Von einer gelben Jacke

Es treibt bei Regen

und starkem Wind

ein roter Ball im Meer

auf den Wellen hin und her

unter der Seebrücke

taucht der Ball auf und ab

und zu prallt er

an das Geländer

ein Mann steht in gelber Jacke

auf den schwarzen Steinen

die ragen vom Land ins Meer

im peitschenden Wind

brechen die Wellen

schäumt die Gischt

er sah sie als Leuchtturm

das war sie nicht

der Ball taucht weiter

in den Wellen auf und ab

und zu prallt er

an das Geländer

von dort springt ein Junge

todesmutig hinein

in das tosende Meer

es muss sein Ball sein

denkt er

an sie

dort liegt

eine gelbe Jacke.

Eines Morgens

Es regnet nicht und doch fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in gelegentlichen Tropfen

gleich einem unsteten Klopfen

und weht der Wind, fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in einem heftigen Guss

gleich einem wilden Kuss

und inne hält der Wind

still und ruhig die Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

in einem heftigen Unwetter

fällt neuer Regen nun auf Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

leicht biegen sich die Blätter

ich denke wieder viel zu viel

wie ich klopfte an deiner Tür

an unseren ersten Kuss

wie du mich sahst mit ihr

an unseren letzten Kuss.

Die Insel

Zu sehen ist sie nicht

zu erahnen ist sie.

Der graue Himmel bebt

ich schaue an einen Leuchtturm gelehnt

hinüber zum anderen Ufer der Elbe

und seh ein im Kreis drehendes Licht

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

verschwimmen Himmel und Fluss

drunter und drüber und gegenüber

poltern Regentropfen auf Autodächer

wie erbsengroße Hagelkörner

mein Kopf in deinem Schoß

Im Osten erwarten die Kräne des Hafens

jene flussaufwärts fahrenden Schiffe

deren Lichter gleich verschwunden sein werden

nie werd ich sie wiedersehen

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

startet aus dem drehenden Licht

eine Möwe in die bald so weißen Wolken

des dann so strahlend blauen Himmels

unter ihr die inmitten des Flusses liegende Insel

die nicht zu sehen ist

die nur zu erahnen ist.

Fließende Ruhe

Ich blicke auf die grünen Hügel der Vogesen,

Nebel steigt aus dem Tal herauf,

an die Scheiben peitscht der Regen.

Der Ofen wärmt, die Vögel zwitschern,

ich denke, an das Plätschern des Rheins,

an die Natur als Spiegel meines Seins.

Wie die Flüße fließen,

wie die Wolken ziehen,

wie die Hügel im Nebel verschwinden,

wie die Vögel weiterziehen.

So klar und so bewusst,

breitet sich in mir die Einsicht aus,

wahre Ruhe ist stets im Fluß.

Ein letzter Blick aufs Meer

Und das Schiff verlässt den Hafen,

wehmütige Freude

Möwen sitzen auf den Steinen

sehnsuchtsvolles Warten.

Die Sonne scheint, es regnet,

Tropfen fallen schwer.

die Möwen kreisen einen Bogen,

eine nur fliegt hinterher.

Eine Mutter klettert mutig

auf den Steinen bei starkem Wind

sie hält ängstlich an der Hand

ein vor Freude jauchzendes Kind.

Am Horizont verschwunden

der Kaffee auch fast leer,

ach, wären sie nur ungebunden,

ein letzter Blick aufs weite Meer.

Ein Regentropfen

Schwankender Regen stammend

aus einem Spiel

unmittelbar

der stürmenden

Luft mit dem fallenden Wasser

und mittelbar

dem spuckenden Feuer und der

blauen Erde

sitzt

zunächst als einzelner Tropfen

auf meinem Brillenglas,

durchsichtig, einsam und

allein

bis er fließt

sich mal verirrt und mal vereint,

glücklich zusammen

oft mit einem oder zweien,

selten gar mit dreien,

sodann sich trennt,

schließlich entzweit,

sodann

mit aller Ehrlichkeit

am Ende hängt am Rande

und schließlich fällt

wieder als einzelner Tropfen

alleine und durchsichtig

gen Erde.

Die Ruderer und die Brücke

Der Regen kam überraschend

und so warten die Ruderer

unter der Brücke in Reih und Glied,

bis das Unwetter vorüber zieht.

 

Vor ihnen der prasselnde Regen, hinter ihnen auch,

über ihnen die schützende Brücke, auf der

ein Passant genüsslich seine Zigarette raucht

und gemütlich aufs Wasser schaut.

 

Es scheint, der Regen komme ihm

nicht ungelegen, so gelassen er dort steht,

als sei nichts, wäre nichts gewesen,

während es auf ihn niederschlägt.

 

Sein Blick, der nicht sucht, findet,

wie friedvoll das Wasser sich verbindet,

das fallende mit dem fließenden,

ein Kreis läuft in den nächsten.

 

Wer wo anfängt, wer wo aufhört,

ist nicht mehr zu entdecken,

während die Ruderer sich

nach wie vor verstecken.