Sacré Cœur

Ich sitz am Steg am Ukleisee

ruhig und klar das Wasser

blau wie der Himmel

spiegelt sich im Wasser

das Spiel der weißen Wolken

die sich jagen, ineinander übergehen

die zerfallen und vergehen

in der Ferne Glockenläuten.

Ich schau zum anderen Ufer

dort strahlen alte Bäume

grün auch der morsche Steg

tief hängen hier die Träume.

Ich sitz am Steg am Ukleisee

mit meiner lieben Mutter

wir schweigen stumm

in Gedanken unserer Spiegelung.

Was sie von mir in sich sieht

was ich von ihr in mir sehe

ob sie mich bedingungslos liebt

ich ihre Ambivalenzen verstehe

wohin wir miteinander flögen

wenn wir denn fliegen könnten

vom Steg des Ukleisees

sehen wir das Spiel der Wolken

Auf dem Hügel

Jeden Sonnabend kauft er

Äpfel auf dem Markt

schenkt sie ihm ein Lächeln

fragt, wie seine Woche war.

Er würde gern berichten

was ihn die Woche bewegte

wie er auf seinem Arbeitswege

in Gedanken Blumen für sie pflückte.

Doch er murmelt nur „Gut.“

schaut verlegen nach unten

reicht ihr das Geld und mutig

einen Zettel, auf dem steht:

„In Gedanken pflück ich jeden Tag Blumen für dich.“

Und darunter seine Nummer.

Während er noch vor ihr steht

antwortet sie sichtlich bewegt:

„Wir sehen uns morgen um 11 Uhr

auf dem Hügel im Eppendorfer Park

ich bringe dir Blumen mit

und du mir einen Wochenbericht.“

Von einer gelben Jacke

Es treibt bei Regen

und starkem Wind

ein roter Ball im Meer

auf den Wellen hin und her

unter der Seebrücke

taucht der Ball auf und ab

und zu prallt er

an das Geländer

ein Mann steht in gelber Jacke

auf den schwarzen Steinen

die ragen vom Land ins Meer

im peitschenden Wind

brechen die Wellen

schäumt die Gischt

er sah sie als Leuchtturm

das war sie nicht

der Ball taucht weiter

in den Wellen auf und ab

und zu prallt er

an das Geländer

von dort springt ein Junge

todesmutig hinein

in das tosende Meer

es muss sein Ball sein

denkt er

an sie

dort liegt

eine gelbe Jacke.

In den Zweigen goldenes Lametta

Eine weiße Villa bei sternklarer Nacht

auf einem Hügel versteckt im Gelände

hinter alten Bäumen und Gestrüpp

am Ende des weichenden Weges

zugedeckt, verwunschen, dicht

tanzen wackelnd auf Sicht

unscharfe Schatten

wehen Flaggen

im flackernden Licht

der lodernden Flammen

von unzähligen Fackeln erhellt

leuchtet goldenes Lametta grell

in sich neigenden Zweigen

darunter ins hohe Gras

fallen vereinzelt Blätter suchen Hände

an diesem nicht endenden Spätsommertag

zählen jene vom Dach des morschen Schuppens

heimlich Sternschnuppen sich gegenseitig fragend

ob ihre Wünsche tragen, was die Zukunft bringen mag

Eines Morgens

Es regnet nicht und doch fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in gelegentlichen Tropfen

gleich einem unsteten Klopfen

und weht der Wind, fällt Regen

der in der Nacht auf Blätter fiel

in einem heftigen Guss

gleich einem wilden Kuss

und inne hält der Wind

still und ruhig die Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

in einem heftigen Unwetter

fällt neuer Regen nun auf Blätter

auf die in der Nacht Regen fiel

leicht biegen sich die Blätter

ich denke wieder viel zu viel

wie ich klopfte an deiner Tür

an unseren ersten Kuss

wie du mich sahst mit ihr

an unseren letzten Kuss.

Eines Nachts

Die Sonne ging unter

du gingst mit ihr

obwohl ich nicht verstand

warum folgte ich dir.

Wir diskutierten auf dem Weg

über meine Verantwortung und deine

über die der Politik

über Wasserwerfer und Steine.

Du warst dir sicher

dass die Welt noch zu retten ist

ich war mir sicher

dass ist sie nicht.

Vor deinem Haus

stritten wir noch lange

du küsstest mich zum Abschied

versöhnlich auf die Wange

und drücktest mich so fest

hättest mich beinahe zerquetscht

ich wusste nicht, wie mir geschah

du warst mir näher als nur nah

dann sah ich ihn am Fenster stehen

drückte mich los, raunte „Auf Wiedersehen“

hinter der Hecke blieb ich stehen

hörte den Schlüssel im Schloss drehen.

Ich wollte nicht und schrieb dir doch

von blauen Flecken und einer Erde

die auch ohne Menschen

gut zurecht kommen würde.

Du schriebst mir

das mit den Flecken wärst du nicht gewesen

und auf der Erde

werden immer Menschen leben.

Die Sonne ging auf

als ich nach Hause kam

waren meine Füße kalt

war mein Herz warm.

Unbewusste Bewusstheiten

Fetzen von Träumen taumeln

ungreifbar nah vor offenen Augen

durch meine verschlafene

Welt der Gedanken

ob es wahr ist oder nicht

geschah oder nicht

jene rannten

jene flogen

jene tanzten

zerplatzt und nie gewesen

die gelebten Erinnerungen

so klar vor ungläubigen Augen

erfasst von einem unsichtbaren Strom

des Bewussten im Schatten

eines täuschend echten Turms

zu deuten das

was

ich schließe meine Augen.

Wie ein Stern am Himmel.

Der Tod hängt über allem

hängt der Tod

über mir und über dir

hängt über allen

hängt der Tod

kommt mal leise angeschlichen

nach Jahren im tiefen Schlaf

und einem letzten Händedruck

den du ihr voll Liebe gabst

kommt mal plötzlich in dem Wissen

dass er viel zu früh ihn traf

beim Wandern ein Steinschlag

unerklärlich Jahr um Jahr.

Der Tod hängt über allen

hängt der Tod

über mir und über dir

hängt über allem

hängt der Tod.

Wie ein Stern am Himmel.

Die Feder

Eine Feder fiel wohin leicht

aus der Luft

fing ich unbewusst

schweifend in Gedanken sie

wäre gelandet

im duftenden Gras

unerkannt läge sie

bis wann

im hohen Gras

wanderte ich den Fluss

entlang zur Quelle

ließ los erst dann

bewusst die Feder

fiel seicht und glitt dahin

flussabwärts

Welle für Welle

bis ich sie nicht mehr sah

nie wieder.

Smucke Steed

Vom Hügel aus der weiche Blick in Richtung Förde

gerahmt von Sonnenstrahlen und alten Bäumen

Gras hochgewachsen in den Zwischenräumen

säumen verwunschen Hortensien den Weg

reich an Geschichte steht

zurückhaltend hier die alte Schule

heute ein Hotel

lichtdurchflutet und hell

erhöht

in klarer Ruhe

hält inne des Lebens Hast

fällt ab des Alltags Last

unweit von Wasser und Strand

rauscht der Wind durch Blätter und Zeit

raunt, wie in lang geträumten Träumen

„Tue nichts. Es gibt nichts zu versäumen.“

krächzen hin und wieder leise die Möwen

es ist, als wäre es hier anders niemals je gewesen.

Zwischen Staub und Sternen

Im Hintergrund laufen die neuen Lieder

von Modest Mouse

wieder und wieder und wieder

höre ich die neuen Lieder

führen mich ins nirgendwo

zwischen Staub und Sternen

gehe ich und laufe ich

beweg ich mich umher

schwebe ich weiter

zurück zur Mitte

meine Gedanken hängen schwer

erinnerst du dich

wie ich dich fragte

warum ich bleiben sollte

wie ich wissen wollte

wieviel ein Gedanke wiegt

und wieviel deine Seele

und mir nichts anderes blieb

als deine Worte

„We‘ll all float on, okay?“

Auf der Schönberger Seebrücke

Eine Möwe sitzt auf dem Geländer

unter ihr die klare See

die Tage neigen sich dem Ende

gleich wird sie fliegen gleich

setzt ein Mann dorthin sich

wo sie noch eben saß

zwischen Angst und Fernweh

und den Jahren danach

setzt ein Kind sich dort

spielerisch und leicht

lässt es sich rücklings fallen

unter freudigem Geschrei

gleich

wird sie fliegen

gleich.

Die Insel

Zu sehen ist sie nicht

zu erahnen ist sie.

Der graue Himmel bebt

ich schaue an einen Leuchtturm gelehnt

hinüber zum anderen Ufer der Elbe

und seh ein im Kreis drehendes Licht

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

verschwimmen Himmel und Fluss

drunter und drüber und gegenüber

poltern Regentropfen auf Autodächer

wie erbsengroße Hagelkörner

mein Kopf in deinem Schoß

Im Osten erwarten die Kräne des Hafens

jene flussaufwärts fahrenden Schiffe

deren Lichter gleich verschwunden sein werden

nie werd ich sie wiedersehen

während es donnert

während es blitzt

während es gießt wie aus Kübeln

startet aus dem drehenden Licht

eine Möwe in die bald so weißen Wolken

des dann so strahlend blauen Himmels

unter ihr die inmitten des Flusses liegende Insel

die nicht zu sehen ist

die nur zu erahnen ist.

Der gefangene Drache

Am blauen Himmel zieht

ein Flugzeug weiße Streifen

so klar und so deutlich

als könnte ich sie greifen

wie schweifende Gedanken.

Ich sitze auf den Steinen

im Morgenlicht am Fluss

im Wissen, dass nichts muss

lausch ich mit Genuss

den Amseln und den Gänsen

wie diese landen, jene singen

den Glocken und den Booten

wie diese rudern, jene klingen.

In den Zweigen einer Weide

treibt im lauen Wind

ein Drache her und hin

ob das Kind ihn vermisst

in Gedanken bei ihm ist?

Am Elbstrand

Sonnenlicht spiegelt sich

im Wasser der Elbe

ich liege am Strand

und denke dasselbe

wie beim letzten Mal

als ich hier war

den Schiffen hinterher sah

ich habe die Wahl

zwischen hier und dort

zwischen bleiben und reisen

zwischen mir und dir

während die Fragen kreisen

wer fährt warum wohin

wer gibt sich dem Momente hin

wer denkt still vor sich hin

wer lebt ohne Fragen, ohne Sinn

Auch am Ende denke ich immer dasselbe

vor mir die auslaufenden Wellen der Elbe

vor mir das gleißende Licht

ich denke an dich.

Unkraut zwischen Steinen

Auf der Suche nach Inspiration

treff ich meist den falschen Ton

statt B sing ich A

und nun liegt sie da

zwischen Steinen wie Gedanken

spring ich hin und spring ich her

manche leicht, die meisten schwer

wie ausgewachsne Elefanten

trampeln sie auf mir herum

doch ich bleibe nicht mehr stumm

schrei so laut ich eben kann

alles raus, was mich fand

im Heimatfilm gegen die Wand

raste ich einst ungebremst

die Tagesschau gab mir die Hand

hat mein Leben mir geschenkt

und so wachsen langsam Pflanzen

die empor allmählich ranken

wie Unkraut zwischen Steinen

bin ich mit mir im Reinen.

Ich vermisse diese Nächte

die unbeschwert brennen

unchoreografiert explodieren

sich vibrierend verrennen

im Moment der Ewigkeit implodieren

treiben durch den Schall tanzender Ekstase

rasen im Hall eines brüllenden Beats

der sich schiebt durch diese hämmernde Oase

aus fliegenden Händen

tropfenden Decken und drängenden Wänden

der sich verliert im dumpfen Klang

aufeinander prallender Körper und

brüllender Wörter

im Unsinn der langen Weile

als Summe einzelner Teile

eines Feuerwerks

nassgeschwitzter Ausgelassenheit

gegenwärtiger Glückseligkeit

ich vermisse diese Nächte.

Es wartet warmherzig der Sinn

Eben noch in wachen Träumen

schau ich in den Himmel blau

vereinzelt ziehen Wolken

zu schnell, um sie zu deuten.

Unscharf tanzt der Schnee

im Vordergrund und

unscharf meine Gedanken

im Hintergrund und

unscharf fällt der Schnee

kaum merklich

manch Flocke steht gar

im wehenden Wind

vor den noch kahlen Bäumen

weder erwachsen noch Kind

sehnsüchtig in leeren Räumen

wartet warmherzig der Sinn

eben noch in wachen Träumen

auf der Straße fährt wer Rad

zur Arbeit durch den Schnee

eben noch lag ich wach

wiegst mich nun in deinen Armen

wohin der Wind mich trägt

wiegst mich nun in deinen Armen

ohne, dass ich je versteh.

Hin zum Herz

Von weitem seh ich dich

wie du mir entgegen gehst

du lächelst still

den Blick gesenkt

stumm stehe ich

wartend und

spüre sehnend dir entgegen

wie während einer Dürre

dem Sommerregen

spüre meinen Blick entgleiten

weg von Kontrolle

weg von Sachlichkeiten

komme

was wolle

hin zu dir

weg vom Kopf

hin zum Herz.

Von einem Kurzurlaub

Sie machte Urlaub in Berlin

für eine Woche nur

und traf unmittelbar

bei ihrer Ankunft

einen Mann

der obdachlos war.

Die beiden kamen ins Gespräch

tauschten sich aus

sie brachte ihm Essen

tagein

tagaus.

Wie ehrlich er war.

Sie einte der Mut.

Wie ehrlich sie war.

Sie einte die Wut.

Nach ihrer Abreise

hielten sie Kontakt

per Telefon

es ging ihr schlecht

das ahnte er schon.

Zwei Jahre später

verstarb sie an Krebs

in einem Hamburger Krankenhaus.

Er hatte zuvor für Stunden

ihre Hand gehalten

und wollte nur

kurz Blumen

holen.

Er war den Tag zuvor

aus Berlin angereist.

#Lockdownlyrik

Moin zusammen,

heute gibt es kein Gedicht.

Dafür will ich auf ein tolles gemeinnütziges Lyrik-Projekt zur Unterstützung der durch die Pandemie besonders betroffenen Obdachlosen aufmerksam machen.

So ist letzten Freitag die Anthologie „#Lockdownlyrik“ beim Trabantenverlag mit 100 Gedichten von 100 Autor:innen erschienen. Es sind unter anderem Texte von Sibylle Berg, Ulrike Almut Sandig und Thomas Gsella zum Thema Lockdown dabei (siehe auch: https://www.trabantenverlag.de/produktseite/lockdownlyrik-100-gedichte-von-100-autor-innen). Ich bin auch mit einem Text vertreten. Der gesamte Erlös des Buches geht an die Obdachlosenhilfe.

Das Buch ist infolge eines Aufrufes auf Instagram entstanden. Alle Autor:innen haben ihr Gedicht für den guten Zweck gespendet. Für weitere Informationen zum Projekt schaut auf der Hompage https://www.lockdownlyrik.de und dem Instagram-Kanal @lockdownlyrik (https://www.instagram.com/lockdownlyrik/?hl=de ) vorbei. Auch das Radiointerview des Initiators Fabian Leonhard mit Bayern 2 (https://www.ardaudiothek.de/aktuelle-interviews/lockdown-lyrik-fabian-leonhard-lyriker/86251798) ist sehr empfehlenswert.

Und jetzt kauft bitte alle diesen wunderbaren Band. Und zwar hier: https://www.trabantenverlag.de/produktseite/lockdownlyrik-100-gedichte-von-100-autor-innen

Der gesamte Erlös geht, wie gesagt, an die Obdachlosenhilfe! Erzählt es weiter und macht Werbung für dieses großartige Buch.

Folgt mir übrigens gerne auch auf Instagram (https://www.instagram.com/f_s_konka/?hl=de). Da trage ich unter anderem regelmäßig Gedichte vor.

Mit lyrischen Grüßen
Fritz Sebastian Konka

Hör deinem Traum zu

Es steht dort eine Wand

auf jenem Platz in Eppendorf

regelmäßig plakatiert

in schwarz und weiß und grau

doch heute strahlt sie Farben

in grün und gelb und rot und blau

strahlt sie Farben

und morgen kommt ein Mann

und plakatiert in schwarz und weiß

mit aller Ruh an die Wand

eine Sternschnuppe tragende Hand

sowie zwei Köpfe

die Ohr an Ohr klagend sagen

„Hör deinem Traum zu“

der linke Kopf

steht Kopf.

Über Felder

Ich gehe über Felder

am Morgen im Sonnenschein

strahlen die Wälder

ich gehe querfeldein

ich suche nach Störchen

ich gehe allein

auf dem Weg zurück

findet mich dieses Gedicht

meine Suche als Ziel

wo führt sie mich hin

übern Zaun und darunter

die Suche als Sinn

lenkt meine Gedanken

irgendwohin

gehe ich am Morgen

im Sonnenschein

auf der Suche

nach

Störchen

querfeldein.

Hamsterrad

In dem Hamsterrad

lauf ich nicht mehr

vielmehr geh ich achtsam hin

und gehe achtsam her

in dem Hamsterrad

bleib ich oft stehen

schaue auf und schaue ab

es ist so viel zu sehen

in dem Hamsterrad

ein sehr weiter Schritt

wie schnell es sich jetzt dreht

doch natürlich halt ich mit

in dem Hamsterrad

geh ich nun sehr schnell

sehe kaum noch was

von dieser schönen Welt

ich gehe immer schneller

merke nicht, dass ich schon lauf

bis ich stolper und ich falle

aus dem Rad hinaus

und wie ich liege so daneben

wird mir auf einmal klar

neben mir das Leben

wie unachtsam ich war

dieser Gedanke eben

gibt mir neue Kraft

auf zum nächsten Anlauf

in das Hamsterrad

nur noch langsamer

nur noch achtsamer.

Winter / Frühling

Ich steh auf einer kleinen Brücke

schau dem Wasser zu beim Fließen

hör den Vögeln zu beim Singen

bald beginnt es hier zu sprießen.

Gestern noch lag Eis und Schnee

ein Tag wie tiefster Winter

heute weht ein lauer Wind

nimmt Abschied von dem Winter

gleicht einem Frühlingskuss

überschwänglich voller Lust

trifft sich unser Atem in der Luft

der Duft des Aufbruchs.

Nur nicht allein

Der Weg hierher fällt mir schwer

er ist uneben und vereist

ich rutsche hin und rutsche her

stolper immer wieder leicht

angekommen an dem Teich

knirscht unter mir das junge Eis

erste Risse sind zu sehn

doch weiter will ich gehn

in der Mitte bleib ich stehn

eisig pfeift der raue Wind

erweckt die Stimme der Vernunft

in meinem innern Kind

„Weiter gehst du nicht

du gingst bereits den halben Weg

den ganzen gehst du nicht

auch wenn du noch so mutig bist.“

Der Weg zurück fällt mir schwer

ich rutsche hin und rutsche her

doch ich komm bald wieder her

nur nicht allein.

Auf der Fensterbank

Ich sitze auf der Fensterbank

mit einem Kaffee in der Hand

vorbei zieht Rauch

Wind drückt an die Scheibe

trägt mich in mein Elternhaus

wie oft wog er mich dort

in den Schlaf

wie oft trug er mich fort

lag ich wach

wie oft küsste er mich

sacht in die Nacht

trägt mich in meine Studentenstadt

wie ich den Wind

als ständigen Begleiter

im Süden misste

den Gegenwind

der mich kaum

noch kitzelte und küsste

trägt mich an die Nordseeküste.

Mein Atem

Mein Atem strömt ein

mein Atem strömt aus

ich richte mein Bewusstsein aus

auf meinem Bauch

liegt meine linke Hand

die sich neigt und hebt

mit dem Bauch bewegt

den Rücken an der Wand

hör ich dem Atem zu

ohne, dass ich was tu

hör ich den Atem zu

ohne, dass ich was tu

strömt der Atem aus

strömt der Atem ein

mein Bewusstsein ist gerichtet

auf meinen Bauch.

Unsere Liebe

Unsere Liebe schlummert

unter alltäglichen Einzelheiten

fällt es ihr oft schwer

sich in Gänze zu entfalten.

Unsere Liebe blüht auf

wenn wir uns widmen

wenn wir uns sagen

was wir in uns tragen.

Unsere Liebe ist selten laut

meist leise, zart und zerbrechlich

doch taucht sie auf

ist sie vertraut und unvergesslich.

Drum schrei ich sie hinaus.

Mit Eicheln und mit Stöckern

Die Minigolfbahn geschlossen

wie das Hotel nebenan

ist nichts offen

sind nur deine Arme

empfangen mich

du trägst ein Strahlen im Gesicht

kletterst übern Zaun

wie in alten Zeiten

trau ich mich kaum

du redest mir Mut zu

von der andern Seite

überzeugst du mich im Nu

folg ich dir übern Zaun

du wartest bei den Löchern

mit Eicheln und mit Stöckern

spielen ich und du

schließlich in Seelenruh

sitzen nun auf unsrer Bank

du nimmst meine Hand

und schaust mir in die Augen

ich würd dir alles glauben.

Kein Gedicht

Ich schreibe ein Gedicht

noch weiß ich nicht, was

also schreibe ich, dass

ich nicht weiß, was

während ich auf dem Bett liege

mit dem Handy in der Hand

trotz aller Liebe

ohne Stift und Papier

bei wenig Licht

comes das Handy in handy

zumal ich ständig korrigier

und auf die Schnelle

wild um die Schrift stelle

von dort nach hier.

Die Entscheidung

Eben noch saß sie auf der Bank

schaute auf das flache Land

und nahm sich Zeit

auf ihrem Weg zur Arbeit

dachte sie nach weswegen

wofür und wie will sie leben

so nicht, das war ihr nun klar

es ist unehrlich und unwahr

sie stand auf und rief ihn an

lief auf und ab und sagte dann

„Ich möchte etwas zum Guten bewegen

in meinem, diesem einzigen Leben.“

Er verstand, während er nach Worten rang:

„Dein Leben sollst du leben

frage stets wofür, wie und weswegen

endlich wirst du wissen, wo lang.“

Sie setzte sich wieder auf die Bank

schaute auf das flache Land

sie saß dort stundenlang

ehe sie schließlich gang.

Zwei kleine Sonnen

Zwischen zwei Laternen

steht im Fernen die Sonne tief

die eben scheinbar noch

hinter grauen Wolken schlief.

Wie prägt sie unser aller Sein.

Ganz gleich wird sie verschwunden sein

ganz gleich wird sie woanders schein‘

ganz gleich werden die Laternen leuchten

wie zwei kleine Sonnen erleuchten.

Mitten zwischen ihnen stehe ich

und kann mich nicht entscheiden

möchte gehen, möchte bleiben

sehe ich das Dunkle nicht

hinter all dem Sonnenlicht?

Hin und zurück oder im Kreis

Sie trafen sich am selben Gleis

sie fuhr gerne Bahn, er Bus

als Selbstzweck mit Genuss

hin und zurück oder im Kreis.

Sie kamen ins Gespräch

über ein Buch von Murakami

das sie jeweils beim Warten lasen

bevor sich ihre Blicke trafen.

Beide liebten es, dem Alltag zu entfliehen

liebten Landschaften, die vorüberziehen

liebten Reisegeräusche

wie Stille andere Leute.

Sie vergaßen Raum und Zeit

redeten über Vergänglichkeit

über das Suchen und Finden

über das einfach Verschwinden.

Sein Bus war längst gefahr‘n

als sie ihre Bahn nahm

doch das sagte er nicht

mit einem Lächeln im Gesicht.

Zu zweit an einem Ort

Es war einmal ein Mensch

der tat recht wenig

ruhte aus

wenn möglich

redete er kaum, hörte viel zu

er war phlegmatisch womöglich.

Es war einmal ein Mensch

der tat immerzu

kannte keine Ruh

redete mit Genuss

in einem Fluss

er war wohl lebhaft bis zum Überdruss.

Es war einmal ein Mensch

der tat mal hier, ruhte mal dort

redete

dann und wann

hörte er zu in aller Ruh

er war zu zweit an einem Ort.

Das Bild der zwei Brücken

Ich steh‘ unter zwei Brücken

die eine führt gen Norden

die andere gen Süden

über mir zwei Brücken.

Auf Schienen fahren die Bahnen

immer denselben Weg

die Schienen sind der Rahmen

für immer denselben Weg.

Die Menschen malen das Bild aus

mit stetig verschiedenen Farben

sie steigen ein und steigen aus

verändern mild die Farben

des immer selben Wegs

mancher sitzt und mancher steht

doch jeder geht auf seinem Weg

zumindest ein paar Schritte

mancher sucht nach seiner Mitte

mancher fand sie schon vor Jahren

mancher band sich, zu bewahren

mancher sieht die ersten Risse.

Meine Wahrheit brodelt verborgen

zusammen mit meinen Lügen

gestern wie heute wie morgen

wie kann ich mir genügen?

Eine Trennung

Im Taxi auf der Rückbank

weint er hemmungslos

der Taxifahrer sagt nichts

und fährt rücksichtslos

über rote Ampeln

setzt den Blinker nicht

fährt viel zu schnell

trotz schlechter Sicht

er sollte was sagen

er sagt nichts

wie kann er es nicht wagen

weint bloß bitterlich

Sie ist wirklich gegangen

oder ging doch er

es hat sich angedeutet

und fällt trotzdem schwer.

Das Taxi ist schon da und hält

die Fahrt unangenehm wie nie

trotzdem gibt er Trinkgeld

er denkt nur an sie.

Sie hat es nicht ausgesprochen

er hat es gespürt

das Unschuldige zerbrochen

sie war nicht mehr berührt.

Silvester an der Alster

Es ist Silvester kurz vor Mitternacht

Eisschollen treiben auf dem Wasser

in dieser klaren, bitterkalten Nacht

er sucht sich einen stillen Platz

wo er seine Ruhe hat

wo nichts passiert

wo nichts geschieht

vielleicht wirft er seine Angel aus

einen Köder nutzt er nie

während zuhaus‘ im Endreihenhaus

seine Frau allein das neue Jahr begießt

die Kinder, bereits eingeschlafen

ein Vorsatz, ein Fisch an seinem Haken.

Ein Blick für einen flüchtigen Augenblick

Sie sehen sich jeden Wochentag

für nicht länger als eine Sekunde

immer morgens zur selben vollen Stunde

fährt sie mit der U-Bahn rein in die Stadt

und er mit der U-Bahn raus aus der Stadt.

Wenn die Bahnen aneinander vorbeifahren

trifft sich ihr Blick für einen flüchtigen Augenblick

ihr war gar, als hätte er ihr zugenickt

ehe er sich im eigenen Spiegelbild verliert

als wäre nichts passiert.

Die Brücke

Zwischen ihnen diese Lücke

er auf der einen Seite

sie auf der anderen Seite

der hinüber führenden Brücke.

Während sie so am Ufer stehen

und zueinander hinübersehen

in Erwartung der ersten Schritte

des jeweils andern gen Brückenmitte

hat es zu regnen angefangen

auch grollt ein Donner in der Ferne

ist sie bald gegangen

von der Kälte in die Wärme.

Er steht nun allein auf ihrer Seite

durchnässt bis auf die Haut

niemand mehr auf seiner Seite

es wirkt seltsam vertraut.

Von Rotwein und Zartbitterschokolade

Mit dem faden Geschmack im Mund

von trockenem Rotwein und

süßer Zartbitterschokolade fährt sie

während andere längst schlafen

mit einem spöttischen Lächeln Richtung Flughafen.

Wo sie sich das erste Mal trafen

vor zwei Jahren auf den Tag genau

sie war damals eine andere Frau

ziemlich selbstherrlich und arrogant

wie sie sich dank ihm später eingestand.

Nicht, dass sie es jetzt nicht mehr ist

aber sie kann über ihre Arroganz lachen

kann Witze über sich machen

doch das sieht sie gerade nicht

als sie allein am Flughafen sitzt

neben einem Mann mit einem Rotwein

in der einen und einer Zartbitterschokolade

in der anderen Hand und

rund um den Mund

einem spöttischen Lächeln.

Was dich ausmacht

Wie viele Gesichter du hast, ob du sie alle kennst

ob du einen Elefanten beim Namen nennst

wann du weinst und wann du auslachst

was du liebst und was dich ausmacht

wo du dich betrügst, wann du lügst

ob der äußere Schein trügt

was du dir wieso verbaust

was du dich nicht traust

worüber du dich ärgerst

wen du gern verärgerst

wovor du Angst hast

wann du laut lachst

ob du dich sehnst

was du verpönst

was du verbirgst

was mit dir stirbt

was dich antreibt

was von dir bleibt

wenn du dein

Innerstes

nach Außen

kehrst.

Mit Freude oder halb Leid

Ich schaue mit der mir möglichen Ruh

dem Treiben auf der Außenalster zu

Vögel und Ruderer ziehen vorbei

allerlei Worte taumeln

durch den Kopf baumeln

im Takt der Wellen auf und ab

wie Beine überm Wasser

Fässer von Gedanken

wer vor mir hier saß und wie lange

war ihr Mut, ihm bange

worüber dachte sie nach

lachte er laut seltsam vertraut

allein oder zu zweit

mit Freude oder halb Leid

war es noch Nacht oder schon Tag

wart sie seinen Möglichkeiten gewahr

auch wer nach mir hier sitzt

ob sie ihren Namen in die Bank ritzt

sieht er den Herbst funkeln seine Augen

wohin führt sie ihr unerschütterlicher Glauben

hört er das Wasser ruhig an die Wände schlagen

hat sie jemals jemand auf Händen getragen

Die (un)sichtbare Mauer

Es ist, als ob auf meinem Weg

eine unsichtbare Mauer steht

nicht zu übersteigen und nicht zu umgehen

ich entscheide mich, umzudrehen.

Bald findet mich erneut der Weg

auf dem die unsichtbare Mauer steht

ich fluch‘ und schimpf‘ auf mein Unglück

laut und lauter hallt es zurück.

Ich setz‘ mich hin und nehm‘ mir Zeit

frag‘ nach dem Sinn, bin ich bereit

warum die unsichtbare Mauer hier wohl steht

mitten auf meinem Weg.

Ich finde eine Antwort

eine Antwort gibt es nicht

ich trage mein Päckchen

ich trage es nicht.

Nun taucht die Mauer am Horizonte auf

ich kann sie wirklich sehen

und meinen Weg weiter gehen

nehme Anlauf.

Ich springe über die Mauer drüber

während ich laut singe.

Wenn ich meine Zweifel tanze

Was ich nicht kontrollieren kann

nimmt in der Nacht überhand

es tritt zutage

was ich am Tage nicht ertrage

ich lasse zu, was ist

nehme hin, wie es ist

lasse los

ohne Plan und ohne Ziel

nichts ist zu groß

ohne Denken ins Gefühl

kein Kalkül

ich fühl‘ anstatt zu negieren

lass Momente regieren

bin für Angst und Trauer bereit

für Freude und Ausgelassenheit

ich bin ohne Frage nach dem Sinn

wenn ich meine Zweifel tanze

mich nicht hinter ihnen verschanze

wenn ich träume

wenn ich schlaf

bin ich mir wirklich nah?

Bis ich balanciere

An diesem sonnigen Tag
im frühen Herbst
sitze ich im leichten Winde
auf Metall, wie es hallt
unter meinen Fingern
die klopfen sanft und stark
im Wechsel die Beine
ausgestreckt und angewinkelt
sitze ich sicher nah am Rand
den Rücken an der Wand
während ich mit mir winde
die rechte Hand baumelt
über dem Hang
die linke ruht in der Jackentasche
eine Kastanie
ich könnte aufstehen
ich könnte balancieren
an diesem herrlichen Tag
im frühen Herbst
wärmt die Sonne leicht
so wie der Winde weht
gesammelte Regentropfen bewegt
die Äste biegen weich
hier sitz ich früh und spät
bis ich balanciere.

Ein Baum

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

stets war ich vorbeigefahren.

Letzte Woche hielt ich an,

widmete mich seiner ganz,

fragte mich, wie alt er ist,

warum er wohl am Leben ist.

Ich ging um ihn herum,

lehnte mich an seinen Stamm,

klopfte sacht und schaute

aufmerksam an ihm entlang

bis zu seiner Krone,

fühlte seine Blätter,

sie waren nass und warm.

Ich trat ganz nah an ihn heran,

und näher, nahm ihn in meinen Arm,

meinen Atem warf er mir zurück,

ich setzte mich zu seinem Fuße,

verabschiedete mich mit einem Gruße,

winkte und wünschte Glück.

Ein Baum steht dort

er steht dort schon seit langem

er stand dort schon vor Jahren,

heute bin ich vorbeigefahren.

Du bist nicht deine Gedanken

Wenn du in Gedanken bist,

wo bist du dann?

Nicht hier bei mir,

mahnt sie ab und an,

wenn du in Gedanken bist.

Fragst du dich, warum du fliehst?

warum deine Gedanken dich

von hier wegzieh‘n?

Wenn nicht, frage ich.

Weil es nunmal so ist,

weil es ist, wie es ist.

Ja, es ist, wie es ist, erwidert sie,

aber deine Gedanken sind nicht,

du bist und nur

hier bei mir,

wenn du nicht in Gedanken bist.

Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Moin,

mein erster Podcast ist online. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.

Yippie, yippie, yeah, yeah, yeah!!!

Oder was meint ihr?

Ich trage unter anderem drei meiner Gedichte („Pusteblumen“, „Tanz mit der Angst“ sowie „Gedankenkreise“) vor und erzähle etwas zu ihnen.

Will ich nun wöchentlich machen.

Einfach hier klicken:

Fritz Sebastian Konka · Podcast – Folge 1 – Wer ich bin

Danke fürs lesen, hören, kommentieren liken und kritisieren.

Euer

Fritz Sebastian Konka

Alter Wegbegleiter

Nicht mehr gewartet

zu lang die Spanne

als dass

vergessen, versunken, verschüttet

hinabgesunken ins Ungewisse

vergraben unter neuem und alten

umgeben von

ähnlichen Ungleichen

und dann irgendwann

nach Zeit, all der Zeit

anders so vertraut

erklingt

diese wohlbekannte Stimme

jetzt

jenes verlorenen Wegbegleiters

der nie verloren war

hinein ins Herz

trägt mich zurück

nach vorn

ins hier

mit neuen Worten

an das Ufer

dieses tiefen Sees.

Die Ruhe der Gedanken

Manchmal fällt mir nicht ein

Gedanke ein,

dann suche ich, doch

finde keinen Reim.

Manchmal findet ein

Gedanke mich,

ohne, dass ich suche

scheinbar aus dem Nichts.

Manchmal frag ich nicht,

woher er kommt, und

schreib ihn auf

ob Tag, ob Nacht

nehm ich ihn ernst und auf.

Manchmal frag ich nach

seinem Grund und

grübel länger nach,

ob ich versteh,

welch Gefühl

dahinterstehen mag.

Manchmal schieb ich

ihn zur Seite, hör ihm

nicht einmal zu,

stets kommt er dann wieder,

manchmal erst nach Jahren,

er will seine Ruh.

Ein letzter Blick aufs Meer

Und das Schiff verlässt den Hafen,

wehmütige Freude

Möwen sitzen auf den Steinen

sehnsuchtsvolles Warten.

Die Sonne scheint, es regnet,

Tropfen fallen schwer.

die Möwen kreisen einen Bogen,

eine nur fliegt hinterher.

Eine Mutter klettert mutig

auf den Steinen bei starkem Wind

sie hält ängstlich an der Hand

ein vor Freude jauchzendes Kind.

Am Horizont verschwunden

der Kaffee auch fast leer,

ach, wären sie nur ungebunden,

ein letzter Blick aufs weite Meer.

Dieser schmale Pfad

Er wandert auf diesem schmalen Pfad,

der führt hindurch das hohe Gras,

in dem sie auf dem Rücken liegt

und in die Sonne sieht,

mit ausgestreckten Armen und

ausgestreckten Beinen.

Er geht an ihr vorüber,

ohne sie zu erblicken,

sie summt mit geschlossenen Lidern

seine Lieblingsmelodie,

gedankenverloren

schaut er in die Weite.

Jahre vergehen,

da geht er wieder diesen Weg,

er hört das Summen,

sie sieht, wie er dort steht.

Der Anfang oder das Ende

Er sitzt jeden Tag zur selben Zeit

allein auf der Bank im Park,

weil sie dann ihren

Abendspaziergang macht.

Als sie sich nähert,

er sieht sie bereits in der Ferne,

wie selbstbewusst sie geht,

fährt er sich unbewusst mit der

Hand durchs Haar.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt er sie schüchtern an,

schon ist sie vorbeigegangen.

Mit ihr der schönste Moment

seines Tages.

Er sagt sich:

„Spricht sie mich morgen nicht an,

setze ich mich nicht mehr

auf diese Bank. Ich kann

nicht nur für ihr Lächeln leben.

So wunderbar es auch sein mag.“

 

Sie macht auch morgen,

wie jeden Tag,

zur selben Zeit,

ihren Abendspaziergang,

weil er dann auf der

Bank im Park sitzt.

Sie sieht ihn bereits aus der Ferne,

wie gelassen er dort sitzt.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt sie ihn an, offener denn je,

schon ist sie vorbeigegangen.

Und damit der schönste Moment

ihres Tages.

Sie sagt sich:

„Morgen spreche ich ihn an. Es

war ein Lächeln, da bin ich mir sicher.

Er scheint schlicht schüchtern.

Wie er sich mit der Hand durchs Haar fährt.

Das mag ich. Sehr.“

Der Baum mit Gedichten

Ein Baum mit Gedichten steht 

mitten in Hamburg und lädt 

alle Müßiggänger ein, 

zusammen müßiggängerisch zu sein.

 

Ein Gedicht mitzunehmen

oder eins zu hinterlassen,

anzuregen oder sich anregen zu lassen.

ganz nach Belieben, ganz nach Vernehmen.

 

Sie steht vor dem Baum und lächelt,

er lächelt zurück, eher aus Reflex,

halb perplex, sie steckt währenddessen 

einen Zettel ins Netz am Baum.

 

Erst jetzt versteht er

den Baum mit Gedichten.

Und greift hinein, 

auf seinem Zettel steht:

 

Lass uns zusammen eilen!

Lass uns zusammen verweilen!

Lass uns zusammen müßig gehen!

Lass uns zusammen beeilen!

Sie oder er?

Die Ampel für Fußgänger

springt von rot sofort 

auf grün, kein Orange 

liegt dazwischen.

 

Unweit der Ampel 

überquert die Frau

die vierspurige Straße

ohne zu schauen.

 

Sie steigt in den Bus,

der quer durch die Stadt

fahren wird, 

wie bald sie aussteigt?

 

Der Mann springt hinein,

kopfüber ins kalte Wasser,

eine Abkühlung 

am Ende dieses heißen Tages.

 

Er schwimmt zum Land,

schaut hinein in die

untergehende Sonne,

die Orange ist, noch nicht rot. 

 

Gleich wird er aufs Fahrrad steigen,

gleich wird er nach Hause fahren,

Wer wohl zuerst daheim sein wird,

Sie oder er?