manche leicht, die meisten schwer

wie ausgewachsne Elefanten

trampeln sie auf mir herum

doch ich bleibe nicht mehr stumm

schrei so laut ich eben kann

alles raus, was mich fand

im Heimatfilm gegen die Wand

raste ich einst ungebremst

die Tagesschau gab mir die Hand

hat mein Leben mir geschenkt

und so wachsen langsam Pflanzen

die empor allmählich ranken

wie Unkraut zwischen Steinen

bin ich mit mir im Reinen.

Ich vermisse diese Nächte

die unbeschwert brennen

unchoreografiert explodieren

sich vibrierend verrennen

im Moment der Ewigkeit implodieren

treiben durch den Schall tanzender Ekstase

rasen im Hall eines brüllenden Beats

der sich schiebt durch diese hämmernde Oase

aus fliegenden Händen

tropfenden Decken und drängenden Wänden

der sich verliert im dumpfen Klang

aufeinander prallender Körper und

brüllender Wörter

im Unsinn der langen Weile

als Summe einzelner Teile

eines Feuerwerks

nassgeschwitzter Ausgelassenheit

gegenwärtiger Glückseligkeit

ich vermisse diese Nächte.

Es wartet warmherzig der Sinn

Eben noch in wachen Träumen

schau ich in den Himmel blau

vereinzelt ziehen Wolken

zu schnell, um sie zu deuten.

Unscharf tanzt der Schnee

im Vordergrund und

unscharf meine Gedanken

im Hintergrund und

unscharf fällt der Schnee

kaum merklich

manch Flocke steht gar

im wehenden Wind

vor den noch kahlen Bäumen

weder erwachsen noch Kind

sehnsüchtig in leeren Räumen

wartet warmherzig der Sinn

eben noch in wachen Träumen

auf der Straße fährt wer Rad

zur Arbeit durch den Schnee

eben noch lag ich wach

wiegst mich nun in deinen Armen

wohin der Wind mich trägt

wiegst mich nun in deinen Armen

ohne, dass ich je versteh.

Ostern 2021

Dies Ostern ähnelt

dem letzten Jahr

ein Ostern wie sonst

keines war.

Ohne ihn und ohne sie

im engsten Kreis

vermisse sie

die alte Normalität

die ohne Tests

die keine Masken trägt

die mit Umarmungen

die ohne Mahnungen

die unbeschwert in großer Runde

eng an eng am Ostertisch sitzt

und ja, ich vermisse gar

manch schlechten Witz.

Hin zum Herz

Von weitem seh ich dich

wie du mir entgegen gehst

du lächelst still

den Blick gesenkt

stumm stehe ich

wartend und

spüre sehnend dir entgegen

wie während einer Dürre

dem Sommerregen

spüre meinen Blick entgleiten

weg von Kontrolle

weg von Sachlichkeiten

komme

was wolle

hin zu dir

weg vom Kopf

hin zum Herz.