Auf dem Hügel

Jeden Sonnabend kauft er

Äpfel auf dem Markt

schenkt sie ihm ein Lächeln

fragt, wie seine Woche war.

Er würde gern berichten

was ihn die Woche bewegte

wie er auf seinem Arbeitswege

in Gedanken Blumen für sie pflückte.

Doch er murmelt nur „Gut.“

schaut verlegen nach unten

reicht ihr das Geld und mutig

einen Zettel, auf dem steht:

„In Gedanken pflück ich jeden Tag Blumen für dich.“

Und darunter seine Nummer.

Während er noch vor ihr steht

antwortet sie sichtlich bewegt:

„Wir sehen uns morgen um 11 Uhr

auf dem Hügel im Eppendorfer Park

ich bringe dir Blumen mit

und du mir einen Wochenbericht.“

Von einer gelben Jacke

Es treibt bei Regen

und starkem Wind

ein roter Ball im Meer

auf den Wellen hin und her

unter der Seebrücke

taucht der Ball auf und ab

und zu prallt er

an das Geländer

ein Mann steht in gelber Jacke

auf den schwarzen Steinen

die ragen vom Land ins Meer

im peitschenden Wind

brechen die Wellen

schäumt die Gischt

er sah sie als Leuchtturm

das war sie nicht

der Ball taucht weiter

in den Wellen auf und ab

und zu prallt er

an das Geländer

von dort springt ein Junge

todesmutig hinein

in das tosende Meer

es muss sein Ball sein

denkt er

an sie

dort liegt

eine gelbe Jacke.

In den Zweigen goldenes Lametta

Eine weiße Villa bei sternklarer Nacht

auf einem Hügel versteckt im Gelände

hinter alten Bäumen und Gestrüpp

am Ende des weichenden Weges

zugedeckt, verwunschen, dicht

tanzen wackelnd auf Sicht

unscharfe Schatten

wehen Flaggen

im flackernden Licht

der lodernden Flammen

von unzähligen Fackeln erhellt

leuchtet goldenes Lametta grell

in sich neigenden Zweigen

darunter ins hohe Gras

fallen vereinzelt Blätter suchen Hände

an diesem nicht endenden Spätsommertag

zählen jene vom Dach des morschen Schuppens

heimlich Sternschnuppen sich gegenseitig fragend

ob ihre Wünsche tragen, was die Zukunft bringen mag

Eines Morgens

Es regnet nicht und doch fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in gelegentlichen Tropfen

gleich einem unsteten Klopfen

und weht der Wind, fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in einem heftigen Guss

gleich einem wilden Kuss

und inne hält der Wind

still und ruhig die Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

in einem heftigen Unwetter

fällt neuer Regen nun auf Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

leicht biegen sich die Blätter

ich denke wieder viel zu viel

wie ich klopfte an deiner Tür

an unseren ersten Kuss

wie du mich sahst mit ihr

an unseren letzten Kuss.

Die Feder

Eine Feder fiel wohin leicht

aus der Luft

fing ich unbewusst

schweifend in Gedanken sie

wäre gelandet

im duftenden Gras

unerkannt läge sie

bis wann

im hohen Gras

wanderte ich den Fluss

entlang zur Quelle

ließ los erst dann

bewusst die Feder

fiel seicht und glitt dahin

flussabwärts

Welle für Welle

bis ich sie nicht mehr sah

nie wieder.

Die Insel

Zu sehen ist sie nicht

zu erahnen ist sie.

Der graue Himmel bebt

ich schaue an einen Leuchtturm gelehnt

hinüber zum anderen Ufer der Elbe

und seh ein im Kreis drehendes Licht

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

verschwimmen Himmel und Fluss

drunter und drüber und gegenüber

poltern Regentropfen auf Autodächer

wie erbsengroße Hagelkörner

mein Kopf in deinem Schoß

Im Osten erwarten die Kräne des Hafens

jene flussaufwärts fahrenden Schiffe

deren Lichter gleich verschwunden sein werden

nie werd ich sie wiedersehen

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

startet aus dem drehenden Licht

eine Möwe in die bald so weißen Wolken

des dann so strahlend blauen Himmels

unter ihr die inmitten des Flusses liegende Insel

die nicht zu sehen ist

die nur zu erahnen ist.

Der gefangene Drache

Am blauen Himmel zieht

ein Flugzeug weiße Streifen

so klar und so deutlich

als könnte ich sie greifen

wie schweifende Gedanken.

Ich sitze auf den Steinen

im Morgenlicht am Fluss

im Wissen, dass nichts muss

lausch ich mit Genuss

den Amseln und den Gänsen

wie diese landen, jene singen

den Glocken und den Booten

wie diese rudern, jene klingen.

In den Zweigen einer Weide

treibt im lauen Wind

ein Drache her und hin

ob das Kind ihn vermisst

in Gedanken bei ihm ist?

Am Elbstrand

Sonnenlicht spiegelt sich

im Wasser der Elbe

ich liege am Strand

und denke dasselbe

wie beim letzten Mal

als ich hier war

den Schiffen hinterher sah

ich habe die Wahl

zwischen hier und dort

zwischen bleiben und reisen

zwischen mir und dir

während die Fragen kreisen

wer fährt warum wohin

wer gibt sich dem Momente hin

wer denkt still vor sich hin

wer lebt ohne Fragen, ohne Sinn

Auch am Ende denke ich immer dasselbe

vor mir die auslaufenden Wellen der Elbe

vor mir das gleißende Licht

ich denke an dich.

Es wartet warmherzig der Sinn

Eben noch in wachen Träumen

schau ich in den Himmel blau

vereinzelt ziehen Wolken

zu schnell, um sie zu deuten.

Unscharf tanzt der Schnee

im Vordergrund und

unscharf meine Gedanken

im Hintergrund und

unscharf fällt der Schnee

kaum merklich

manch Flocke steht gar

im wehenden Wind

vor den noch kahlen Bäumen

weder erwachsen noch Kind

sehnsüchtig in leeren Räumen

wartet warmherzig der Sinn

eben noch in wachen Träumen

auf der Straße fährt wer Rad

zur Arbeit durch den Schnee

eben noch lag ich wach

wiegst mich nun in deinen Armen

wohin der Wind mich trägt

wiegst mich nun in deinen Armen

ohne, dass ich je versteh.

Hin zum Herz

Von weitem seh ich dich

wie du mir entgegen gehst

du lächelst still

den Blick gesenkt

stumm stehe ich

wartend und

spüre sehnend dir entgegen

wie während einer Dürre

dem Sommerregen

spüre meinen Blick entgleiten

weg von Kontrolle

weg von Sachlichkeiten

komme

was wolle

hin zu dir

weg vom Kopf

hin zum Herz.

Winter / Frühling

Ich steh auf einer kleinen Brücke

schau dem Wasser zu beim Fließen

hör den Vögeln zu beim Singen

bald beginnt es hier zu sprießen.

Gestern noch lag Eis und Schnee

ein Tag wie tiefster Winter

heute weht ein lauer Wind

nimmt Abschied von dem Winter

gleicht einem Frühlingskuss

überschwänglich voller Lust

trifft sich unser Atem in der Luft

der Duft des Aufbruchs.

Hin und zurück oder im Kreis

Sie trafen sich am selben Gleis

sie fuhr gerne Bahn, er Bus

als Selbstzweck mit Genuss

hin und zurück oder im Kreis.

Sie kamen ins Gespräch

über ein Buch von Murakami

das sie jeweils beim Warten lasen

bevor sich ihre Blicke trafen.

Beide liebten es, dem Alltag zu entfliehen

liebten Landschaften, die vorüberziehen

liebten Reisegeräusche

wie Stille andere Leute.

Sie vergaßen Raum und Zeit

redeten über Vergänglichkeit

über das Suchen und Finden

über das einfach Verschwinden.

Sein Bus war längst gefahr‘n

als sie ihre Bahn nahm

doch das sagte er nicht

mit einem Lächeln im Gesicht.

Von Rotwein und Zartbitterschokolade

Mit dem faden Geschmack im Mund

von trockenem Rotwein und

süßer Zartbitterschokolade fährt sie

während andere längst schlafen

mit einem spöttischen Lächeln Richtung Flughafen.

Wo sie sich das erste Mal trafen

vor zwei Jahren auf den Tag genau

sie war damals eine andere Frau

ziemlich selbstherrlich und arrogant

wie sie sich dank ihm später eingestand.

Nicht, dass sie es jetzt nicht mehr ist

aber sie kann über ihre Arroganz lachen

kann Witze über sich machen

doch das sieht sie gerade nicht

als sie allein am Flughafen sitzt

neben einem Mann mit einem Rotwein

in der einen und einer Zartbitterschokolade

in der anderen Hand und

rund um den Mund

einem spöttischen Lächeln.

Mit Freude oder halb Leid

Ich schaue mit der mir möglichen Ruh

dem Treiben auf der Außenalster zu

Vögel und Ruderer ziehen vorbei

allerlei Worte taumeln

durch den Kopf baumeln

im Takt der Wellen auf und ab

wie Beine überm Wasser

Fässer von Gedanken

wer vor mir hier saß und wie lange

war ihr Mut, ihm bange

worüber dachte sie nach

lachte er laut seltsam vertraut

allein oder zu zweit

mit Freude oder halb Leid

war es noch Nacht oder schon Tag

wart sie seinen Möglichkeiten gewahr

auch wer nach mir hier sitzt

ob sie ihren Namen in die Bank ritzt

sieht er den Herbst funkeln seine Augen

wohin führt sie ihr unerschütterlicher Glauben

hört er das Wasser ruhig an die Wände schlagen

hat sie jemals jemand auf Händen getragen

Ein Baum

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

stets war ich vorbeigefahren.

Letzte Woche hielt ich an,

widmete mich seiner ganz,

fragte mich, wie alt er ist,

warum er wohl am Leben ist.

Ich ging um ihn herum,

lehnte mich an seinen Stamm,

klopfte sacht und schaute

aufmerksam an ihm entlang

bis zu seiner Krone,

fühlte seine Blätter,

sie waren nass und warm.

Ich trat ganz nah an ihn heran,

und näher, nahm ihn in meinen Arm,

meinen Atem warf er mir zurück,

ich setzte mich zu seinem Fuße,

verabschiedete mich mit einem Gruße,

winkte und wünschte Glück.

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

heute bin ich vorbeigefahren.

Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Moin,

mein erster Podcast ist online. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.

Yippie, yippie, yeah, yeah, yeah!!!

Oder was meint ihr?

Ich trage unter anderem drei meiner Gedichte („Pusteblumen“, „Tanz mit der Angst“ sowie „Gedankenkreise“) vor und erzähle etwas zu ihnen.

Will ich nun wöchentlich machen.

Einfach hier klicken:

Fritz Sebastian Konka · Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Danke fürs lesen, hören, kommentieren liken und kritisieren.

Euer

Fritz Sebastian Konka

Blatt an Ast an Baum

Ich sitze

rückwärtsgewandt

am offenen Fenster,

kalte Morgenluft strömt herein,

Vogelgesang,

im Spiegel der Ausschnitt

eines Baumes

zwischen Wurzel und Krone

biegen sich Äste,

der Stamm ist nicht zu sehen,

zittern Gäste,

immer ähnlich, niemals gleich

stets im selben Raum,

unversehens,

mal ein Knirschen,

Blatt an Ast an Baum.

Ein letzter Blick aufs Meer

Und das Schiff verlässt den Hafen,

wehmütige Freude

Möwen sitzen auf den Steinen

sehnsuchtsvolles Warten.

Die Sonne scheint, es regnet,

Tropfen fallen schwer.

die Möwen kreisen einen Bogen,

eine nur fliegt hinterher.

Eine Mutter klettert mutig

auf den Steinen bei starkem Wind

sie hält ängstlich an der Hand

ein vor Freude jauchzendes Kind.

Am Horizont verschwunden

der Kaffee auch fast leer,

ach, wären sie nur ungebunden,

ein letzter Blick aufs weite Meer.

Dieser schmale Pfad

Er wandert auf diesem schmalen Pfad,

der führt hindurch das hohe Gras,

in dem sie auf dem Rücken liegt

und in die Sonne sieht,

mit ausgestreckten Armen und

ausgestreckten Beinen.

Er geht an ihr vorüber,

ohne sie zu erblicken,

sie summt mit geschlossenen Lidern

seine Lieblingsmelodie,

gedankenverloren

schaut er in die Weite.

Jahre vergehen,

da geht er wieder diesen Weg,

er hört das Summen,

sie sieht, wie er dort steht.

Sommernachtsregen

Ich sitze am offenen Fenster

kurz vor Ende dieser heißen Sommernacht,

ich erwachte, weil der graublaue Himmel

sich öffnete weit und starken Regen herabschickte

aufs gelbe Gras vor mir, das lechzte

wie auch ich, so auch ich,

der nun statt im Bett zu liegen

mit freiem Oberkörper

und angewinkelten Beinen

an der Fensteröffnung sitzt.

Still stürzende Regentropfen

klopfen sogleich an mein pochendes Herz

wecken Sehnsüchte nach Zärtlichkeit

wie sie kussgleich meinen Körper bedecken

ob seicht spritzend von unten

zurückprallend von der Fensterbank,

ob weich prasselnd von oben

fallend wie von Himmelshand

Schon lässt der Regen nach.

Auf meine hinausgestreckten Arme

fallen nur noch vereinzelt Tropfen hernieder

nun wie Stiche einer unerfüllten Liebe.