Alle sind wer

Vom Hügel ist die nächste

Senke schon zu sehen,

eben noch stand er am höchsten,

bald ist er nicht mehr zu sehen.

Das Kornfeld leuchtet golden

vor dem blauen Meer,

die Kühe grasen auf der Weide,

niemand ist hier wer.

Aus der Senke ist der nächste

Hügel schon zu sehen,

eben noch stand er am tiefsten,

bald ist er von überall zu sehen.

Dieser schmale Pfad

Er wandert auf diesem schmalen Pfad,

der führt hindurch das hohe Gras,

in dem sie auf dem Rücken liegt

und in die Sonne sieht,

mit ausgestreckten Armen und

ausgestreckten Beinen.

Er geht an ihr vorüber,

ohne sie zu erblicken,

sie summt mit geschlossenen Lidern

seine Lieblingsmelodie,

gedankenverloren

schaut er in die Weite.

Jahre vergehen,

da geht er wieder diesen Weg,

er hört das Summen,

sie sieht, wie er dort steht.

Im Freibad

Eine rote und eine blaue Fahne

wehen im weichen Wind.

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

 

Ich lieg im Schatten auf einer blauen Liege,

die rote Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die blaue Fahne dreht sich um den Mast,

Das Kind erwacht mit einem Lachen,

die rote Fahne weiter schlaff

die Fliege kitzelt meinen Nacken.

 

Ich liege in der Sonne auf einer roten Liege,

die blaue Fahne hängt nun schlaff,

neben mir schwirrt eine Fliege,

ich ruhe aus, ganz ohne Hast.

 

Die rote Fahne dreht sich um den Mast,

Das wache Kind sorgt für Verzücken, 

die blaue Fahne weiter schlaff,

die Fliege kitzelt meinen Rücken.

 

Die rote Fahne und die blaue

wehen im weichen Wind,

Schwimmer drehen Bahnen,

neben mir schläft ein Kind.

Abendspaziergang

Ein Fuß setze ich schräg vor den anderen

dann den anderen schräg vor den einen

so schreite ich Schritt für Schritt

dem Sonnenuntergang entgegen.

Es begleiten stets die gleichen Geräusche

Fetzen von Gesprächen, lauter Lärm der Straße

und ganz leise das Klacken meiner auftretenden Schuhe

aus der Nähe und dann aus der Ferne Musik.

Auch begleitet der Geruch des Asphalts und

der Schweiß der Hitze von der Hetze

des alltäglichen Abseits

des wöchentlichen Allzeitbereits.

Es ist ein warmer Sommertag, vielleicht

der bisher wärmste dieses Jahr, ich gehe nicht

allein, mein Baby, gut zwei Monate alt,

schläft auf meiner Brust in der Trage.

Jetzt bin ich fast am Fluss, am lautesten nun

das Geräusch meiner auftretenden Schuhe,

die Straße ist kaum noch zu hören

dafür die seichten Wellen der Alster.

Ich fotografiere, wie die Sonne untergeht,

genieße das Abendlicht, das sich spiegelt,

in dem Wasser, das ob der Windstille

fast steht, nicht steht, doch fließt, nur langsam.

Wie jeden Abend ist das Ziel der Weg das Bett,

der Schlaf naht, der kleine Freund des Todes,

Das primäre Geräusch nun: der knirschende Sandboden,

dann der holzige Brücken- und wieder der Sandboden.

Fast bin ich nun am Ende des Hinwegs meiner Runde

eine Brücke noch mit Steinboden und dann noch ein paar

Schritte, schon habe ich die Mitte meines heutigen Weges

zurückgelegt, befinde mich somit sogleich auf dem Rückweg.

Und dann: Bellt ein Hund mich an,

weil er mit meinem durch

die Babytrage

geformten Bauch nichts

anfangen kann.

Ich ignoriere ihn, fixiere

ängstlich, aber gekonnt

einen Punkt am Horizont,

er belässt es beim bellen,

ich passiere ihn

halb benommen.

Jetzt aber wirklich

auf dem Rückweg,

der wie der Hinweg geht,

nur andersrum.

Den anderen Fuß setze ich schräg vor den einen

dann den einen schräg vor den anderen

so schreite ich Schritt für Schritt

zurück dem Schlaf entgegen.

Die Brücken, der Fluss,

das Abendlicht, die Gerüche

und Geräusche, vor und zurück,

mein Kind und ich wir wünschen allen,

die wir euch auf dem Rückweg sehen,

die diese Zeilen lesen,

eine gute Nacht und viel Glück

für den neuen Tag, der

kommen mag.