Der Anfang oder das Ende

Er sitzt jeden Tag zur selben Zeit

allein auf der Bank im Park,

weil sie dann ihren

Abendspaziergang macht.

Als sie sich nähert,

er sieht sie bereits in der Ferne,

wie selbstbewusst sie geht,

fährt er sich unbewusst mit der

Hand durchs Haar.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt er sie schüchtern an,

schon ist sie vorbeigegangen.

Mit ihr der schönste Moment

seines Tages.

Er sagt sich:

„Spricht sie mich morgen nicht an,

setze ich mich nicht mehr

auf diese Bank. Ich kann

nicht nur für ihr Lächeln leben.

So wunderbar es auch sein mag.“

 

Sie macht auch morgen,

wie jeden Tag,

zur selben Zeit,

ihren Abendspaziergang,

weil er dann auf der

Bank im Park sitzt.

Sie sieht ihn bereits aus der Ferne,

wie gelassen er dort sitzt.

Dann auf seiner Höhe nun,

lächelt sie ihn an, offener denn je,

schon ist sie vorbeigegangen.

Und damit der schönste Moment

ihres Tages.

Sie sagt sich:

„Morgen spreche ich ihn an. Es

war ein Lächeln, da bin ich mir sicher.

Er scheint schlicht schüchtern.

Wie er sich mit der Hand durchs Haar fährt.

Das mag ich. Sehr.“

Der Baum mit Gedichten

Ein Baum mit Gedichten steht 

mitten in Hamburg und lädt 

alle Müßiggänger ein, 

zusammen müßiggängerisch zu sein.

 

Ein Gedicht mitzunehmen

oder eins zu hinterlassen,

anzuregen oder sich anregen zu lassen.

ganz nach Belieben, ganz nach Vernehmen.

 

Sie steht vor dem Baum und lächelt,

er lächelt zurück, eher aus Reflex,

halb perplex, sie steckt währenddessen 

einen Zettel ins Netz am Baum.

 

Erst jetzt versteht er

den Baum mit Gedichten.

Und greift hinein, 

auf seinem Zettel steht:

 

Lass uns zusammen eilen!

Lass uns zusammen verweilen!

Lass uns zusammen müßig gehen!

Lass uns zusammen beeilen!